US-Wirtschaft Gibt es den Trump-Boom wirklich?

  • Donald Trump und die Republikaner rühmen sich gerne für die gute wirtschaftliche Lage in den USA.
  • 2016 übernahm Trump das Land im Aufschwung. Sein Vorgänger Barack Obama war 2008 in der Wirtschaftskrise an die Macht gekommen.
  • Trumps Steuersenkungen werden im nächsten Jahrzehnt ein großes Defizit produzieren.
Von Sarah Unterhitzenberger (Grafiken) und Johannes Kuhn (Text), Austin

Im Juni verkündete Donald Trump, die USA erlebten gerade "in vielerlei Hinsicht die beste Wirtschaft der amerikanischen Geschichte". Der Wirtschaftsaufschwung sei sein Verdienst, so lässt der stets unbescheidene US-Präsident durchblicken.

Dass er bei Amtsantritt im Januar 2017 eine Wachstumsphase von seinem Vorgänger Barack Obama erbte, verschweigt der 72-Jährige gerne, genau wie die einst von ihm als "gefälscht" bezeichneten Arbeitslosenzahlen kein "Witz" mehr sind, sondern ein fundamentales Symbol für den Erfolg der "Trumponomics".

Mit einer guten Wirtschaft gewinnt man Wahlen: Das gilt zwar vor allem, wenn Präsidenten für eine zweite Amtszeit antreten. Aber Trump und die Republikaner hoffen, dass die ökonomische Situation die eigene Basis mobilisiert und einige Skeptiker dazu bringt, doch nicht für demokratische Kandidaten zu stimmen. Doch wie steht es eigentlich im Detail um die US-Wirtschaft? Ein Blick auf die wichtigsten Indiktatoren.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote, eine der wichtigsten Kennzahlen, geht stetig zurück - ein Trend, der allerdings schon lange vor der Amtsübernahme Donald Trumps begann. Mit 6,7 Millionen liegt die Zahl der offenen Stellen fast gleichauf mit der Zahl der Arbeitssuchenden.

Hier zeigen sich auch die Grenzen des Wachstums: Die Positionen können oft wegen regionaler Engpässe auf dem Arbeitsmarkt, aber auch wegen Unter- oder Überqualifizierung nicht besetzt werden.

Einige Auswirkungen der Rezession spüren die Amerikaner noch heute: Um in der Altersspanne zwischen 25 und 54 Jahren die Beschäftigungsquote von 2008 zu erreichen, müssten weitere 1,6 Millionen US-Amerikaner Jobs finden. Eine relevante Anzahl von Bürgern ist offenbar in der Krise aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden und niemals zurückgekehrt.

Job-Entwicklung

Während sein Vorgänger Obama das Land während der Wirtschaftskrise in einer Rezession übernahm, setzt Trump das spätere Job-Wachstum der Obama-Jahre fort. Das durch die äußerst unternehmerfreundliche Steuerreform erhoffte Extra-Wachstum hat sich noch nicht im großen Stil materialisiert; einige Konzerne gaben ihren Mitarbeitern Extra-Zahlungen, andere investierten massiv in Aktienrückkäufe.

Bewertung der wirtschaftlichen Lage nach Parteizugehörigkeit

Wem ist der Wirtschaftsboom zuzuschreiben? Eine objektive Antwort ist für US-Amerikaner schwer - auch hier spielt die politische Vorliebe eine zentrale Rolle. Während Demokraten seit der Trump-Wahl die Lage der Wirtschaft pessimistischer beurteilen, halten Republikaner sie nun für besonders gut und sparen nicht mit Superlativen. Auch in einer Gallup-Umfrage zeigt sich dieser Trend: 77 Prozent der Republikaner beurteilen die Wirtschaft als "gut oder sehr gut", bei den Demokraten sind dies nur 36 Prozent. Im Jahr 2016, als Obama noch Präsident war, waren nur etwa 20 Prozent der Republikaner so positiv gestimmt gewesen.

Stundenlohn-Trend

Große Nachfrage nach Arbeitskräften bei hoher Beschäftigung bedeutet eigentlich erhebliche Lohnsteigerungen. Doch die sind trotz des Booms geringer als in weiten Teilen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Experten sprechen bereits von einem "Lohnpuzzle".

Theorien zu Erklärung gibt es viele, zu den genannten Faktoren gehören: Geringe Produktivitätssteigerungen, schwächere Gewerkschaften und geringe Arbeitnehmerrechte (zum Beispiel bei der Bezahlung von Überstunden oder Krankheitstagen), starke Marktmacht-Konzentration einzelner Unternehmen oder auch Automatisierung Bei einer vergleichsweise hohen Inflation, vor allem durch den Benzinpreis angetrieben, kommt bei vielen Arbeitnehmern vom Boom wenig an.

Defizit-Entwicklung

Das dicke Ende kommt noch - im nächsten Jahrzehnt. Die Steuersenkungen, mit denen die Trump-Regierung Entlastung von Unternehmen und Bürgern verspricht, werden nach 2020 ein erhebliches Defizit produzieren. Und das, obwohl die Steuerentlastungen für Amerikaner mit geringerem Einkommen sich langsam abschwächen und zu Steuererhöhungen werden.

Die Demokraten wollen in diesem Wahlkampf die plakative Botschaft unter das Volk bringen, dass die Republikaner Firmen über Gebühr entlasten, während Normalbürger wenig profitieren und später sogar draufzahlen müssen.

Die Republikaner setzen ihrerseits darauf, dass das eingelöste Versprechen niedrigerer Steuern ein Gewinnerthema ist und Anhänger es ihnen nachsehen, dass sie in der Opposition vor Haushaltsdefiziten warnen, um dann in der Regierung stets rücksichtsloser als die Demokraten neue Schulden einzukalkulieren.

Politik USA Als der amerikanische Traum starb

Zehn Jahre nach der Finanzkrise

Als der amerikanische Traum starb

Die Finanzkrise von 2008 hat die USA härter getroffen als die Anschläge vom 11. September 2001. Der Bruch der Bürger mit "dem Establishment" lässt sich so schnell nicht wieder kitten.   Kommentar von Hubert Wetzel