US-Wahlkampf Trump - Der Mann der weißen Männer

Ein euphorischer Unterstützer von Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina.

(Foto: REUTERS)

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat seinen Wahlkampf stark auf eine einzelne Gruppe ausgerichtet - die für einen Wahlsieg aber zu klein sein könnte.

Von Sacha Batthyany

Würden am 8. November nur Männer wählen, wäre das Ergebnis eindeutig: Donald Trump würde ins Weiße Haus einziehen. Der amerikanische Umfrageguru Nate Silver errechnete, dass Trump bei reiner Männerwahl auf rund 350 Wahlmänner käme, Clinton auf 188. Insgesamt werden 538 Wahlmänner vergeben.

Schon in der Vergangenheit neigten Männer dazu, für die Republikaner zu stimmen, während Frauen zu den Demokraten tendieren. In erster Linie hat das mit den Positionen der beiden Parteien zu tun: Krankenversicherung, Waffengesetze, militärische Interventionen - in vielen Fragen zeigt sich der sogenannte Voting-Gender-Gap, ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Schon 2012 führte der Republikaner Mitt Romney gegen Barack Obama bei den Männern mit acht Prozent. Laut Nate Silver wird Trump einen ähnlichen Vorsprung erzielen. Trumps Rückstand auf Clinton bei den Frauen jedoch ist deutlich größer als der von Romney 2012 auf Obama, was nach den Skandalen wegen der sexuellen Übergriffe Trumps wenig erstaunt. Silver kommt zum Schluss: Sollte Trump verlieren, lag es nicht an den Männern - sondern daran, "dass ein Großteil der Frauen gegen ihn gestimmt hat".

Besonders bei Männern über 50 ohne höhere Ausbildung ist Trump beliebt

Trumps stärkste Wählergruppe sind weiße Männer, in Umfragen erzielt er gut 60 Prozent Zustimmung. Noch besser sind seine Werte bei weißen Männern ohne höhere Ausbildung über 50 Jahren - das sind die wahren Trumpster, seine treuesten Fans, die ihm jeden Skandal verzeihen. Trumps Problem ist jedoch, dass weiße Männer im Jahr 2016 nicht mehr so viel Gewicht haben wie noch vor 30 Jahren. Viele Kommentatoren sprechen deshalb vom "Ende des weißen Mannes". Ihr sinkender Einfluss ist statistisch erkennbar: Ronald Reagan gewann 63 Prozent der Stimmen weißer Männer und wurde 1980 Präsident. Mitt Romney aber verlor 2012, obwohl ihn 62 Prozent von ihnen gewählt haben. Nur hat sich in der Zwischenzeit das Gewicht zwischen den Wählergruppen verschoben.

Trump müsste, berechnete die Washington Post, mehr als 70 Prozent der Stimmen weißer Männer holen, um zu gewinnen. Angesichts seiner hohen Negativwerte bei jungen Männern ist das unwahrscheinlich. Trump hat seine Kandidatur zu sehr auf weiße Männer ausgerichtet - mit dieser Strategie aber wird es im Jahr 2016 schwer, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

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