US-EinwanderungsbehördeICE-Polizist erschießt einen Mexikaner in Houston

Lesezeit: 3 Min.

Mit einem Foto des erschossenen Mannes erscheinen seine Angehörigen zu einer Pressekonferenz in Houston.
Mit einem Foto des erschossenen Mannes erscheinen seine Angehörigen zu einer Pressekonferenz in Houston. Antranik Tavitian/REUTERS
  • Ein ICE-Polizist erschoss am Dienstagmorgen in Houston den 52-jährigen Mexikaner Lorenzo Salgado Araujo während einer Kontrolle.
  • ICE behauptet, der Mann habe versucht, einen Polizisten mit seinem Fahrzeug zu überfahren, die Familie fordert eine unabhängige Untersuchung.
  • Es ist der erste tödliche ICE-Vorfall seit Januar, als in Minneapolis zwei US-Bürger erschossen wurden.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Erneut wird ein Mensch bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde getötet. Im Januar hatten Agenten von ICE und Border Patrol in Minneapolis bereits zwei US-Bürger erschossen. Die Familie verlangt eine unabhängige Untersuchung.

Von Charlotte Walser, Washington

SZ bei Google bevorzugen

Der tödliche Schuss fiel am Dienstagmorgen in Houston während einer Kontrolle. Bei dem Opfer handelt es sich um Lorenzo Salgado Araujo, einen 52-jährigen Mexikaner, der sich laut der Einwanderungsbehörde ICE illegal in den USA aufhielt. Bei der Kontrolle habe er sich geweigert, den Anweisungen Folge zu leisten.

Der Mann habe sein Fahrzeug als Waffe eingesetzt, um einen ICE-Polizisten zu überfahren, nachdem er ein Fahrzeug gerammt hatte, teilte die Behörde mit. Daraufhin habe der ICE-Polizist seine Waffe abgefeuert. Salgado Araujo sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Der Vorfall wird vom Department of Homeland Security untersucht, dem Ministerium für Innere Sicherheit, an das ICE angegliedert ist. Auch das FBI ermittelt, wegen eines „mutmaßlichen Angriffs auf Bundespolizisten“.

Erster tödlicher Schuss seit Minneapolis

Es handelt sich um den ersten tödlichen Vorfall mit Beteiligung von Polizisten der Einwanderungs- oder Grenzbehörde, seit im Januar in Minneapolis Renée Good und Alex Pretti bei Protesten gegen deren Vorgehen erschossen worden waren. Bei beiden handelte es sich um US-Bürger.

Damals hatten die Behörden ebenfalls umgehend behauptet, es habe sich um Notwehr gehandelt. Von beiden Vorfällen existierten aber Videos aus verschiedenen Blickwinkeln, die diese Darstellung widerlegten. Die Aufnahmen zeigten, dass von den Getöteten keine Gefahr ausging. Renée Good versuchte wegzufahren, als sie erschossen wurde, Alex Pretti wurde von Polizisten am Boden festgehalten und war wehrlos, als ihn die Schüsse trafen. 

Gemäß einer Zählung der New York Times haben Bundespolizisten bei Einwanderungskontrollen seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit auf mindestens 21 Menschen geschossen. Fünf Personen wurden getötet, darunter drei US-Bürger. Vielen wurde vorgeworfen, mit ihrem Fahrzeug Bundespolizisten angegriffen zu haben. Gegen 13 wurde Anklage erhoben, sieben bekamen vor Gericht recht. Ihre Verfahren wurden eingestellt. Vier Fälle sind noch nicht entschieden, und zwei Personen bekannten sich schuldig.

Die beiden Todesfälle in Minneapolis hatten breite Proteste ausgelöst und dazu geführt, dass die Regierung ICE aus Minneapolis abzog und die Strategie anpasste: Fortan verzichtete die Behörde auf große Razzien und demonstrative Härte. Sie setzte vermehrt auf gezielte Einsätze und nahm Einwanderer an deren Arbeitsplätzen fest.

Salgado Araujo lebte und arbeitete seit fast 35 Jahren in den USA

Wie viele Migranten arbeitete Salgado Araujo ohne Aufenthaltserlaubnis im Baugewerbe. Nach Darstellung der Familie waren drei weitere Männer mit ihm im Fahrzeug, als er getötet wurde. Die Männer sollen sich auf dem Weg zu einer Baustelle befunden haben.

Einer der Söhne des Opfers, Ronaldo Salgado, wandte sich am Mittwoch bei einer Medienkonferenz an die Öffentlichkeit. Unter Tränen sagte er, sein Vater habe fast 35 Jahre lang in den USA gelebt und hart gearbeitet. Er sei dabei gewesen, einen legalen Aufenthaltsstatus zu erlangen, und habe alle nötigen Termine wahrgenommen. Sein Vater habe sich nie etwas zuschulden kommen lassen.

„Das hat er nicht verdient“, sagte Ronaldo Salgado. Er habe es nicht verdient, zu sterben und auf die Schlagzeile „Mexikaner von ICE erschossen“ reduziert zu werden. Sein Leben lang habe sein Vater Häuser gebaut und den Menschen ihren „amerikanischen Traum“ erfüllt. Auch seinen eigenen Traum habe er erfüllt, er habe seiner Familie ein Heim gebaut. Nach der Arbeit habe er immer vor diesem Haus gesessen und habe Musik gehört. Sein Vater sei ein Familienmensch gewesen.

Vom Tod des Vaters erfuhr Ronaldo Salgado in den sozialen Medien. Dort habe er ein Video gesehen, das seinen Vater zeigte – am Boden gefesselt und vor Schmerzen hörbar wimmernd. Auf dem Video sind auch die anderen Insassen des Fahrzeugs zu sehen, die sich nun in ICE-Gewahrsam befinden. Von dem Moment, in dem der Schuss abgegeben wurde, zirkulierten zunächst keine Videos.

Demokratische Abgeordnete kritisieren ICE

Bei der Pressekonferenz äußerten sich auch Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter von Migrantenorganisationen. Sie sprachen von einer Tragödie und forderten einhellig eine unabhängige Untersuchung. Es müsse eine Vertuschung verhindert werden.

Sylvia Garcia, demokratische Abgeordnete aus Texas im US-Repräsentantenhaus, forderte, dass alle verfügbaren Videoaufnahmen und Kommunikationsaufzeichnungen gesichert und geprüft werden. Die Familie des Opfers und die gesamte Gemeinde hätten das Recht auf vollständige Transparenz. Christina Morales, Abgeordnete der Demokraten im Staat Texas, sagte: „So darf die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze nicht aussehen.“

Die Migrantenorganisationen Fiel und Lulac forderten ebenfalls eine unabhängige Untersuchung. „Es könnte jeder von uns sein“, sagte ein Vertreter. ICE dürfe nicht Richter, Geschworene und Henker in einem sein. Am Ort des Geschehens versammelten sich Demonstrierende und Trauernde. Auf Bildern waren Blumen und Kränze zu sehen – und Schilder mit der Aufschrift „Melt ICE“.

In Houston wird seit Längerem darüber diskutiert, ob und wie die örtliche Polizei mit ICE kooperieren sollte. Laut der Organisation Fiel hatten die ICE-Aktivitäten im Raum Houston in den vergangenen Tagen zugenommen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

USA
:Oberster Gerichtshof stützt Trumps Asylpolitik

Mit sechs von neun Richterstimmen erlaubt der Supreme Court dem US-Präsidenten, den humanitären Schutz für Haitianer und Syrer aufzuheben. Auch Zurückweisungen an der Grenze billigt das Gericht.

SZ PlusVon Charlotte Walser

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: