bedeckt München 23°
vgwortpixel

USA:Donald Trumps schwierige Suche nach Personal

Donald Trump und Mike Pence

Donald Trump und sein zukünftiger Vizepräsident Mike Pence - diese Personalie steht.

(Foto: dpa)
  • Donald Trump und sein Team müssen etwa 4000 Mitarbeiter für das Weiße Haus, Ministerien und Behörden finden.
  • Leute aus dem Establishment, gegen das Trump im Wahlkampf gewettert hat, kommen nicht in Frage; zudem gibt es Macht- und Richtungskämpfe innerhalb der Partei.
  • Eine wichtige Rolle bei Personalentscheidungen spielt der Mann von Trumps ältester Tochter Ivanka, Jared Kushner, obwohl er kein offizielles Amt im Trump-Orbit innehat.

Klarer kann man eine Warnung kaum formulieren. "Bleibt weg. Sie sind wütend, arrogant, sie schreien: 'Ihr habt VERLOREN!'", schrieb Eliot Cohen am Dienstag auf Twitter über die künftige amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump. Genauso gut hätte Cohen ein Schild an den Eingang des Trump Tower in Manhattan hängen können: "Vorsicht, bissiger Hund".

Cohen ist nicht irgendwer. Er ist ein renommierter republikanischer Sicherheitspolitiker, er lehrt an der Johns Hopkins University und hat in der Regierung von George W. Bush im Außenministerium gearbeitet. Cohen ist mithin einer jener politischen Fachleute, welche die künftige US-Regierung braucht. Nach einem ersten Bewerbungsgespräch setzte er freilich den zitierten Tweet ab. Und er fügte hinzu: "Das wird hässlich."

US-Wahl US-Demokraten stehen vor einem Richtungskampf
US-Wahl

US-Demokraten stehen vor einem Richtungskampf

Sehr zögerlich beginnt Hillary Clintons Partei, ihre Niederlage aufzuarbeiten. Zwei Lager bringen sich in Stellung: Clinton-Leute gegen linke Aktivisten.   Von Sacha Batthyany

Tatsächlich läuft die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den künftigen Präsidenten Donald Trump alles andere als glatt. Bei jedem Regierungswechsel werden in den USA etwa 4000 ranghohe Mitarbeiter ausgetauscht, vor allem natürlich im Weißen Haus, aber auch in den Führungsetagen der Ministerien und Behörden. Für all diese freien Jobs neues Personal zu finden ist eine Herkulesaufgabe. Und Trump und sein Team liegen offenbar etliche Wochen hinter dem Zeitplan.

Trump kann keine Posten an Leute aus dem Establishment vergeben

Das hat zum einen mit Misstrauen zu tun. Donald Trump hat einen harten Wahlkampf gegen das republikanische Parteiestablishment geführt, dem er Verrat und Versagen vorgeworfen hat. Nun kann er schlecht seine Regierung mit Leuten füllen, die aus diesem Establishment stammen. Eliot Cohen ist da ein gutes Beispiel: In jeder anderen republikanischen Regierung bekäme ein Sicherheitsexperte seines Kalibers einen Posten als Staatssekretär im Außen- oder Verteidigungsministerium. Von Trumps Leuten wurde er offenbar angebrüllt und als "Verlierer" tituliert, weil er jenen elitären republikanischen Kreisen angehört, gegen die Trump eben auch zu Felde gezogen ist.

Trump Town Der Kater nach dem Sieg
Trump Town (I)

Der Kater nach dem Sieg

Der SZ-Kulturkorrespondent lebt in derselben Stadt wie Trump. Der wirft große Schatten auf das Leben dort. Dazu beginnt nun eine tägliche Kolumne.   Kolumne von Peter Richter

Cohens Warnung dürfte Folgen haben. Es gibt in Washington Tausende republikanische Fachleute wie ihn, die auf alle möglichen Politikbereiche spezialisiert sind und während der Regierungszeit der Demokraten in Denkfabriken, Beratungs- und Lobbyfirmen oder Anwaltskanzleien überwintert haben. Ob sie nun herauskommen und bei Trump anheuern, ist offen. Im Zweifelsfall meldet sich eher die zweite oder dritte als die erste Liga.