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USA:Botschaft an Putin

The Russian flag flies at the Russian Embassy in northwest Washington DC on Friday December 30 20

Blick auf die Boris-Nemtsov-Plaza: Die russische Botschaft.

(Foto: imago)

Ein Straßenname in Washington erinnert künftig an den Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Nicht zufällig liegt die Straße in der Nähe der russischen Botschaft.

Von Frank Nienhuysen

Die Zeremonie findet auf einem Rasenstück in Washington statt, Ostecke Wisconsin Avenue und Edmunds Street N.W. Ein paar US-Senatoren sind eingeladen, Verwandte von Boris Nemzow reisen an, und sollten Vertreter der russischen Botschaft zusehen wollen, wenn in Amerika des erschossenen russischen Oppositionspolitikers gedacht wird, müssten sie nicht einmal ihr Gebäude verlassen. Es liegt gleich gegenüber. An diesem Dienstagabend, dem dritten Jahrestag der Ermordung des einstigen russischen Vizepremiers, sollte ausgerechnet ein kurzer Abschnitt der Washingtoner Wisconsin Avenue in Boris-Nemtsov-Plaza umbenannt werden. Dort liegt die russische Botschaft. Ein paar Straßenschilder werden künftig seinen Namen tragen.

Als das Washingtoner City Council vor wenigen Wochen für die Namensänderung stimmte, sagte der republikanische Senator Marco Rubio, die Entscheidung sei auch "eine deutliche Botschaft an Präsident Wladimir Putin und seine Freunde, dass die amerikanische Bevölkerung auf der Seite der Russen steht, die mutig versuchen, eine freie und demokratische Zukunft für ihr Land aufzubauen". Nemzows Tochter Schanna Nemzowa hatte sich in Washington für die Umbenennung eingesetzt. In einer E-Mail schreibt sie, dass die Namensänderung rein symbolisch sei, "die russische Botschaft ist nicht verpflichtet, die neue Adresse zu nutzen". Nemzowa ist vor allem wichtig, dass ihr Vater nicht vergessen wird. Dem Stadtrat in Washington hatte sie im Dezember gesagt, die russische Regierung wolle die Erinnerung an ihren Vater auslöschen.

In Moskau erinnert keine Tafel an den ermordeten Politiker

Bei einem Gedenkmarsch in Moskau erinnerten am Sonntag mehrere Tausend Menschen an den erschossenen Oppositionsführer. In anderen Großstädten wurden Demonstrationen für Nemzow drei Wochen vor der Präsidentenwahl dagegen nicht zugelassen.

Am Tatort in Moskau, einer Brücke in Sichtweite des Kreml, versuchen Russen mit Fotos und Blumen, die Erinnerung an den liberalen Politiker und einstigen politischen Ziehsohn von Boris Jelzin wachzuhalten. Eine Gedenktafel an der Brücke aber gibt es nicht. Mehrmals haben Moskauer Behörden es auch abgelehnt, eine Plakette am Wohnhaus von Nemzow zu gestatten. Und immer dann, wenn Unterstützer ein Plastikschild montierten, wurde es von Aktivisten der nationalistischen, Kreml-nahen Bewegung Serb wieder abgerissen. Deren Anführer sagte der Zeitung RBK, "und das werden wir solange tun, wie die Schilder gesetzeswidrig aufgehängt werden".

Dabei ist Moskau nicht einmal grundsätzlich zurückhaltend beim Aufstellen von Büsten. Nach einem Bericht der Nowaja Gaseta war das vergangene Jahr ein Rekordjahr, mit fast 50 neuen Monumenten. Der Kritiker Nemzow aber passt nicht ins Profil. Ein Duma-Abgeordneter hatte vielmehr eine andere Idee: als Antwort zur Boris-Nemtsov-Plaza die Adresse der US-Botschaft in Moskau umzubenennen - in Nordamerikanische Sackgasse Nr. 1. Das aber hält auch der Kreml nicht für besonders souverän. Es sei einzig das Recht der Washingtoner Stadtbehörde zu entscheiden, wie die Straße vor der russischen Botschaft heiße.

© SZ vom 28.02.2018

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