US-Automobilindustrie:Trump machte den Einwohnern der Gegend ein Versprechen

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Unterstützt wird die Kampagne von den Abgeordneten des Bundesstaats Ohio im Kongress. "Aus beiden Parteien", betont Green, der selber Demokrat ist, "wann gibt es das heute noch?" Unterstützt wird die Kampagne aber vor allem von den Einwohnern. Kürzlich schrieben Schüler Briefe an Mary Barra, die Chefin von General Motors. Einige davon hängen im Gewerkschaftslokal. "Dear Mary", steht da im Brief einer High-School-Schülerin, "meine Mutter arbeitet seit 27 Jahren in der Fabrik. Jetzt überlegen sich meine Eltern, ihr Leben auf den Kopf zu stellen und wegzuziehen." Eine andere Schülerin schreibt an Barra: "Stellen Sie sich vor, wie viele Leben zerstört und wie viele Familien auseinandergerissen werden."

Green führt jetzt durch den Versammlungsraum des Gewerkschaftslokals, ein Kühlschrank mit Bier in der einen Ecke, ein Podest mit Baseball-Trophäen der Werksmannschaft in der anderen, und an der Wand ein Bild von Barack Obama, das ihn dabei zeigt, wie er zu den Arbeitern von Lordstown spricht. Der Präsident besuchte die Fabrik im Herbst 2009, nachdem die US-Regierung General Motors vor dem Bankrott gerettet hatte. Kurz darauf erhielt der Konzern einen von vielen weiteren Steuerrabatten. "Sie gaben uns damals das Versprechen, Lordstown für mindestens 30 Jahre weiterzubetreiben", sagt Green. "Daran erinnern wir sie jetzt."

Auch Donald Trump machte den Einwohnern der Gegend ein Versprechen. "Verkauft eure Häuser nicht, zieht nicht weg", sagte er 2017, als er schon Präsident war, vor Anhängern in Youngstown. "Die Fabrikjobs werden alle zurückkehren." Sie kehrten natürlich nicht zurück, und Green ist nicht sicher, ob Trump seinen Erfolg von 2016 wiederholen wird: die Mehrheit in diesem Bezirk, der traditionell demokratisch wählt. "Wenn er das nächste Mal hier durchkommt und wir keine Autos mehr bauen, werden die Leute eine andere Meinung von ihm haben."

Der Bürgermeister verteidigt den Präsidenten - aber wie lange noch?

Bürgermeister Hill, der 2016 Trump wählte, sieht das ein wenig anders. "Der Präsident hat zu viel auf dem Teller, als dass er sich um alles kümmern könnte", sagt er. Für seine bisherige Arbeit würde er Trump eine gute Note geben: "Andernorts wächst die Wirtschaft, bei uns dauert das halt immer etwas länger." Aber er hoffe sehr, dass sich Trump bei General Motors für die Zukunft des Werks einsetze. Ende November, als der Konzern seine Ankündigung machte, hatte Trump dem Management öffentlich gedroht, Steuergutschriften für Elektroautos zu streichen. Doch seither haben sie in Lordstown nichts mehr vom Präsidenten gehört.

Einfach nur warten wollen Green und Hill nicht. Vergangene Woche reisten sie zur Automesse nach Detroit, wo sie sich mit Vertretern von General Motors trafen. Auch der Gouverneur von Ohio warb dort bei Konzernchefin Barra für die Fortsetzung der Produktion mit einem neuen Auto, und er bot die Unterstützung des Bundesstaates an. Eine Zusage gab Barra nicht. Bevor man darüber entscheide, ob man ein neues Modell an Lordstown vergebe, müsse man erst die Auslastung an anderen Produktionsstandorten in den USA erhöhen, sagte sie vor Journalisten.

Warten wollen auch viele Einwohner nicht. "Sie können es sich nicht leisten", sagt Amanda Mazurkiewicz, 38, die in einem der drei Restaurants im Dorf arbeitet, einem freundlichen Imbiss, wo der Kaffee dünn und die Portion des Frühstücksmenüs riesig ist. "Viele meiner Freunde ziehen weg." Der Wert der Häuser sei bereits gesunken. "Und wir haben Angst, dass die Schule kein Geld mehr haben wird, wenn die Steuereinnahmen von General Motors nicht mehr da sind."

Kunden bleiben aus, das spüren die Restaurants und die wenigen Geschäfte im Ort, die Tankstelle, die Bank, die Sandwich-Bude. "Kauft zu Hause", forderte Bürgermeister Hill im Mitteilungsblatt der Gemeinde. "Lasst uns keine Geisterstadt werden." Ob sich das noch abwenden lässt? In Lordstown hoffen sie. Doch es liegt nicht mehr in ihrer Hand.

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