USA:Ende des Einreiseverbots kommt

USA: Der internationale Flughafen Miami: Für Europäer bald wieder leichter erreichbar.

Der internationale Flughafen Miami: Für Europäer bald wieder leichter erreichbar.

(Foto: DANIEL SLIM/AFP)

Washington will wieder EU-Bürger ins Land lassen, zumindest wenn diese geimpft und negativ getestet sind. Aus medizinischer Sicht ergab der pauschale Einreisestopp schon länger keinen Sinn mehr.

Von Hubert Wetzel, Washington

Die USA wollen künftig nur noch ausländische Flugpassagiere einreisen lassen, die gegen Covid geimpft sind. Zudem müssen sie - wie bisher auch - einen negativen Corona-Test vorlegen. Das gab das Weiße Haus am Montag bekannt. Die neuen Regeln sollen Anfang November in Kraft treten.

Für europäische Reisende bedeutet das eine wesentliche Erleichterung. Derzeit gilt in den USA ein generelles Einreiseverbot für alle Personen, die sich in den 14 Tagen vor dem Grenzübertritt im Schengen-Raum oder in Großbritannien aufgehalten haben. De facto bedeutet das, dass die überwiegende Mehrheit der EU-Bürger nicht als Touristen oder zu Geschäftszwecken in die Vereinigten Staaten fliegen können, egal ob sie geimpft sind oder einen negativen Test vorweisen könnten. Die US-Konsulate können Ausnahmegenehmigungen erteilen, dafür sind aber besondere Gründe notwendig.

Dieses Einreiseverbot für Europäer, das im März 2020 vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump verhängt und von seinem Nachfolger Joe Biden im Januar 2021 bestätigt worden war, hat zu erheblichen Irritationen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten geführt. Millionen EU-Bürger waren dadurch mehr als eineinhalb Jahre lang von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern in den USA abgeschnitten, zumindest physisch. Europäische Politiker haben diese drastische Regel zu Beginn der Pandemie noch als notwendige Maßnahme hingenommen.

Spätestens seit diesem Frühjahr, als in den USA und Europa die Impfungen begannen, wächst allerdings die Kritik an der Weigerung Washingtons, das Einreiseverbot aufzuheben oder wenigstens für Geimpfte zu lockern. Denn inzwischen sind die Infektionszahlen in vielen Gegenden Europas niedriger als in den USA, die Impfraten dagegen höher. Aus medizinischer Sicht ergab das Einreiseverbot daher keinen Sinn mehr.

In Europa ein bisschen gute Stimmung zu machen, liegt im Interesse der USA

Auch politisch war das Verbot problematisch. Denn die EU ließ den ganzen Sommer über geimpfte oder negativ getestete US-Staatsbürger problemlos einreisen - in der Hoffnung, dass Washington sich ähnlich großzügig verhalten würde. Erst jetzt, da die Infektionszahlen in den USA wieder stark gestiegen sind, haben manche EU-Staaten wieder Beschränkungen für Amerikaner erlassen.

Insofern ist das bevorstehende Ende des Einreiseverbots wohl vor allem ein politisches Signal an Europa. US-Präsident Joe Biden will an diesem Dienstag den britischen Premierminister Boris Johnson treffen, der sich für die Aufhebung starkgemacht hatte. Zudem hat Washington Frankreich durch ein U-Boot-Geschäft mit Australien verärgert. In Europa ein bisschen gute Stimmung zu machen, liegt daher im Interesse der USA.

Im Rest der Welt dürften die neuen Regeln allerdings weniger gut ankommen. Viele Länder haben längst noch nicht genug Impfstoff, um alle Bürger zu versorgen. Für diese Menschen wird die Einreise in die USA von November an unmöglich. Zudem ist unklar, welche Impfstoffe die amerikanische Regierung mit Blick auf die Impfpflicht für Flugpassagiere akzeptieren wird. In den USA werden nur die Vakzine von Pfizer/Biontech, Moderna und Johnson & Johnson verimpft.

© SZ/toz
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