Die USA und Iran haben trotz tiefen gegenseitigen Misstrauens eine zweite Verhandlungsrunde gestartet, in der es erneut unter anderem um Irans Atomprogramm gehen soll. In Genf setzen Delegationen beider Staaten an diesem Dienstag ihre Gespräche unter Vermittlung des Golfstaats Oman fort. Die indirekten Gespräche zwischen Irans Außenminister Abbas Araghtschi und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff finden laut iranischen Medien in der omanischen Botschaft statt.
Im Vorfeld der neuen Verhandlungsrunde nahmen die Spannungen zwischen beiden Ländern zu. Die USA haben einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten entsandt. US-Vertreter hatten der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, das Militär bereite sich
auf eine mögliche längere Militäraktion vor, sollten die Gespräche scheitern. Irans Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei reagierte mit Drohungen auf die US-Flottenpräsenz. „Gefährlicher als ein Flugzeugträger ist die Waffe, die ihn auf den Meeresgrund schicken kann“, sagte der Kleriker, der in allen strategischen Belangen das letzte Wort hat.
Gefährlicher als ein Flugzeugträger ist die Waffe, die ihn auf den Meeresgrund schicken kann.Irans oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei
Die Marine der Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, hatte einen Tag vor Beginn des Treffens ein Manöver in der Straße von Hormus angekündigt. Ziel der Militärübung sei ein Test der Einsatzbereitschaft, hieß es in einer Erklärung der Garden. Dabei feuerten sie am Dienstag Raketen auf Ziele im Meer. Bei der Militärübung seien auch Schnellboote mit Raketenwerfern im Einsatz, hieß es in einer Mitteilung der Revolutionsgarden. „Die Raketen trafen ihre Ziele in der Straße von Hormus aus dem Landesinneren, von den Küsten und von den iranischen Inseln im Persischen Golf.“

Gespräche zwischen USA und Iran:Die Kriegsgefahr ist nicht gebannt
Delegationen aus den USA und Iran treffen sich in Oman zu indirekten Gesprächen. Irans Außenminister lobt den „guten Start“ – doch ein Angriff der Amerikaner auf das Regime ist damit nicht vom Tisch.
Wegen der Manöver würden Teile der Straße von Hormus einige Stunden für die Schifffahrt gesperrt, berichtet am Dienstagmittag die iranische Nachrichtenagentur Fars. Die etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. Iranische Offiziere hatten im Konflikt mit den USA in der Vergangenheit damit gedroht, sie jederzeit blockieren zu können.
„Wir verhandeln unter Bedingungen vollständiger Skepsis und des Misstrauens. Wir haben frühere Erfahrungen“, sagte Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai mit Blick auf den Krieg im vergangenen Jahr, den Israel kurz vor Beginn einer Verhandlungsrunde zwischen Iran und den USA begonnen hatte. Außenminister Araghtschi erklärte auf der Plattform X, er sei in Genf, um eine faire und gerechte Einigung zu erzielen. Man werde sich Drohungen jedoch nicht beugen.
Ich glaube nicht, dass sie die Konsequenzen wollen, die ein Scheitern der Verhandlungen hätte.US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuversichtlich über eine mögliche Einigung. Er werde indirekt an den Verhandlungen am Dienstag in Genf beteiligt sein, sagte Trump. Er glaube, Teheran wolle eine Einigung erzielen. Als Grund nannte er die US-Luftangriffe auf iranische Atomanlagen im vergangenen Sommer. „Ich glaube nicht, dass sie die Konsequenzen wollen, die ein Scheitern der Verhandlungen hätte“, sagte Trump. US-Außenminister Marco Rubio hatte sich während eines Besuchs in Ungarn skeptisch zu den Chancen einer Einigung geäußert.
Bei den Verhandlungen geht es auch um Irans umstrittenes Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Irans Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung der harten Wirtschaftssanktionen. Andere Themen wie das Raketenprogramm oder die Unterstützung militanter Gruppen schloss Teheran vorab aus.
Vor der zweiten Verhandlungsrunde benannte Irans Vizeaußenminister Hamid Ghanbari überraschend mögliche Kooperationsfelder mit den USA. Ein Entwurf berücksichtige „gemeinsame Interessen in den Bereichen Öl und Gas“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Fars. Er sprach demnach auch von möglichen Bergbauinvestitionen und dem Kauf von Flugzeugen.
Der Minister erklärte, eine Kooperation müsse sich auf wirtschaftliche Bereiche mit möglichst geringer innenpolitischer Sensibilität konzentrieren. Seit der Revolution von 1979 gelten die USA als Erzfeind der islamischen Führung in Teheran. Die iranische Regierung wehrt sich seitdem gegen westlichen Einfluss, insbesondere in Schlüsselindustrien.

