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USA: Einwanderungspolitik:"Wir sind amerikanischer"

Die grenznahen Provinzen leiden ohnehin unter den Verbrechen von Drogengangs und der korrupten Polizei. Gouverneur Padres will Deportierte in ihre Heimat weiterleiten. Die mexikanische Menschenrechtskommission schickt Beobachter und Rechtsberater in den Norden. Die Behörden in Sonora und anderswo ahnen, dass der Ansturm der Ausgewiesenen ihre Auffangzentren überfordern könnte. Die US-Grenzpolizei nimmt auch ohne das Reglement SB1070 Scharen von Mexikanern fest. Viele sterben auf der Flucht durch die Wüste, wo es in diesem Sommer besonders heiß ist. Allerdings erinnern Kritiker daran, dass auch Mexiko viele jener 200.000 bis 400.000 Guatemalteken, Honduraner. Nicaraguaner oder Salvadorianer schlecht behandelt, die es Richtung USA durchqueren.

Dem Streit um Arizona dürften weitere folgen; auch andere US-Bundesstaaten erwägen strengere Bedingungen. An der mehr als 3000 Kilometer langen Grenze entsteht eine Mauer, obwohl beide Staaten durch einen sogenannten Freihandelsvertrag verbunden sind. Mutmaßlich zehn Millionen Mexikaner leben ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land ihrer Träume und Albträume.

Mexikanische Korrespondenten schildern, wie sich Landsleute in Arizona verstecken oder resigniert ihre Habseligkeiten packen. Manche bringen weniger nach Hause, als sie einst mitgenommen hatten. "Die wollten schon vor diesem Gesetz, dass alle Hispanos aus Arizona abhauen", erzählt eine Frau. "Jeder verkauft, aber niemand will kaufen", sie habe für ihren Besitz 20 Dollar bekommen.

Von der Band Los Tigres del Norte gibt es ein Lied mit dem Titel "Wir sind amerikanischer". Eine Strophe erinnert daran, dass ein Großteil des Südwestens der USA einst zu Mexiko gehörte: "Sie haben mir tausendmal zugeschrien, dass ich in mein Land zurückkehren soll, weil ich hier nicht hinpasse. Ich will den Gringo daran erinnern: Ich habe die Grenze nicht überquert, die Grenze hat mich durchquert. Amerika ist frei geboren. Sie haben die Linie gezogen und nennen mich Eindringling. Sie haben uns acht Staaten weggenommen. Wer ist der Eindringling? Wir sind amerikanischer als der Sohn der Angelsachsen."

© SZ vom 29.07.2010/jab
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