USA Das Phänomen Donald Trump

Republican presidential candidate Trump gestures at a rally in Manchester Republican presidential candidate Donald Trump gestures and declares 'You're fired!' at a campaign rally in Manchester, New Hampshire, in this file photo taken June 17, 2015. New York City is reviewing its contracts with Donald Trump following comments by the developer and U.S. presidential candidate insulting Mexicans, Mayor Bill de Blasio said on Wednesday. REUTERS/Dominick Reuter/Files

(Foto: REUTERS)
  • Der US-Milliardär Donald Trump bewirbt sich mit einer rassistischen Äußerung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.
  • Er macht sich damit zum Gespött linker Satiresendungen und zum Feindbild einwandererfreundlicher Amerikaner, aber Aufmerksamkeit ist ihm sicher.
  • Chancen auf das Präsidentenamt kann sich Trump nicht ausrechnen.
  • Seine Teilnahme am Vorwahlkampf verrät viel über die politische Kultur in den USA und den Zustand der republikanischen Partei.
Von Nicolas Richter, Washington

Neulich sah es so aus, als hätten sich die Haare von Donald Trump davongemacht. Im peruanischen Regenwald entdeckte ein Fotograf das gelbliche, zerzauste Büschel, es hatte sich auf einem Blatt niedergelassen. Wissenschaftler ermittelten bald, dass es sich zwar nur um die Raupe Megalopyge Opercularis handelte, deren Haare Gift absondern.

Aber das Geschöpf erschien gleichwohl zur richtigen Zeit: In Amerika herrscht immer Nachfrage nach Witzen über die Frisur Donald Trumps, wobei alle gängigen Vergleiche erschöpft sind, der Fußabtreter, das Meerschweinchen, der Putzlappen. Jetzt also die Raupe, die auch noch giftig ist - sie erschien genau im richtigen Augenblick und beschäftigte tagelang die Sozialmedien.

Will Trump nur seine Produkte vermarkten, oder muss man ihn ernstnehmen?

Vor gut zwei Wochen hat sich Donald Trump, 69, zum Kandidaten erklärt für das Amt des US-Präsidenten. Der Republikaner erschien im New Yorker Trump Tower, jedenfalls legte die Körpergröße nahe, dass der megalomane Geschäftsmann selber die Rede hielt und nicht dessen peruanischer Doppelgänger Megalopyge. Trump ist in den USA allzu vertraut und als oberflächlicher Prahlhans verschrien, aber es gelingt ihm noch immer, das Land zu verwirren.

Die Experten rätseln, wo sie ihn einsortieren sollen - ob "The Donald" mit seiner Kandidatur also nur Alleinunterhaltung bietet, seine Produkte vermarktet oder ob man ihn wirklich als politisches Phänomen ernst nehmen muss.

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Trumps erster Auftritt im Wahlkampf erregte zunächst den Verdacht, dass er nur den politischen Betrieb parodieren wollte. Seine Bewerbungsrede klang so wurstig, als drehe er bloß eine weitere Folge seiner Show "The Apprentice" ab, in der sich Geschäftsleute durch ein Bewerbungsverfahren quälen, bis Trump sie entlässt ("Du bist gefeuert"). Nachdem ihn seine Tochter Ivanka angekündigt hatte, erschien Trump auf der Mezzanine und fuhr auf einer Rolltreppe hinunter zum Rednerpult, wobei er der einzige Kandidat der US-Geschichte bleiben dürfte, der als Symbol für politischen Aufstieg eine Rolltreppe betritt, die nach unten fährt.

Trump verkörpert manchmal schlicht das Washington, wie es heute ist

Aber dann passte die Symbolik doch gut zur Abgründigkeit seiner Worte, denn schon nach 144 Sekunden machte er sich unwählbar: Mexiko, sagte er, schicke den Amerikanern nichts als Schmuggler und Vergewaltiger über die Grenze. Trump redete dann zwar noch eine Dreiviertelstunde weiter, sagte 195 mal "Ich", prahlte mit seinen Milliarden, seinen Hotels und Golfplätzen, die zumindest nach ihm benannt sind, und deutete sogar so etwas an wie ein politisches Programm ("Ich werde für den Arbeitsmarkt der großartigste Präsident sein, den Gott je erschaffen hat").

Aber das Entscheidende hatte er eben schon am Anfang gesagt: Mexiko "schickt" nichts als Schmuggler und Vergewaltiger. Da klang gleich wieder der mutmaßliche Ausländerfeind und Rassist durch, der auch immer wieder infrage gestellt hat, ob Barack Obama überhaupt ein Amerikaner ist.