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US-Wahl:Bei Frauen sind Trumps Werte verheerend

Women take part in a protest against Republican presidential candidate Donald Trump in Chicago

Nach den Enthüllungen um Donald Trumps sexistische Äußerungen gehen Frauen vor Trump-Gebäuden in Chicago auf die Straße.

(Foto: REUTERS)
  • Frauen machen die größte Wählergruppe in den USA aus. Traditionell stimmen sie eher für die Demokraten.
  • Den Umfragen zufolge würden derzeit 69 Prozent der amerikanischen Frauen für Hillary Clinton stimmen.
  • Der Wahlkampf des Republikaners Donald Trump war ohnehin auf Männer zugeschnitten.

Von Hubert Wetzel

Wäre die US-Präsidentschaftswahl eine Tombola, die Stimmen der Frauen wären der große Preis. Das liegt daran, dass Frauen die größte Wählergruppe sind, sie machen gut 52 Prozent der Wahlbevölkerung aus.

Die gute Nachricht für die Demokraten und ihre Kandidatin Hillary Clinton - die erste Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei - lautet: Amerikanische Frauen neigen den Demokraten zu, in den vergangenen Wahlen haben sie mit meist klarer Mehrheit für den Kandidaten dieser Partei gestimmt.

Das war besonders im Fall von Barack Obama so, für den 2008 und 2012 jeweils spektakuläre 57 Prozent der Frauen stimmten. Allein dieser Vorsprung machte es für seine republikanischen Rivalen so gut wie unmöglich, genügend Stimmen zu bekommen, um doch noch zu gewinnen.

Trump-Wählerinnen sind ungebildeter und ärmer

Die noch bessere Nachricht für Hillary Clinton lautet: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat sich in den vergangenen Monaten jede Mühe gegeben, um Wählerinnen zu verschrecken. Die Zahlen sind für ihn verheerend - 69 Prozent aller Frauen bevorzugen Clinton. Sollten sie am Wahltag tatsächlich alle für die Demokratin stimmen, wäre Trumps Niederlage besiegelt. Natürlich stimmen nicht alle Frauen gleich ab. Es gibt, wie bei den Männern, erhebliche Unterschiede: Je weniger gebildet und ärmer, desto eher stimmen Frauen für die Republikaner. Gebildete, berufstätige Amerikanerinnen mit gutem Einkommen sind die klassische demokratische Klientel.

Trumps Probleme mit Wählerinnen begannen nicht erst, als das Video auftauchte, auf dem zu hören war, wie er mit sexuellen Übergriffen prahlte. Die Veröffentlichung und seine Unfähigkeit, sich angemessen zu entschuldigen, haben seinen Siegchancen einen schweren Schlag versetzt, weil seine Frauenfeindlichkeit so offenkundig wurde.

Doch schon davor war Trumps Wahlkampf eher auf Männer zugeschnitten: das breitbeinige Auftreten, die rassistischen Bemerkungen, der Sarkasmus - dieses ganze Alphatier-Gehabe kommt bei Frauen weit weniger gut an als bei Männern. Zudem waren Trumps Hauptthemen - Freihandel, illegale Einwanderung, "Ordnung und Recht" - klassische Männerthemen. Für Frauen, das zeigen Umfragen, sind Themen wie Bildung und Gesundheit (auch das Großthema Abtreibung) wichtiger. Über diese Fragen hat Clinton ausführlich gesprochen.

Trump will bezahlten Mutterschutz

Trumps taktische Defizite sind umso erstaunlicher, als seine Wahlkampfmanagerin, die Meinungsforscherin Kellyanne Conway, die führende Expertin für das Wahlverhalten von Frauen ist. Ab und an gab es im Wahlkampf Augenblicke, in denen er auf Conways Ratschläge zu hören schien: etwa als er begann, über die Probleme der Schwarzen zu reden, um gebildeten Frauen zu signalisieren, dass er kein Rassist sei. Am Mittwoch versuchte auch Trumps Frau Melania mit ihrem ersten Soloauftritt im Wahlkampf weibliche Stimmen für ihren Mann zu gewinnen. Bisher hat Trump jedoch alle Versuche, mehr Frauen auf seine Seite zu ziehen, selbst wieder zunichte gemacht.

© SZ vom 04.11.2016/lkr

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