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USA:Der Plan zum Machterhalt

Verräterisch ist Trumps Gerede von der illegitimen Briefwahl.

Von Stefan KOrnelius

Nun verdichten sich die Hinweise, wie Donald Trump die Wahl wenden will. Der Präsident trägt ja sein Hirn stets auf der Zunge: "Schafft die Briefwahl ab." Trump ist wahrlich kein Geheimstratege, weshalb er sein Szenario für den Tag danach durch die beständige Wiederholung der Lüge von einer illegitimen Briefwahl unters Volk bringt: Er wird sie bei knappem Ausgang anfechten und am Ende vom Obersten Gerichtshof entscheiden lassen. Seinem Gerichtshof. Ansonsten schürt er Angst und mag nicht für einen friedlichen Machtwechsel bürgen.

Es ist natürlich starker Tobak, wenn der Präsident der USA Zweifel an einem friedlichen Machtwechsel sät. Angesichts der Entflammbarkeit des Landes, wie sie nun wieder in Louisville zu beobachten war, könnte man Trump der Aufwiegelei und der Vorbereitung eines Coups bezichtigen.

Allerdings hat diese Kanonade gegen die demokratische Bastion USA auch eine Wechselwirkung: Die Mehrheit der Amerikaner lehnt die Gewaltfantasien ab, die Rohheit Trumps erschüttert auch die (wenigen) Wechselwähler in den alles entscheidenden Swing States. Gerade hat der Präsident seine Klientel mit der Aussicht auf einen zusätzlichen Richterplatz am Supreme Court elektrisiert - ein paar Tage später treibt er sie wieder in die Verzweiflung. 39 Tage noch.

© SZ vom 25.09.2020

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