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USA:Hola, Leute!

Die Demokraten biedern sich bei Latinos auf Spanisch an - und ernten Spott.

Hola, yo hablo español: Rund 40 Millionen Menschen in den USA sprechen Spanisch, viele von ihnen haben den amerikanischen Pass. Ihre Stimmen können Wahlen entscheiden. Das haben offenbar auch die demokratischen Präsidentschaftskandidaten gemerkt - und überbieten sich nun in ihrer Leidenschaft für die Mitbürger lateinamerikanischer Herkunft. Dies hat, wie immer in den USA, sofort eine Debatte ausgelöst. Was geht noch als legitimer Einsatz für eine unterprivilegierte Bevölkerungsgruppe durch? Und was ist plumper Stimmenfang bei Latinos? "Hispandering" nennen die Amerikaner letzteres Verhalten, ein Kunstwort aus hispanic und pandering, der Anbiederung bei Wählern.

Ausgelöst hat diese Diskussion Beto O'Rourke, der demokratische Präsidentschaftskandidat, der mit Vornamen eigentlich Robert heißt. Die Fernsehdebatte der demokratischen Wettbewerber hatte eben begonnen, als O'Rourke die erste Frage erhielt: Ob er höhere Steuern für Reiche befürworte? Auf eine direkte Antwort wartete die Moderatorin vergeblich. Stattdessen setzte O'Rourke zu einem allgemein gehaltenen Monolog auf Spanisch an, und zwar so, dass eine spanischsprachige Journalistin des Magazins Vox nur noch einen "dicken Gringo-Akzent" hörte. O'Rourke, fand der "Late Show"-Host Stephen Colbert, bewerbe sich wohl um die Rolle als peinlicher Vater in einem mexikanischen Restaurant.

O'Rourke, der in der texanischen Grenzstadt El Paso lebt, ist nicht der einzige Demokrat, der sich im Wahlkampf um das Weiße Haus bemüht, Latino-Wähler anzusprechen. In der gleichen TV-Debatte streuten auch einige seiner Rivalen spanische Antworten ein. Der Ertrag: bescheiden. "Sein Akzent war so schlecht, dass es unmöglich war, ihn zu verstehen", urteilte die Zeitung Miami Herald über Cory Booker, den Senator aus New Jersey. Dass es dem Texaner Julián Castro besser erging, hatte vor allem damit zu tun, dass er sich im Wesentlichen auf folgenden Satz beschränkte: "Am 20. Januar 2021 sagen wir adiós zu Donald Trump." Eine Formulierung, wie sie auch ein Ballermann-Tourist nach dem sechsten Glas Sangría noch hinbekommen hätte.

Gerade bei Castro zeigt sich, dass die Sache mit der Sprache vertrackt ist. Der Enkel einer mexikanischen Einwanderin ist der einzige Latino unter den 24 Präsidentschaftskandidaten, doch sein Spanisch ist bescheiden, wie er selbst einräumt. Der New York Times erzählte er, dass ihm seine Mutter als Kind eingebläut habe, kein Spanisch zu sprechen, weil sie sich dafür schämte. So ergehe es vielen Latinos in den USA, sagte Castro. Trotzdem werde von ihm nun erst recht erwartet, dass er Spanisch beherrsche.

Wie es vielleicht gehen könnte, sah man zuletzt bei Pete Buttigieg. Der Bürgermeister von South Bend lud einen Journalisten des spanischsprachigen TV-Senders Univision in seinen Lieblingsmexikaner ein. Er ließ sich dabei filmen, wie er mühelos zwischen Englisch und Spanisch hin- und her wechselte - und schaffte es am Schluss sogar, in einen dick gefüllten Taco zu beißen, ohne dass sein blütenweißes Hemd einen einzigen Fleck abbekam. Und das, darauf immerhin können sich in Amerika alle einigen, muss man erst einmal schaffen.

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