Natürlich hätte es Donald Trump auch ganz anders machen können. Zum Beispiel so wie der letzte Präsident vor ihm, der ein Impeachment-Verfahren im Senat hinter sich gebracht hatte. Bill Clinton stellte sich nach seinem Freispruch 1999 in den Rosengarten des Weißen Hauses, allein und reumütig, und entschuldigte sich bei den Amerikanern. Er bitte seine Landsleute, ihm zu vergeben, und er sei umgekehrt auch bereit, selber zu vergeben. "Dies muss jetzt eine Zeit der Versöhnung und Erneuerung für Amerika sein", sagte Clinton.
Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht einen anderen Weg gewählt hätte. Einen Tag nach dem Freispruch durch den Senat betrat der Präsident den East Room des Weißen Hauses. Er ließ sich minutenlang von den Leuten im Saal feiern, von republikanischen Abgeordneten, Mitgliedern seines Kabinetts und konservativen Aktivisten, die johlten. Dann zog er über die Demokraten, die Medien, den früheren FBI-Chef James Comey, den Ex-Sonderermittler Robert Mueller her. "Böse und korrupt", "schlechte Leute", "dreckige Cops", "Lügner", "Schande" und - ein bisschen später - "Abschaum". Er tat exakt das Gegenteil von dem, was Clinton getan hatte.
Eine Stunde lang zog sich Trumps Auftritt hin, über den er eingangs sagte, dass er keine Pressekonferenz sei, auch keine Rede, "das ist eigentlich gar nichts, nur eine Feier. Wir haben gewonnen." Er sei "durch die Hölle gegangen". Die ganze Ukraine-Affäre, die Untersuchung durch das Repräsentantenhaus, der Vorwurf des Machtmissbrauchs: "Es war alles Bullshit." Einmal hielt er die Titelseite der Washington Post hoch, auf der in dicken Lettern sein Freispruch vermeldet war. Er bedankte sich bei Mitch McConnell, dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, und bei vielen republikanischen Politikern im Saal. Über den Abgeordneten Jim Jordan, der nie ein Jackett trägt, sagte Trump: "Er ist sehr stolz auf seinen Körper."
Es war ein auch für Trumps Verhältnisse wirrer Auftritt, über den der demokratische Abgeordnete Don Beyer schrieb: "Wann war der Präsident das letzte Mal bei einem Gesundheitscheck?" Wenig überraschend war, dass Trump Mitt Romney attackierte. Der Senator aus Utah hatte als einziger Republikaner für einen Schuldspruch Trumps wegen Machtmissbrauchs gestimmt. Das Ende des Impeachment-Verfahrens, das so berechenbar schien, hielt damit doch noch eine Überraschung bereit. Romney machte damit das Argument des Präsidenten zunichte, wonach es sich beim Impeachment um eine parteipolitische Angelegenheit handelte. Er ist nun der erste Senator, der in einem Impeachment-Verfahren für einen Schuldspruch des Präsidenten der eigenen Partei votiert hat. Die Fakten, so Romney, seien klar: Trump habe sich eines "entsetzlichen Verstoßes gegen das öffentliche Vertrauen" schuldig gemacht. Er sei sich bewusst, dass er für seine Haltung angefeindet werden würde - und so kam es auch. Trumps Sohn Donald junior forderte, Romney müsste aus der Republikanischen Partei austreten. Der Präsident veröffentlichte ein Video, in dem Romney als "Geheimagent" der Demokraten bezeichnet wurde. Und bei Fox News galt er schlicht als "Verräter".