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USA:Bannon konnte Trump disziplinieren - zumindest eine Zeit lang

Als Wahlkampfmanager sorgte Bannon nicht nur dafür, dass Trump stündlich mit neuen Details über die Politkarriere der Clintons gefüttert wurde. Er hatte auch eine disziplinierende Wirkung auf den Kandidaten: Trump attackierte seine Gegnerin auf oft niveaulose Art, aber er deutete in der Einwanderungsfrage Flexibilität an und beschimpfte in den letzten Wochen vor der Wahl nicht mehr Latinos und Schwarze. Sein Werben um diese Gruppen war plump, aber diese Initiativen reichten aus, um moderatere Republikaner zu überzeugen, dass Trump kein Rassist sei.

Joshua Green zeichnet in seinem Buch ein faszinierendes Doppelporträt des US-Präsidenten und seines Chefstrategen, in dem Bannons Einfluss vielleicht ein wenig übertrieben wird - der Autor hat zu ihm deutlich mehr Zugang als zu Trump. Klar wird, dass jeder der beiden den anderen als Werkzeug sah. In den vergangenen Monaten ist es Bannon nicht mehr gelungen, Trump auf Linie zu halten - was angesichts der radikalen Ideologie des Ex-Breitbart-Chefs eher beruhigend ist. Das Bild von Trump als Marionette, die an Bannons Fäden hängt, ist überzogen.

Es wundert wenig, dass konservative Online-Medien berichten, dass Trump die Zitate aus Greens Buch nicht gefallen. Angeblich hat er gesagt: "Ich hasse es, wenn jemand so tut, als sei er für den Sieg verantwortlich. Diese Wahl habe ich gewonnen." Könnte Trump seinen Chief Political Strategist also feuern? Natürlich, denn der US-Präsident definiert Loyalität stets nach seinen eigenen Regeln.

Selbst Papst-Verbündete warnen vor Bannon

Allerdings ist das Bündnis zwischen beiden eng: Als einen Monat vor der Wahl das Pussygate-Video Trumps Sexismus bloßstellte, stellten sich nicht alle im Team hinter den Kandidaten. Zu den Abweichlern gehörten damals Reince Priebus, Paul Ryan oder Sean Spicer: Die treuesten Unterstützer waren neben der Familie und Jared Kushner eben Kellyanne Conway und Steve Bannon, der auf Attacken stets mit Gegenattacken reagiert. Dies sichert ihm großen Einfluss auf Trump und dessen Vertrauen.

Wie ernst man Bannon und seine Verbündeten (neben Sessions vor allem Trump-Redenschreiber Stephen Miller) nehmen muss, zeigt ein aktueller Artikel der einflussreichen Vatikan-Zeitschrift La Civiltà Cattolica. Darin warnen zwei Vertraute des Papstes die konservativen US-Katholiken davor, mit christlichen Hardlinern eine Allianz des "Hasses" einzugehen (hier auf Englisch). Explizit genannt wird dabei ein Name: Steve Bannon.

© SZ.de/fued/dd/cat

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