Mark Kelly im Porträt:Einst im Weltraum, jetzt im Senat

Mark Kelly in Tucson

Mark Kelly während des Wahlkampfes in Tucson, Arizona, kurz vor der Wahl.

(Foto: REUTERS)

Der leidgeprüfte Astronaut Mark Kelly landet für die Demokraten nun im US-Senat - wo er ihnen zur Mehrheit, zumindest aber zu mehr Glamour verhelfen soll.

Von Reymer Klüver

Er ist zweifellos einer der Heroen der Nation. Eine der Figuren, die Tom Hanks in einem Film verkörpern könnte. Geradeaus, aufrecht, patriotisch, stets umweht von einem Hauch von Tragik: Mark Kelly, der einstige Astronaut, wird den Bundesstaat Arizona künftig als Senator für die Demokraten im Kongress in Washington vertreten. Er ist einer derjenigen, die seiner Partei in der obersten Kammer des US-Parlaments die Mehrheit zurückbringen sollen - und wenn das nicht klappt, wird er zumindest den politischen Glamourfaktor bei den Demokraten erhöhen.

Kelly, 56, ist den Amerikanern kein Unbekannter. Er gehört der letzten Generation von Astronauten an, die vor dem vorläufigen Ende der amerikanischen Weltraumfahrt noch ins All geflogen sind. Und fast stets standen seine Missionen im Schatten nationaler Tragödien.

Im Dezember 2001 startete Kelly, der als Marineflieger angefangen hatte, als Pilot an Bord der Raumfähre Endeavour zur Spacestation ISS, es war der erste Space-Shuttle-Flug nach den Anschlägen von 9/11, die Amerika ins Mark getroffen hatten. 2006 steuerte er die Raumfähre Discovery als Teil der "Return to flight"-Missions, mit denen die Nasa ihr Raumfahrtprogramm nach dem Verlust der Columbia wieder aufgenommen hatte. Die Raumfähre war 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerborsten, alle sieben Astronauten an Bord kamen ums Leben.

Auf seinem dritten Raumflug 2008 war Kelly bereits Kommandant der Mission an Bord der Discovery, ein Flug, der ohne Komplikationen verlief, wenn man von der Tatsache absieht, dass es eine seiner ersten Aufgaben war, die defekte Toilette an Bord der ISS zu reparieren.

Noch ein viertes Mal flog Kelly drei Jahre später zur Raumstation, aber auch diese Mission war von einem Schicksalsschlag geprägt. Nur wenige Monate zuvor war Kellys zweite Frau, die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, Opfer eines Mordanschlags in Tucson geworden. Sie überlebte nur knapp ihre schwere Kopfverletzung; sechs Menschen starben bei dem Attentat, das einer ihrer Bürgersprechstunden vor einem Supermarkt gegolten hatte.

Es war eine der Gewalttaten, die die gesamte Nation schockierten. Präsident Barack Obama sprach bei der Trauerfeier für die Toten, darunter ein neunjähriges Mädchen, und besuchte Giffords am Krankenbett. Noch schwer gezeichnet war Giffords dann im Mai 2011 dabei, als ihr Mann in Cape Canaveral ins All startete.

Es war Kellys letzte Mission, danach quittierte er den Dienst, blieb der Nasa allerdings verbunden. Denn sein eineiiger Zwillingsbruder Scott war wie er Astronaut; Scott Kelly verbrachte 2015/16 fast ein Jahr an Bord der ISS, anschließend stellten sich beide Brüder für medizinische Vergleichstests zur Verfügung über die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper.

Die Astronauten Mark und Scott Kelly

Die US-Astronauten Mark und Scott Kelly.

(Foto: Robert Markowitz/dpa)

Da hatte Kelly sein politisches Engagement längst begonnen. 2013 gründete er zusammen mit seiner Frau die politische Lobbygruppe "Americans for Responsible Solution", die für schärfere Waffengesetze in den USA, insbesondere für genauere Hintergrund-Checks potenzieller Waffenkäufer warb. Seine Frau hatte zuvor, noch immer gezeichnet von den Folgen des Anschlags, ihr Kongressmandat aufgegeben. Obwohl er betont moderat auftritt und privaten Waffenbesitz nicht grundsätzlich ablehnt, machte sich Kelly damit die aggressive US-Waffenlobby zum Feind.

Anfang 2019 kündigte er an, für den Senat kandidieren zu wollen; bei den Vorwahlen trat ein anderer demokratischer Bewerber gegen den populären Kelly gar nicht erst an. Seine republikanische Kontrahentin Martha Sally war nach dem Rücktritt ihres Vorgängers vom Gouverneur als Senatorin eingesetzt worden. Bei der Wahl am Dienstag aber hatte sie keine Chance. Auch wenn am Mittwochmorgen Ortszeit noch nicht alle Stimmen in Arizona ausgezählt waren, lag Mark Kelly eindeutig vorn.

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