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USA:Bush zu sein genügt nicht mehr

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George P. Bush: Familien-Nachwuchshoffnung in Schwierigkeiten.

(Foto: AP)
  • In der Nacht zum Mittwoch finden in Texas die ersten US-Vorwahlen des Jahres statt.
  • George P. Bush konkurriert mit republikanischen Parteirivalen um das Amt des Landbeauftragten.
  • Der 41-jährige Sohn von Jeb Bush galt als die nächste große Hoffnung der Polit-Dynastie, könnte nun aber eine empfindliche Niederlage erleiden.

Von Johannes Kuhn, Austin

George P. Bush hat die Spielregeln des politischen Geschäfts in der Familie gelernt: "Stolz darauf, von Donald Trump empfohlen worden zu sein", heftete er vor wenigen Tagen an die Spitze seines Twitter-Profils, nachdem der US-Präsident einen Wahlaufruf getwittert hatte. Das Motto "Zum Präsidenten stehen", ziert bereits länger seine Flugblätter.

Der 41-jährige George P. Bush, Sohn des ehemaligen Gouverneurs von Florida, Jeb Bush, Enkel des 41. US-Präsidenten George Bush und Neffe des 43. US-Präsidenten George W. Bush, kann prominente Unterstützung derzeit gut gebrauchen. Am heutigen Dienstag steht die republikanische Vorwahl zum texanischen Landbeauftragten (land commissioner) an und der Name Bush allein genügt nicht mehr, um uneingeschränkte Loyalität aus der Partei zu erhalten.

Ausgerechnet Mit-Republikaner und Vorgänger Jerry Patterson will dem Sprössling der Politiker-Dynastie den Job streitig machen. Das Rennen ist enger als erwartet. Nun ist Landbeauftragter auf den ersten Blick kein glamouröses Amt: Die Behörde verwaltet die texanischen Liegenschaften sowie die Öl- und Gasrechte. Doch für einen Bush muss ein texanischer Bürobunker nicht die Endstation sein.

Als George P. 2014 für das Amt antrat, galt dies als erster Testlauf für den ehemaligen Investor. Er gewann locker und texanische Zeitungen merkten an, dass George P. sogar den Familienfluch gebrochen habe, wonach ein Bush seine erste Wahl immer verliert. Landbeauftragter erschien dabei wie der perfekte Einstiegsjob: Wer den Posten hat, kann nicht viel falsch machen, aber manch prestigeträchtiges Projekt durchsetzen und so seine Bekanntheit für weitere Wahlen steigern.

Bushs Schlacht am Alamo

Bush suchte sich für diese Strategie allerdings ausgerechnet eine texanische Heiligenstätte heraus: eine 450 Millionen Dollar teure Renovierung des "Alamo" in San Antonio, jenes zum Denkmal erklärten Forts, in dem die Texaner im Unabhängigkeitskrieg gegen Mexiko 1836 erbittert Widerstand leisteten.

Bush legte die Verwaltung des Alamo in die Hände von Wohltätigkeitsorganisationen, deren Intransparenz und Zusammensetzung einem internen Gutachten zufolge gegen mehrere Verwaltungsregeln verstößt. Die Kritik daran war allerdings nicht halb so laut wie der öffentliche Aufschrei über die Pläne selbst: Das renovierte Alamo weise der Erinnerung an die Schlacht von 1836 nicht den notwendigen Platz zu, so der Vorwurf.

Diese Interpretation ist umstritten, doch der Texas Monthly fasste das Dilemma so zusammen: "Der absolut letzte Ort, an dem ein Politiker stehen möchte, ist zwischen den Texanern und ihren nationalen Mythen. Bushs Karriere ist nun davon abhängig, ob er texanische Konservative davon überzeugen kann, einer von ihnen zu sein." Die Zeitschrift titelte bereits: "George P. Bushs letzte Schlacht am Alamo".

"Ein bisschen wie Kim Jong Un"

Dem Wahlkampf mangelt es entsprechend nicht an folkloristischen Elementen. Das hängt auch mit Bushs Rivalen Patterson zusammen. Der ehemalige Marinesoldat leitete die Behörde von 2003 bis 2015 und trägt nicht nur standesgemäß einen Cowboyhut, sondern versteckt auch stets griffbereit eine Pistole im Stiefel.

Im Wahlkampf tratd er 71-Jährige gemeinsam mit den beiden anderen Bush-Gegenkandidaten vor dem Alamo in San Antonio auf und erklärte mit großem Pathos, sie hätten die Stätte niemals politisieren wollen. "Aber wir tun es und wir müssen es. Weil wir als Texaner unser Alamo verteidigen müssen." Eine weniger patriotische Erklärung für Pattersons Comeback: Er hatte den Posten als Landbeauftragter aufgegeben, um Vize-Gouverneur zu werden und war dabei gescheitert. Nun hat er eine Gelegenheit entdeckt, sich seinen alten Posten wiederzuholen.

Weil Bush keine öffentlichen Wahlkampf-Auftritte absolviert und sich auf Wahlwerbespots und Marketing-Kampagnen beschränkt, hat Patterson ihm attestiert, "ein bisschen wie Kim Jong Un" zu sein. "Er geht nicht viel vor die Tür, außer wenn er in sicherer Umgebung ist." Auch die konservative Zeitung Dallas Morning News hat Republikanern zu seiner Abwahl geraten.

Bush hat dennoch prominente Empfehlungen in der Tasche, von Trump über dessen Sohn Donald Jr. bis Senator Ted Cruz. Dies könnte genügen, um über 50 Prozent zu gelangen. Sollte er darunter bleiben, kommt es zur Stichwahl und seine drei Gegenkandidaten könnten sich hinter dem Rivalen, voraussichtlich Patterson, vereinigen.

Goldene Gänse, gerupfte Hühner

Die Bush-Dynastie begründete bereits George P.'s Urgroßvater Prescott, der 1952 zum Senator für Connecticut gewählt wurde. Seitdem sind Vermögen und Einfluss der Familie stetig gewachsen. "George P. Bush wurde schon sein Leben lang auf etwas Größeres vorbereitet", beschrieb der texanische Journalist Ryan Poppe Bushs Lebenslauf. Weil seine Mutter Columba aus Mexiko kommt, spricht er spanisch. Angesichts eines wachsenden Anteils texanischer Latinos sei er für die Republikaner "wie eine goldene Gans", so Poppe.

Allerdings entpuppte sich zuletzt manch goldene Gans als gerupftes Huhn. Das klägliche Vorwahl-Aus von Bushs Vater Jeb 2016 signalisierte ebenso wie die spätere Wahlniederlage Hillary Clintons gegen Donald Trump, dass die beiden wichtigsten Politik-Familien der vergangenen Jahrzehnte ihre beste Zeit hinter sich haben. Der Name Bush ist unter Republikanern nicht mehr zwangsläufig ein politisches Qualitätsmerkmal, in dem Hardcore-Trumpismus nahestehenden Kreisen sogar das Gegenteil.

Was sein Familienname noch wert ist, wird George P. Bush in den Vorwahlen am heutigen Dienstag erfahren. Ausgerechnet am 182. Jahrestag der Schlacht vom Alamo.

© SZ.de/ghe/irm
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