US-Wahlkampf Ex-Minister Powell nennt Trump in geleakten E-Mails "nationale Schande"

Ex-Außenminister Colin Powell: Seine E-Mails wurden geleakt. (Archivbild)

(Foto: AP)
  • Ex-US-Außenminister Colin Powell lästert in E-Mails über die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton.
  • Die Mails wurden von Hackern veröffentlicht, die im Verdacht stehen, im Auftrag des russischen Staates zu arbeiten.
Von Hakan Tanriverdi, New York

Der frühere US-Außenminister Colin Powell hat sich in klaren Worten über die Präsidentschaftsanwärter im US-Wahlkampf geäußert. Öffentlich wurden diese Aussagen, nachdem E-Mails von Powell geleakt worden waren, wie Buzzfeed und The Intercept berichten. Mitarbeiter von Powell haben die Authentizität der E-Mails bestätigt.

Powell nennt den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Donald Trump eine "nationale Schande" und einen "internationalen Außenseiter". Auch Hillary Clinton, Kandidatin der Demokraten und Powells Nachfolgerin im Außenministerium, kommt in den E-Mails nicht gut weg. In einer E-Mail schreibt Powell an einen Geschäftspartner: "Alles, was HRC (Hillary Rodham Clinton; Anm. d. Red.) anfasst, vermasselt sie durch Selbstüberschätzung."

Powell war in den Jahren 2001 bis 2005 Außenminister unter Präsident George W. Bush. Zwischen 1989 und 1993 war er Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs. Powell ist Republikaner, teilte vor Kurzem aber mit, dass er "Probleme mit der Partei habe". Diese stehe deutlich weiter rechts als die restliche Bevölkerung des Landes. Bereits damals kritisierte Powell Donald Trump öffentlich.

Zeitraum der gehackten E-Mails: Juni 2014 bis August 2016

Die E-Mails wurden auf der Webseite DCLeaks.com veröffentlicht. Diese Seite soll in Verbindung mit einem Hacker stehen, der als "Guccifer 2.0" auftritt. Er gibt zwar an, aus Rumänien zu kommen, doch zahlreiche IT-Sicherheitsfirmen vermuten, dass dahinter Hacker stecken, die im Auftrag des russischen Staates handeln.

Besucher der Webseite werden aufgefordert, ein Passwort einzugeben. Anschließend haben sie Zugriff auf E-Mails, die den Zeitraum zwischen Juni 2014 und August 2016 abdecken. Es handelt sich augenscheinlich um sämtliche E-Mails, die Powell in dieser Zeit erhalten und geschrieben hat. Enthalten sind sowohl Einladungen zu Veranstaltungen, die Powell erhielt, als auch Verabredungen zum Essen, die Powell verschickte. Unter diesen E-Mails befinden sich Einschätzungen über die aktuelle Politik sowie die Äußerungen Powells über Trump und Clinton.

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Was Powell über Trump sagt

Aus den E-Mails wird ersichtlich, dass Powell - wie andere führende Republikaner - keinerlei Sympathien für Donald Trump hegt. "Er ist im Begriff, sich selbst zu zerstören. Es gibt keinen Grund für die Demokraten, ihn zu attackieren", steht zum Beispiel in einer E-Mail vom 17. Juni 2015. Trump las damals im Wahlkampf auch die Handynummer eines Rivalen vor (dieser zerstörte daraufhin sein Handy). "Er hat kein Schamgefühl", schrieb Powell daraufhin.

Powell nennt außerdem die Birther-Bewegung rassistisch. "Birther" hatten jahrelang öffentlich angezweifelt, dass Obama in den USA geboren sei, und damit nahegelegt, dass er unrechtmäßig Präsident sei. Trump setzte sich an die Spitze dieser Bewegung.

Powell schreibt außerdem, dass Trump auch aufgrund solcher Aussagen bei der schwarzen Wahlbevölkerung wenig angesehen sei. "Es gibt nichts, das er sagen könnte, um schwarze Wähler zu beeinflussen", heißt es in einer Nachricht.

Was Powell über Clinton sagt

Wiederholt habe Powell die "Lakaien" von Clinton gewarnt, ihn nicht mit in die E-Mail-Affäre zu ziehen. Diese beschäftigt Hillary Clinton seit mehreren Monaten (Details hier) und wird von Trump regelmäßig aufgegriffen, um die Glaubwürdigkeit der Kandidatin in Frage zu stellen.

In einer E-Mail, verschickt im Juli 2016, schreibt Powell: "HRC hätte diese Geschichte vor zwei Jahren beenden können, indem sie ehrlich allen mitteilt, was sie getan hat, anstatt mich mit hineinzuziehen." Im Gespräch mit dem FBI erzählte Clinton, dass sie mit Powell in Kontakt stand. Sie wollte herausfinden, wie dieser seine private Mail-Adresse genutzt hatte. Powell habe sie gewarnt: "Sei sehr vorsichtig."

Auch über den Gesundheitszustand von Hillary Clinton äußert sich Powell in den E-Mails. Seit mehreren Monaten wird nicht nur am rechten Rand darüber gerätselt, wie fit die Präsidentschaftsanwärterin ist (Details hier). In Reaktion auf einen Artikel, der im März 2015 im Wall Street Journal erschien und in dem es unter anderem heißt, dass Clinton in der Vergangenheit Probleme mit ihrer Gesundheit hatte, schrieb Powell: "Ich glaube, da ist etwas dran. Im HD-TV sieht sie nicht gut aus. Sie arbeitet sich zu Tode."

Weder das Wahlkampfteam von Donald Trump noch das von Hillary Clinton äußerten sich bislang über die Aussagen von Powell.