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US-Wahlkampf:Jeder zweite Amerikaner glaubt an "Hexenjagd" gegen Clinton

Das lange Hin und Her in der zähen Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Demokraten wird die Meinung von nur wenigen Amerikanern verändert haben. Einen Tag vor Clintons Anhörung hatte eine Umfrage des Time-Magazins ergeben, dass 52 Prozent der Befragten den Sonderausschuss als parteipolitisch motiviert ansehen, dessen einziges Ziel es sei, Clintons Ruf zu schädigen. Regelmäßig fällt das Wort "Hexenjagd".

Nach 17 Monaten und mehr als 4,5 Millionen Dollar hat das "Benghazi Select Committee" des Repräsentantenhauses zumindest kaum Fakten hervorgebracht, die Hillary Clinton wirklich belasten können. Ob einzelne Republikaner wirklich überzeugt sind, dass die 67-Jährige etwas zu verbergen hat oder ob es eher darum geht, sich vor den heimischen Wählern als unerbittliche Inquisitoren darzustellen, wirkt fast nebensächlich. Die Tatsache, dass Clinton als Chefdiplomatin ihre E-Mails über einen privaten Server versenden ließ und dies mit "Bequemlichkeit" begründete, wird an diesem Tag kaum thematisiert.

Clinton versucht, sich präsidentiell zu geben

Die ehemalige First Lady und Senatorin nutzt hingegen jede Chance, sich kundig und staatstragend zu geben. Es sei doch viel wichtiger, in die Zukunft zu blicken und darauf zu setzen, dass Kongress und Regierung kooperieren. Clinton verweist darauf, dass beide Parteien immer wieder die Sicherheitsbestimmungen angepasst und dafür mehr Geld bereitgestellt hätten - etwa nach 9/11, den Anschlägen auf die US-Botschaft in Beirut während der Reagan-Zeit oder nach den Al-Qaida-Attacken in Kenia und Tansania während der Clinton-Präsidentschaft. Dieser Appell an Überparteilichkeit und Vernunft klingt schon ziemlich präsidentiell.

Momentan spricht alles dafür, dass die Kandidatin Hillary Clinton im Oktober viele Hindernisse überwindet. Erst dominiert sie die TV-Debatte, danach steigt Vizepräsident Joe Biden nicht ins Rennen ums Weiße Haus ein und nun ist diese monatelang erwartete Anhörung glimpflich zu Ende gegangen - fast alle US-Medien sehen die Ex-Außenministerin als "Gewinnerin" des Abends. Auch wenn Widersprüche bleiben und Clinton die Verantwortung in Sachen Bengasi von sich weist und Mitarbeitern ihres Ministeriums gibt, wirken die Republikaner noch viel unglaubwürdiger.

Nach einem mehr als holprigen Sommer scheint dieser Herbst für Clinton ziemlich gut zu verlaufen. Ihrem Ziel, als erste Frau US-Präsidentin zu werden, ist sie auf alle Fälle näher gekommen.

© SZ.de/joku/fued

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