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USA:Gefährliches Desinteresse

Die Politik lässt die Opfer der Corona-Krise allein.

Von Hubert Wetzel

In den USA hat das Coronavirus bisher nur deshalb keine landesweite soziale Katastrophe angerichtet, weil Regierung und Parlament im Frühjahr etwas getan haben, das in europäischen Sozialstaaten vielleicht selbstverständlich ist, in Amerika allerdings nicht: Sie haben ein Netz aufgespannt, das diejenigen aufgefangen hat, die wegen der Krise abgestürzt sind. 600 Dollar zusätzliche Arbeitslosenhilfe pro Woche, ein Moratorium, das säumige Mieter vor der Zwangsräumung schützte - das hat Millionen Bürger vor dem Elend bewahrt.

Jetzt sind diese Hilfen ausgelaufen. Und obwohl die Krise nicht vorbei ist, machen die Politiker in Washington wieder das, was sie immer machen: Sie streiten und schieben die Schuld hin und her. Demokraten und Republikaner beschimpfen einander, und der Präsident tut mit ein paar halbgaren Dekreten so, als kümmere er sich um seine von Armut bedrohten Mitbürger, wenn er nicht gerade Golf spielt. In Wahrheit schauen alle auf die Wahl, und jeder tut das, wovon er sich einen taktischen Vorteil verspricht.

Das ist den Menschen gegenüber, die dringend Hilfe brauchen, verantwortungslos. Und es ist für das Land höchst gefährlich. Man konnte im Sommer sehen, wie explosiv die Lage in den USA ist. Nichts garantiert, dass der große Knall nicht noch bevorsteht.

© SZ vom 10.08.2020

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