DiplomatieProfessor Botschafterin

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Amy Gutmann soll US-Botschafterin in Berlin werden.
Amy Gutmann soll US-Botschafterin in Berlin werden.
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Die Universitätspräsidentin Amy Gutmann wird oberste Repräsentantin der USA in Deutschland. Sie bringt ein gewaltiges Beziehungsgeflecht mit - und eine Familiengeschichte.

Von Stefan Kornelius

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Joe Biden hatte seinen Ruhestand und damit seinen Nachruhm im Blick, als er 2017 der Präsidentin der University of Pennsylvania seinen Namen lieh. Amy Gutmann wollte in der Hauptstadt der USA einen dauerhaften Fußabdruck für ihre Institution hinterlassen und fand im gerade aus dem Amt geschiedenen Vizepräsidenten einen willigen Namensgeber für das "Penn-Biden-Zentrum für Diplomatie und globales Engagement".

Damit war die Beziehung zwischen Biden und Gutmann noch lange nicht erledigt. Biden wurde entgegen seiner damaligen Erwartung doch noch Präsident der USA - und Gutmann seine Dauerkandidatin für wichtige Positionen in der neuen Regierung, unter anderem für das Ministeramt für Bildung. Schon im Juni 2021 sind sich die beiden dann handelseinig geworden. Und jetzt, da der Senat mit 52 zu 42 Stimmen für die Kandidatin des Präsidenten votiert hat, steht fest: Gutmann wird die nächste Botschafterin in Deutschland. Ihre Vereidigung ist nur noch eine Formalie.

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Vor allem die Mittelschicht soll profitieren: Im Ringen um groß angelegte Investitionen hat US-Präsident Biden Fortschritte erzielt. Wie aber stehen die Chancen, dass der Plan auch in einen Gesetzestext umgewandelt und vom Kongress verabschiedet wird?

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Schon vor der Abstimmung hatte wenig dagegen gesprochen, dass Gutmann im Senat eine Mehrheit bekommt. Gutmann ist über alle Parteigrenzen hinweg eine der angesehensten Wissenschaftlerinnen und vor allem Wissenschafts-Managerinnen des Landes. Die 71-Jährige schaut auf eine makellose Karriere als Professorin und Universitätspräsidentin zurück. 17 Jahre lang diente sie der Penn (oder UPenn), wie die Privatuniversität in Abgrenzung zur staatlichen Penn State genannt wird.

Amy Gutmann hat die University of Pennsylvania in dieser Zeit revolutioniert. Die Zahl der von ihr angestoßenen Forschungsinitiativen ist unüberschaubar, ihr wissenschaftliches, organisatorisches und menschenfängerisches Talent schöpft aus einer großen Energiequelle. Die Universität ist die größte Arbeitgeberin in Philadelphia, steht in den Ranglisten der Top-Universitäten der USA weit oben und zeichnet sich vor allem durch ein großzügiges Stipendienprogramm für weniger bemittelte Studenten aus. Biografische Darstellungen weisen bis zu neun Milliarden Dollar aus, die sie für ihre Universität eingeworben haben soll.

Ihr Vater floh aus Mittelfranken

Gutmann ist, wie in ihrer Profession üblich, in ein dichtes Netz von Stiftungen, Vereinigungen, Wettbewerben und Kommissionen eingewoben. Eines ihrer wichtigsten Engagements galt der Bioethik, wo sie sieben Jahre lang der von Barack Obama eingesetzten präsidentiellen Kommission zur Untersuchung bioethischer Fragen vorsaß. Akademisch steht Gutmann auf zwei Füßen: Zum einen ist sie Politikwissenschaftlerin mit einem Master-Abschluss von der London School of Economics und einer Promotion in Harvard. Ihr Forschungsgebiet weitete sich aber über die Jahre tief in Bereiche der Philosophie und der Kommunikationswissenschaft aus.

Die wichtigsten Bücher Gutmanns wurden gerade in den Trump-Jahren zur Pflichtlektüre in Washington. Ihr theoriewissenschaftliches Standardwerk zu Erziehung und Demokratie weist nach, wie untrennbar Staat und Bildung miteinander verknüpft sind - und warum eine Demokratie gleiche und faire Bildung für alle braucht. Später folgten Werke zu Demokratie und Meinungsverschiedenheit, Rassenbewusstsein und zuletzt zur Bioethik ("Alle wollen in den Himmel, aber keiner will sterben").

Mit Deutschland verbindet Gutmann nicht weniger als ihre Lebensgeschichte. Ihr jüdischer Vater floh mit der Familie 1934 vor den Nationalsozialisten aus Feuchtwangen. Kurt Gutmann, der 1966 starb und von seiner Tochter tief verehrt wird, arbeitete zehn Jahre in Indien in der Metallurgie, ehe er in die USA emigrierte und dort seine künftige Frau kennenlernte. Die Tochter wird nun zu den Wurzeln der Familie zurückkehren.

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