USA Die Selbstherrlichkeit der Clintons

Hillary Clinton spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung vor der heruntergekommenen Fassade eines geschlossenen Hotels von Donald Trump in Atlantic City.

(Foto: AFP)

Hillary Clinton sollte Donald Trump dankbar sein. Müsste sie gegen einen seriösen Republikaner antreten, hätte sie keine Chance auf die Präsidentschaft.

Kommentar von Nicolas Richter, Washington

Hillary Clinton scheint sich manchmal darüber zu wundern, dass sie bei ihren Landsleuten so unbeliebt ist. Aber die Amerikaner reagieren nur auf das, was die Clintons vorleben. Allzu gern beanspruchen sie Sonderregeln für sich. Wenn daraus eine Affäre zu werden droht, zerstreuen sie den Verdacht mit Wortklaubereien, und wenn das nicht hilft, erklären sie sich zu Opfern spitzfindiger Kleingeister oder finsterer Mächte. Das Auffälligste am Clintonismus ist dessen notorische Selbstherrlichkeit.

Die E-Mail-Affäre ist nun ein weiteres Beispiel. Hillary Clinton hat als Ministerin einen Privatserver benutzt und damit im Umgang mit Staatsgeheimnissen eine Sorgfalt und Regeltreue vermissen lassen, die von jedem Beamten erwartet wird. Das FBI hat ihr jetzt bestätigt, dass sie jahrelang am Rande des Strafbaren operierte, aber Clinton wirkt nicht so, als habe sie aus diesem Mangel an Urteilsvermögen viel gelernt, und sei es nur Demut.

In einem gewöhnlichen Wahljahr wäre damit Clintons Streben nach der Präsidentschaft faktisch beendet: Wer sich schon in einem Ministerium so verantwortungslos benimmt, dem sollte man nicht das Weiße Haus anvertrauen. Aber in diesem Jahr heißt die Alternative Donald Trump, der mit einer Mischung aus Comedy und Hetze ins höchste Amt drängt. Clinton muss ihm dankbar sein dafür, dass sie im Vergleich zu ihm wie die Seriosität selbst wirkt.

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Die damalige Ministerin habe gegen interne Regeln verstoßen, befindet ein Bericht. Viel gefährlicher könnte Clinton aber eine FBI-Ermittlung werden.