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USA:In den USA tobt ein Kulturkrieg

Es geht um Freiheitsrechte, Geschichtsdeutung, Waffen oder sexuelle Orientierung. In Charlottesville wurde der Kampf nun auf die Straße getragen. Doch es ist nicht Trumps Kampf.

Kommentar von Stefan Kornelius

Donald Trump ist nicht an allem Übel schuld, das in den USA zu finden ist. Dieses Land ist schon seit langer Zeit von sieben und mehr Plagen befallen: von sozialer Ungleichheit, Rassismus, politischem Extremismus vor allem von ultrarechts, Waffenwahn, Verschwörungslust, Bildungsmangel, Weltabgewandtheit.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - übrigens auch mit einem exakt gegenteiligen Befund. So entstehen die Spannungen, die typisch sind für die Gesellschaft, die sich immer wieder entladen - und die das Land dennoch aushält.

Culture wars sagen die Soziologen dazu, wenn Traditionalisten und Modernisten um Freiheitsrechte, Abtreibung, Bildung, Geschichtsdeutung, Kirche, Waffen oder sexuelle Orientierung kämpfen. Donald Trump ist ein Produkt dieses Gesellschaftskonflikts, weil er sich zum Sprachrohr und nun zum Präsidenten einer großen Gruppe gemacht hat, die sich um die Früchte ihrer Arbeit betrogen sieht und als Verlierer fühlt.

In Charlottesville wird dieser Kampf nun auf der Straße ausgetragen, übrigens nicht zum ersten Mal. Neu ist aber, dass der Präsident diesmal das Land spaltet und den Konflikt anheizt, anstatt seiner Rolle als oberster Versöhner nachzukommen. "Milizen", die schwer bewaffnet durch die Stadt streifen, geben die Kulisse für diese Mad-Max-Inszenierung. Trumps Kulturkrieg ist das nicht. Er ist nur der prominenteste Darsteller darin.

© SZ vom 14.08.2017/ees

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