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Migration in die USA:Chef der US-Grenzschutzbehörde tritt nach Kritik an Lagern zurück

Eine Mutter mit ihrem Kind an der US-Grenze zu Mexiko.

(Foto: AP)
  • Die Trump-Regierung steht massiv in der Kritik wegen der menschenunwürdigen Unterbringung von Migrantenkindern an der Grenze zu Mexiko.
  • Nun tritt der Chef der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde, John Sanders, zurück.
  • Auf seine Aufforderung hin hat das US-Repräsentantenhaus inzwischen ein milliardenschweres Hilfspaket verabschiedet.

Nach der Aufdeckung besorgniserregender Zustände in einem US-Grenzlager für Kinder tritt der Chef der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP, John Sanders, zurück. Er werde sein Amt am 5. Juli niederlegen, kündigte Sanders in einer Nachricht an seine Mitarbeiter an. Er nannte keine Gründe für seine Entscheidung. US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe noch nie mit Sanders gesprochen und diesen nicht gebeten, zurückzutreten. Aktivisten begrüßten den Rücktritt.

In der vergangenen Woche hatten US-Medien über die desolate Unterbringung von mehr als 300 Kindern in der Grenzkontrollstelle Clint bei El Paso berichtet. Sie waren inhaftiert worden, nachdem sie die Grenze zwischen Mexiko und den USA illegal überquert hatten. In den Berichten hatte es geheißen, mehr als 300 Kinder versorgten sich in der Einrichtung gegenseitig - die älteren versuchten, sich um Kleinkinder und Säuglinge zu kümmern. Sie hätten nicht genügend Wasser, Lebensmittel und Sanitäranlagen. Teilweise konnten sie seit Tagen nicht duschen.

Einige Kinder wurden in dem Lager seit Wochen festgehalten. Die staatlichen Regelungen sehen vor, dass die Kinder nicht länger als 72 Stunden in den Grenzschutzeinrichtungen untergebracht sind. Viele der festgehaltenen Kinder kamen alleine über die Grenze zwischen den USA und Mexiko, einige waren jedoch offenbar von ihren Eltern oder anderen Angehörigen getrennt worden.

Die US-Regierung hatte nach der Kritik die Verlegung von mehr als 200 Kindern aus dem umstrittenen Lager veranlasst. Es ist unklar, ob die Zustände in der anderen Einrichtung tatsächlich besser sind. Medienberichten zufolge sind mehr als hundert Kinder bereits in das kritisierte Lager zurückgebracht worden. Die Behörden begründeten die Entscheidung damit, dass es ja nun nicht länger überfüllt sei, schreibt die New York Times.

Sanders macht fehlende Gelder für die Probleme in den Grenzlagern verantwortlich. Auf seine Aufforderung hin hat das US-Repräsentantenhaus nun ein milliardenschweres Hilfspaket verabschiedet. Nach mehreren Änderungen auf Initiative von US-Repräsentantenhaus-Sprecherin Nancy Pelosi und hispanoamerikanischen Abgeordneten passierte das Gesetz die Kammer entlang der Parteilinien. Der 4,5 Milliarden US-Dollar (knapp vier Milliarden Euro) schwere Nothilfefonds soll Tausenden eingewanderten Familien und unbegleiteten Minderjährigen zugutekommen. Der Senat muss dem jedoch erst noch zustimmen und Trump unterzeichnen.

Mexikos neuer linker Präsident Andrés Manuel López Obrador hatte sich jüngst mit US-Präsident Trump auf ein Migrationsabkommen geeinigt. Daraufhin entsandte die mexikanische Regierung mehrere tausend Soldaten und Polizisten an die Grenze. Mexiko will so den ungeregelten Grenzübertritt der Migranten stoppen - auf die Gefahr hin, dass diese noch stärker auf gefährliche Schleichwege ausweichen.

Momentan geht ein Bild um die Welt, das die Leichen eines Mannes aus El Salvador und seiner zweijährigen Tochter zeigen soll. Sie sind beim Versuch, den Grenzfluss Rio Grande zu überqueren, ertrunken. In mexikanischen und US-amerikanischen Medienberichten und Social-Media-Posts wird es als Symbol verfehlter Migrationspolitik bezeichnet. Aufgenommen hat das Bild die Reporterin Julia Le Duc. Sie schreibt über das Bild: "Wird es etwas ändern? Das sollte es. Diese Familien haben nichts und für ein besseres Leben riskieren sie alles. Wenn uns Szenen wie diese nicht zum Innehalten bringen - wenn sie unsere Entscheidungsträger nicht bewegen - dann geht es unserer Gesellschaft schlecht." Einige vergleichen Le Ducs Aufnahme mit dem Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi. Seine Leiche wurde im September 2015 an einem türkischen Stand angespült.

Am Rio Grande sind in den vergangenen Tagen etliche Leichen gefunden worden. Auch in der Wüste sterben viele auf dem Weg in die USA.

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