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USA:"Es war Sport"

Donald Trump

In seinem Buch "Die Kunst des Erfolgs" zelebrierte sich Trump als Vorbild für Jungunternehmer.

(Foto: Carolyn Kaster/AP)

Der Immobilienunternehmer Donald Trump wies über Jahre hinweg nur Verluste aus und zahlte deshalb kaum Steuern. Zur Begründung sagt der heutige Präsident, damals habe sich jeder Unternehmer künstlich arm gerechnet.

Wer dieser Tage nach Washington reist, um mit der US-Regierung über irgendetwas zu verhandeln, der muss sich warm anziehen. Denn auf der anderen Seite sitzt, so schätzt es jedenfalls Donald Trump ein, der größte Dealmaker aller Zeiten. Der größte Dealmaker, der gewiefteste Verhandler, der nervenstärkste Zocker: Es ist die Erzählung, auf der Trumps gesamte Karriere fußt und die Millionen Menschen schließlich mit dazu veranlasste, einen zwielichtigen Unternehmer ins wichtigste Regierungsamt der Welt zu wählen.

Betrachtet man allerdings die Steuererklärungen des heutigen Präsidenten aus der Zeit zwischen 1985 und 1994, deren Abschriften der New York Times zugespielt wurden, stellt sich die Frage, wie viel Substanz eigentlich hinter dem Mythos steckt. Den Unterlagen zufolge nämlich schrieb Trump in keinem einzigen dieser Jahre schwarze Zahlen, im Gegenteil: Über den gesamten Zeitraum liefen Verluste von fast 1,2 Milliarden Dollar auf. Das ist auch deshalb interessant, weil er die geschäftlichen Misserfolge jener Zeit stets auf die Rezession von 1990 geschoben hatte. Nun aber zeigt sich, dass er auch schon in den Jahren davor Fehlbetrag auf Fehlbetrag häufte.

Auch sein Buch "Die Kunst des Erfolgs", in dem er sich selbst zelebrierte und als Vorbild für andere Jungunternehmer aufspielte, erscheint damit in einem anderen Licht. Das Werk avancierte nach seinem Erscheinen im Jahr 1987 auch deshalb zum Bestseller, weil die Leser eine Erfolgsgeschichte aufgetischt bekamen, ohne die tatsächlichen Geschäftszahlen des Unternehmers zu kennen. Es trug ihm gar eine eigene Reality-TV-Show ein. "Es gibt niemandem in meinem Alter, der mehr erreicht hat", sagte Trump seinerzeit in einem Interview.

Die Veröffentlichung von Finanzinformationen des heutigen Staatschefs sorgt stets für Aufsehen, weil sich Trump als einer von wenigen Präsidentschaftskandidaten der jüngeren Geschichte geweigert hatte, seine Steuererklärungen offenzulegen. Begründung: Die Konvolute seien für normale Bürger nicht zu verstehen. Seine Anwälte räumten aber ein, ihr Mandant habe oft nur geringe Summen abgeführt, weil das Steuersystem mangelhaft und sein Geschäftsimperium verschachtelt gewesen sei. Wie sich jetzt zeigt, zahlte er zwischen 1985 und 1994 in acht von zehn Jahren gar nichts an die Bundessteuerbehörde IRS.

Laut Times schrieb der damalige Immobilienunternehmer vor allem mit seinen Kasinos permanent rote Zahlen. 1985 etwa, so zeige ein Vergleich mit den anonymisierten, öffentlichen zugänglichen Statistiken des IRS, hätten USA-weit nur drei Unternehmer höhere Verluste auswiesen als Trump. Allein 1990 und 1991 verbuchte er demnach im Kerngeschäft Fehlbeträge von jeweils mehr als 250 Millionen Dollar.

Gewinne schrieb er dagegen mit Börsengeschäften - zumindest kurzzeitig. So erwarb er mit geliehenem Geld Aktien von Unternehmen und ließ dann durchblicken, dass er die Firmen komplett übernehmen wolle. Statt dies zu tun, nutzte er den Anstieg der Börsenkurse jedoch, um die Papiere mit Gewinn wieder abzustoßen. Von 1986 bis 1989 verdiente er demnach mit Aktien und anderen Wertpapieren, die er binnen Jahresfrist kaufte und wieder verkaufte, gut 67 Millionen Dollar. In den Folgejahren büßte er jedoch einen erheblichen Teil des Geldes wieder ein, weil andere Aktienhändler seinen Trick durchschauten und ihn nicht mehr ernst nahmen. Eine Zahl, die für Erstaunen sorgt, sind darüber hinaus seine Zinserlöse im Jahr 1989 von fast 53 Millionen Dollar, deren Quelle ominös bleibt. Noch drei Jahre zuvor hatten seine Zinseinnahmen nicht einmal ein Hundertstel dieser Summe ausgemacht.

Trump bezeichnete den Times-Bericht als "höchst inakkurat" und einen "Fake-News-Anschlag". Vor 30 Jahren, so erklärte er im Kurzmitteilungsdienst Twitter, habe praktisch jeder Immobilienunternehmer Steuerschlupflöcher genutzt und Verluste ausgewiesen, um möglichst wenig ans Finanzamt zahlen zu müssen und Bankkredite neu verhandeln zu können. Trump: "Es war Sport."

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