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USA:Für seine Fans ist er der Auferstandene

Aufrufe zur Vorsicht? Nicht nötig. Donald Trump bleibt sich bei einer Wahlkampf­veranstaltung in Florida treu - seine Anhänger sind begeistert.

Von Alan Cassidy, Orlando

U.S. President Donald Trump holds a campaign rally in Sanford, Florida

Masken-Werfen in Florida: Er selbst trug keine und viele im Publikum auch nicht, aber immerhin verteilte Präsident Donald Trump Mund–Nase-Bedeckungen an die Zuschauer seines Wahlkampf-Auftritts.

(Foto: Jonathan Ernst/REUTERS)

Es ist alles wie immer, es ist nichts wie sonst. Donald Trump ist zurück im Wahlkampf, zurück vor Tausenden von Anhängern, und natürlich feiern sie ihn dafür. Exakt eine Woche ist es her, seit der US-Präsident aus dem Krankenhaus entlassen wurde, schnaufend, kurzatmig und heiser. Nun hält er bereits die erste Massenveranstaltung ab, inmitten der Pandemie. Unverantwortlich, kritisieren Gesundheitsexperten. Sollen sie doch nörgeln, entgegnen Unterstützer. "Kein Keim, kein Virus und keine Lüge kann unseren Präsidenten am Boden halten", ruft der republikanische Lokalpolitiker, der auf der Bühne das Vorprogramm bestreitet. "Ich danke Gott, dass er Donald Trump hat auferstehen lassen."

Eine Auferstehung also - darunter macht es Trump nicht. Etwas heiser ist der 74-Jährige immer noch, als er am Montagabend die Bühne im Bundesstaat Florida betritt, aber abgesehen davon wirkt er wieder wie der Alte. "Ich fühle mich so stark", sagt Trump. Er sei jetzt gegen das Coronavirus immun, ein Leben lang oder zumindest einige Monate, wer wisse das schon? "Ich könnte jeden in der Menge küssen. Ich werde die Männer küssen und die schönen Frauen, ich gebe euch allen einen großen, dicken Kuss." Trump ist laut seinen Ärzten von Covid-19 genesen, und die Botschaft, die Amerikas Wähler mitnehmen sollen, ist offensichtlich: Trump hat das Virus überwunden. Die USA werden es auch tun. Aufrufe zur Vorsicht? Nicht nötig.

Trumps Anhänger sind begeistert, dass er die Pandemie nicht ernst nimmt. Und andere Amerikaner?

Zumindest bei Trumps Anhängern kommt das durchaus an. Mehrere Tausend Menschen sind am Montag auf den Flugplatz außerhalb von Orlando gekommen. Sie stehen Schulter an Schulter, um auf den Präsidenten zu warten, der mit der Präsidentenmaschine Air Force One hier landen wird. Gut zwei Drittel der Leute tragen keine Maske. Einer von ihnen ist Jim Rahm, ein gut gelaunter Rentner im Trump-T-Shirt und mit einer Kappe, die ihn als Veteranen des Koreakriegs ausweist. Rahm wird bald 88 Jahre alt. Er hat acht Stunden angestanden, um Trump zu sehen, bei mehr als 30 Grad im Schatten, den es auf dem Flugplatz nicht gibt. "Wenn ich das tun muss, um den Präsidenten zu sehen, dann tue ich es gerne"

Fragt man Jim Rahm, was er an Trump möge, lautet seine Antwort: "Alles, aber besonders sein Kampf gegen die Korruption." In den 1980er-Jahren, lange nach seinem Kriegsdienst in Korea, den er auf einem Zerstörer der US-Marine geleistet hatte, arbeitete Rahm als Lobbyist in Washington. Er sagt, er sei dort reich geworden mit Geschäften mit Politikern, die er korrupt nennt. Das seien die gleichen Kreise, die Trump aus dem Weg haben wollten, weil er ihre Geschäfte durchkreuze. Dass Trump seine eigene Regierung selbst mit allerlei Lobbyisten besetzt hat, spielt für Rahm keine Rolle: "Er mischt den Laden auf." Die Corona-Pandemie, an der in den USA mehr als 215 000 Menschen gestorben sind, hat an seiner Meinung über Trump nichts geändert. "Ja, es ist ein tödliches Virus. Aber Trump hatte trotzdem recht, sich gegen Lockdowns zu wehren."

Die lautesten Buhrufe gibt es, wenn der Präsident und seine republikanischen Vorredner über die Journalisten im Pressebereich schimpfen, die Masken tragen - wozu sie von Trumps Wahlkampforganisation angehalten werden. Einer der Vorredner ist der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, dessen Bundesstaat unter Corona stark gelitten hat. Er schreitet ohne Maske auf die Bühne und klatscht die Hände von Dutzenden Leuten in der Menge ab - Applaus erhält er auch dafür.

Eine ganz andere Frage ist, wie Trumps Verhalten und die Bilder von seinem Auftritt so kurz vor der Wahl bei anderen Amerikanern ankommen, besonders in Florida. Der Bundesstaat ist nicht nur der größte jener Staaten, die den Ausgang der Wahl entscheiden. Hier leben auch viele alte Menschen, die von der Pandemie stark betroffen sind. Noch vor vier Jahren hatten die Senioren mehrheitlich Trump gewählt. In den Umfragen liegt nun aber Trumps demokratischer Gegner Joe Biden gleichauf.

Wahlkampfauftritte vor Tausenden von Anhängern, ein Meer von Trump-Fahnen und Trump-Schildern in Amerikas Vorgärten: "Das sind die wahren Umfragen", ruft Trump auf der Bühne des Flugplatzes. Der Präsident will jetzt wieder jeden Tag auftreten, eine Kundgebung nach der anderen, so wie vor vier Jahren - nur eben mit dem Unterschied, dass er gerade erst eine Corona-Erkrankung hinter sich gebracht hat.

© SZ vom 14.10.2020
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