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USA:Bushs Ausrufezeichen gegen Hillarys H

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Einfach Jeb. Mit Ausrufezeichen!

(Foto: AFP)

Man würde ihnen das US-Präsidentenamt sofort zutrauen: Der Republikaner Jeb Bush und die Demokratin Hillary Clinton sind erfahren und bewährt. Das ist auch ihr Problem.

Kommentar von Nicolas Richter

Bush und Clinton sind schon aus dem Rennen. Für das Weiße Haus kandidiert zwar ein Mann namens Jeb Bush, der aber hat sich jetzt in "Jeb!" umbenannt, wobei das Ausrufezeichen den Nachnamen ersetzt. Analog zum Sänger Prince, der sich einst mit einem Symbol gleichsetzte, könnte man Jeb nun "the politician formerly known as Bush" nennen - der Politiker, der früher Bush hieß. Frau Clinton wiederum, auch sie strebt 2016 nach der Präsidentschaft, hat sich zur Marke namens "Hillary" gewandelt. Ihr Wahlkampflogo ist ein blau-rotes H. Amerika also hat die Wahl: ! gegen H.

Hier liegt das Dilemma im Wettbewerb um die Präsidentschaft 2016: Der Republikaner Bush und die Demokratin Clinton sind erfahren und bewährt, man würde ihnen das höchste Amt sofort zutrauen, aber das macht sie auch so langweilig. Bush gegen Clinton - das hat es 1992 schon mal gegeben, damals trat Jebs Vater gegen Hillarys Mann an. Die Aussicht, dass sich alles wiederholt, sorgt schon für Erschöpfung mit dem nächsten Staatsoberhaupt, noch bevor es gewählt ist. Der dynastische Dauerbrenner Bush-Clinton widerspricht dem Geist der Präsidentschaftswahl, mit der sich Amerika spätestens alle acht Jahre neu erfindet.

In beiden Parteien sehnen sich sogar viele nach einem Aufstand gegen das so genannte Establishment. Unter dem Einfluss der Tea Party ist die Republikanische Partei stark nach rechts gerückt. Ein ähnliches Phänomen hat zuletzt, wenn auch schleichend, die Demokraten erfasst. Sie sehnen sich danach, es den Banken, Konzernen und Reichen mal richtig heimzuzahlen, und im Streit über den Freihandel mit Asien haben sie im Kongress jetzt sogar Barack Obama niedergestimmt, ihren eigenen Präsidenten.

Bush und Clinton sind wie alte, überholte Marken

Für etliche Rechte und Linke sind die Namen Bush und Clinton Reizwörter, Synonyme für Politiker, die Konzernen ähneln, mit Wirtschaftsbossen kungeln, mit der anderen Partei faule Kompromisse schließen. Es erinnert an die Streitschrift "No Logo", in der die Globalisierungskritikerin Naomi Klein einst mit den Weltkonzernen und deren Marken abrechnete. Etliche Wähler sehnen sich nach klar rechter oder linker Haltung, nicht nach den ewigen Marken Bush und Clinton, die mit politischen Nebengeschäften steinreich geworden sind und so wirken, als hätten sie Anspruch auf ein Amt, bloß weil sie schon so lange danach streben.

Für Bush ist das die größere Herausforderung. Obwohl er der kompetenteste ist in seiner Partei, kann er sich in den Umfragen nicht absetzen. Entschiede das Parteivolk mit dem Kopf, müsste Bush gewinnen: Er ist konservativ, weiß aber, wie man sich offen und tolerant gibt. Als Ex-Gouverneur hat er das Regieren schon gelernt, er hat die Welt bereist und verspricht als Ehemann einer Latina, seine allzu weiße Partei für neue Wähler zu öffnen. Bush hofft, dass er sich mit Mäßigung, Vernunft und einer vollen Kriegskasse langfristig durchsetzen wird.

Aber die Republikaner neigen jetzt dazu, aus dem Bauch zu entscheiden, und sie könnten sich von jenen betören lassen, die weniger verbraucht wirken. Von Marco Rubio vielleicht, einem Juniorsenator, der zwar nichts übers Regieren weiß, dafür aber jung ist. Der Sohn kubanischer Einwanderer hat sich mit Fleiß hochgekämpft - so etwas lieben die Republikaner. Rubio ist für Bush gefährlich, denn er verkörpert den Außenseiter, während Bush als politischer Insider gilt.

Ein anderer möglicher Herausforderer Bushs ist Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin, der Gewerkschaften mit Terroristen vergleicht und in seinem Bundesstaat deren Macht zerschlagen hat. Auch Walker gilt manchen Rechten als der Außenseiter, der Amerika neu erfinden könnte.

Hillary steht doppelt für das Etablierte

Wer auch immer die Vorwahl gewinnt, muss in der Hauptwahl wohl gegen Hillary antreten, deren Über-Marke sich bei den Demokraten durchsetzen dürfte. Ihre Rivalen werden sie allenfalls ein wenig nach links drängen. So weigert sie sich jetzt, für Obamas Freihandel zu werben. Hillary steht doppelt für das Etablierte. Erstens für den Familienkonzern Clinton, der Hunderte Millionen Dollar umsetzt. Viele Amerikaner misstrauen ihr deswegen; sie ist unglaubwürdig, wenn sie gegen das große Geld in der Politik anredet. Zweitens verkörpert Clinton als Ex-Ministerin die Regierung Obama, vor allem dessen außenpolitische Rückschläge.

Amerika muss im Jahr 2016 wählen: Wie viel militärische Intervention möchte sich das Land leisten? Wie nimmt es seiner Mittelschicht die Existenzangst? Wie geht es mit Einwanderern um? Mehr als alles aber könnte das Gefühl entscheiden, wer den USA neue Energie und Ideen verspricht: eine ganz neue Marke - oder eine alte, die unter Verrenkungen abermals ihr Logo geändert hat.

© SZ vom 17.06.2015/dayk

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