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Terroranschlag auf US-Konsulat in Bengasi:"Es war wohl nicht eine meiner besten Ideen"

Clinton hat in letzter Zeit mehrmals zu den Mails Stellung genommen. Erst nannte sie sie "ein dummes Versehen", später witzelte sie, technisch nicht ganz auf der Höhe zu sein. Doch als ihr Stab merkte, wie sehr die Affäre ihr schadet, weil sie jenes Misstrauen befeuert, das überall aufkommt, wo Clinton draufsteht, entschuldigte sie sich "beim amerikanischen Volk", wie es dann stets heißt.

"Es war wohl nicht eine meiner besten Ideen", sagte sie. "Bei dieser ganzen Untersuchung geht es längst nicht mehr um Bengasi, sondern nur noch um Clinton selbst", sagt Adam Schiff, Demokrat aus Kalifornien und eines der Mitglieder des Ausschusses. "Alles zielt darauf ab, Clinton zu schaden", so Schiff, alles sei dem Wahlkampf untergeordnet.

Er wird nicht ganz unrecht haben, denn die Vehemenz, mit der Clintons politische Gegner das Thema Bengasi immer wieder beackern, ist auffällig. Die Vorwürfe werden in den Sonntags-Talkshows so oft wiederholt, dass man als Zuschauer am Ende das Gefühl hat, Clinton sei in jener Nacht selbst am Attentat beteiligt gewesen. So behauptete Carly Fiorina, Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Hillary Clinton habe Blut an ihren Händen, und ihre Mitbewerber traten munter nach: Senator Rand Paul meinte, "Bengasi war ein Anruf um drei Uhr morgens, den Hillary nie entgegennahm", während Senator Lindsay Graham twitterte: "Wo zum Teufel steckte sie in der Nacht der Bengasi-Attacke?"

So etwas wie Zufälle gibt es in Washington nicht

Vor wenigen Tagen nun hat Kevin McCarthy, republikanischer Abgeordneter von Kalifornien, bestätigt, wie politisch getrieben die Untersuchung von Clintons Rolle in Libyen ist. McCarthy, damals noch im Rennen um das Amt des Speakers des Repräsentantenhauses, sagte etwas ungeschickt in einem Interview: "Alle dachten, Hillary Clinton sei nicht zu stoppen. Wir aber haben einen Ausschuss zusammengestellt. Und wo stehen ihre Umfragewerte heute? Sie fallen." Für Clinton war McCarthys Unüberlegtheit ein Geschenk, weil sie nun einen Beweis hatte, dass es der Gegenseite nicht um die Sache ging, sondern um ihren Kopf. McCarthy kostete sein Ausrutscher wohl die Nominierung zum Speaker.

Viel stehe am Donnerstag auf dem Spiel für Clinton, heißt es in US-Medien, die sich mit Szenarien überbieten. "Ist Hillary überhaupt noch zu stoppen, wenn sie sich vor dem Ausschuss keine Blöße gibt?", titelt das Nachrichtenportal Politico.

Einer der wenigen, der offenbar kaum Interesse an Clintons E-Mails hegt, ist ausgerechnet Bernie Sanders, ihr größter Herausforderer. In der Fernsehdebatte vor einer Woche in Las Vegas meinte er: "Reden wir doch lieber über die wahren Probleme der Menschen in diesem Land und lassen wir diese verdammten E-Mails ruhen." Worauf ihm Clinton die Hand gab und sagte: "Einverstanden."

So schnell aber wird sie die Affäre nicht los. Trey Gowdy hat angekündigt, 2016 einen vollständigen Bericht zu veröffentlichen, zufällig genau dann, wenn sich der Wahlkampf auf dem Höhepunkt befindet. Doch so etwas wie Zufälle gibt es in Washington nicht.

© SZ vom 22.10.2015/pamu

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