US-Wahlkampf Am Ende entscheiden die Stimmen der konservativen Frauen

Über den Eindruck, dass alle Republikaner fremdenfeindlich seien und mit Donald Trump einen Rassisten nominiert haben, kann Avinash Iragavarapu nur lachen. "Ich bin 2014 aus Indien nach Arizona gekommen und habe keinen US-Pass. Heute habe ich eines der höchsten Parteiämter in Arizona inne", sagt der 30-Jährige. Er ist Experte für Wählerdaten und nun als Geschäftsführer für den Wahlkampf der Grand Old Party verantwortlich.

Auf seinem Laptop zeigt Iragavarapu eine Grafik: Die Mehrheit der Bürger, die bei den vergangenen vier Wahlen in Arizona abgestimmt haben, sei konservativ. In Arizona gebe es 170 000 registrierte Republikaner mehr als Demokraten und in allen 21 Wahlkampf-Büros sei die Begeisterung groß. Auch in Phoenix betreten laufend Bürger das Hauptquartier. "Wir machen alles, was Trump hilft", ruft ein Mann laut und verschwindet mit einem Packen "Make America Great Again"-Schilder, um diese vor Supermärkten zu verteilen.

Andere gehen von Tür zu Tür, um Republikaner an den Wahltag zu erinnern. Im Hauptquartier kümmert sich ein Dutzend Aktivisten um das phone banking. Sie bitten am Telefon stets darum, auch John McCain erneut zu unterstützen. Der 80-jährige Senator tritt zum sechsten Mal an und liegt in allen Umfragen vorn. Dass sich McCain und Donald Trump nicht ausstehen können, stört Geschäftsführer Iragavarapu nicht: "Die Leute entscheiden sich nicht zwischen Trump und McCain. Sie lesen "Trump oder Clinton" und dann 'McCain oder Ann Kirkpatrick' - und ich bin mir sicher, dass die Republikaner beide Male siegen."

Der Polit-Berater Ruben Alvarez beurteilt diese Vorhersage eher skeptisch. Es werde vor allem darauf ankommen, welche Partei ihre Anhänger besser mobilisieren könne. Alvarez, der früher selbst für eine republikanische Gouverneurin gearbeitet hat, hält einen Clinton-Erfolg für möglich: "Viele unabhängige Wähler rücken von Trump ab, weil er eher geringe Siegchancen hat. Außerdem haben viele konservative Frauen Probleme mit ihm: Ihre Stimmen werden letztlich den Ausschlag geben."

Todesdrohungen gegen Journalisten der Lokalzeitung

Donald Trump weiß genau, dass er keine Chance aufs Weiße Haus hat, wenn er nicht in Arizona siegt und sich die elf Stimmen im electoral college sichert. Am Samstag trat er vor Tausenden Fans in Phoenix auf, seine "Make America Great Again"-Botschaft sowie die Forderung nach einer Mauer kommt hier besonders gut an.

Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Phoenix.

(Foto: Reuters)

Doch die Reaktionen mancher Trump-Fans in Arizona zeigt auch, welche extremen Ausmaße deren Leidenschaft annehmen kann. Als die Lokalzeitung Arizona Republic Ende September in einem Leitartikel Hillary Clinton zur besseren Kandidatin kürte, sorgte dies landesweit für Schlagzeilen. Seit ihrer Gründung 1890 hatte die Zeitung in ihren endorsements stets zur Wahl von Republikanern aufgerufen, doch 2016 gab es für die Redakteure keine Wahl: "Was Trump tut und wofür er steht, ist unter unserer Würde als Nation."

Noch mehr Aufsehen erzeugten jedoch die Reaktionen der Trump-Fans: Neben einer hohen Zahl von gekündigten Abonnements gab es Todesdrohungen gegen die Journalisten. "Wir mussten die Sicherheitsvorkehrungen verstärken", berichtet der zuständige Redakteur Phil Boas im Gespräch. Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt, aber auch nach vier Wochen werde er weiterhin täglich am Telefon beschimpft.

Furcht vor dem Autokraten Donald Trump

Boas betont jedoch zugleich, dass er und seine Kollegen viel Zuspruch erfahren hätten. Er selbst ist überzeugter Konservativer und stammt aus einer Familie voller Republikaner. Doch gerade diese Tatsache mache es wichtig, Trump mit klaren Worten zu verurteilen: "Wir haben eine Verantwortung, uns diesem Autokraten entgegenzustellen."

Den Republic-Redakteuren missfällt vor allem, dass Trump die Journalisten niedermacht und er es als Präsident leichter machen will, Medien zu verklagen. "Die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht und durch das First Amendment in der Verfassung verankert. Wer so redet, dem ist nichts heilig", sagt Boas.

Seiner Meinung nach werde das Rennen sehr knapp werden und er wäre "überrascht", wenn Clinton in Arizona wirklich gewinnen würde. Selbst wenn die Demokratin über Trump triumphieren würde, wäre dies ein Einzelfall: "Strukturell sind wir ein konservativer Staat und es wird noch mehrere Jahre dauern, bis sich das ändert."

Man müsse abwarten, wann die Latinos ihren politischen Einfluss entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil geltend machen. Doch Phil Boas denkt ähnlich wie die Aktivisten von "Promise Arizona": Donald Trump hat diese Entwicklung beschleunigt, unabhängig vom Ausgang der Wahl am 8. November.

Linktipps: Ein langes Porträt über Petra Falcon, die Gründerin von "Promise Arizona", erschien im Juli im New Yorker und beschreibt die jüngsten politischen Debatten in Arizona sehr gut. Welche Reaktionen die Redaktion des Arizona Republic auf ihre Anti-Trump-Wahlempfehlung erhielt, steht in diesem Text.

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