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USA:Die letzte Botschaft des getöteten Polizisten von Baton Rouge

Der Polizist Montrell Jackson rief die Menschen auf, sich nicht vom Hass infizieren zu lassen.

(Foto: AP)

Montrell L. Jackson war schwarz - genau wie der Mann, der ihn erschossen hat. Wenige Tage vor seinem Tod hatte er auf Facebook gebeten: "Lasst nicht den Hass euer Herz infizieren."

Am Sonntag mussten in den USA wieder Polizisten sterben. In Baton Rouge, Louisiana, erschoss ein Mann drei Officer. Was den Schützen, der mittlerweile als Gavin Eugene Long identifiziert wurde, zu seiner Tat veranlasste, ist noch unklar. Handelte er aus Hass auf die Polizei, aus Wut über die Polizeigewalt gegen Schwarze - wie der Mann, der vor zehn Tagen in Dallas fünf weiße Polizisten getötet hatte?

Vieles spricht dafür: Ein Nutzer namens Gavin Long veröffentlichte vergangene Woche Videos in einem sozialen Netzwerk, in denen er zu einer blutigen Reaktion auf die jüngsten Tötungen Schwarzer aufrief. Wie die New York Times berichtet, weist alles darauf hin, dass es sich um den Täter handelt.

Einer der drei Männer, die Long erschossen hat, war selbst schwarz. Montrell L. Jackson, 32 Jahre alt, seit vier Monaten Vater eines Sohnes, trug seit zehn Jahren die Polizeiuniform. Erst vor wenigen Tagen hatte er auf Facebook seinen Gefühlen nach der Tötung des Schwarzen Alton Sterling in Baton Rouge durch Polizisten Ausdruck verliehen. "Ich bin körperlich und emotional erschöpft", schrieb er Anfang Juli.

Die Geschehnisse der folgenden Tage, als es zu gewaltsamen Protesten in Baton Rouge kam, hätten ihn durch und durch gefordert. "Ich schwöre bei Gott, dass ich diese Stadt liebe, aber ich frage mich, ob diese Stadt mich liebt. Wenn ich die Uniform trage, werde ich unangenehm und hasserfüllt angeschaut. Und wenn ich die Uniform nicht trage, halten mich manche für eine Gefahr."

Über seine Stadt Baton Rouge schrieb er in dem nicht mehr einsehbaren Eintrag: "Bitte lasst nicht den Hass euer Herz infizieren. Diese Stadt MUSS und WIRD besser werden. Ich arbeite auf diesen Straßen. Wenn irgendwelche Demonstranten, Beamte, Familien oder wer auch immer mich sehen und eine Umarmung brauchen oder ein Gebet sagen wollen: Ich verstehe euch."

© SZ.de/ewid/pamu

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