US-Wahl Trumps rechte Hand: etabliert, vernetzt, leidensfähig

  • Donald Trump ernennt Reince Priebus, den bisherigen Parteichef der Republikaner, zu seinem Stabschef.
  • Dies ist als eine Art Friedensangebot an die konservative Partei zu sehen - Trump möchte offenbar mit den Abgeordneten zusammenarbeiten.
  • Der 44-jährige Priebus stammt aus Wisconsin, organisierte den Wahlkampf für seine Partei und stand stets loyal zu Trump.
  • Von Vorteil könnte sein, dass Priebus sich gut mit Paul Ryan, dem Speaker des Repräsentantenhauses, versteht.
Porträt von Matthias Kolb, Washington

Dass Reince Priebus seinen neuen Posten nicht verdient hätte, kann niemand behaupten. Bevor der künftige US-Präsident Donald Trump am Sonntag bekannt gab, dass er den 44-Jährigen zu seinem Stabschef machen werde, hatte der bisherige Vorsitzende der Republikaner monatelang viel Spott über sich ergehen lassen müssen. Ständig musste er Trumps Sprüche, Positionswechsel und Beleidigungen vor den Medien und auch parteiintern erklären und rechtfertigen.

Er habe den "schlimmsten Job in Washington", gab Priebus im Mai bei einem Politico-Event zu (nachzulesen in diesem US-Blog) - kurz zuvor hatte Trump ein Foto vom einem Taco-Bowl getweetet, um den mexikanischstämmigen Amerikanern zum Nationalfeiertag Cinqo de Mayo zu gratulieren. Er telefoniere mehrmals täglich mit dem Kandidaten, erzählte der Jurist damals.

"Wir haben viel Arbeit vor uns, aber wir können siegen", rief er. Priebus behielt recht und am 8. November besiegte Trump Hillary Clinton deutlich, weil er in swing states wie Florida, Ohio und North Carolina vorne lag. Dass Trump in den Industriestaaaten des Rostgürtels, also in Michigan, Pennsylvania und auch Priebus' Heimat Wisconsin triumphierte, freute den Parteichef ungemein.

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Dass künftig Reinhold Richard Priebus als Stabschef den Tagesablauf des 45. US-Präsidenten organisiert, und entscheidet, wer Zugang zu Donald Trump erhält, sorgt in Washington und im Rest der Welt für Erleichterung. Offenbar hatte Trump auch überlegt, seinen Wahlkampfmanager Stephen Bannon zum Büroleiter zu ernennen: Dieser ist zugleich Besitzer der rechten Verschwörungswebsite Breitbart News und damit erklärter Feind vieler Establishment-Republikaner. Bannon übernimmt nun die Position des "Chef-Strategen" und hat als Top-Berater (Senior Counselor) weiter Gewicht - auf die formellen Prozesse hat er aber weniger Einfluss als Stabschef Priebus.

Dessen Kür ist damit eine Art Friedensangebot an die Grand Old Party und Zeichen, dass Trump die Zusammenarbeit sucht - zumindest am Anfang. Für dieses Ziel ist Priebus ideal: In seiner knapp sechsjährigen Amtszeit als Chef des Republican National Committee (RNC) hat der Vater zweier Kinder enge Kontakte zu allen wichtigen Politikern aufgebaut und bewiesen, dass er ein harter Arbeiter und extrem leidensfähig ist. Dank seiner freundlichen Art ist er auch bei Demokraten nicht unbeliebt.

Ein konventioneller Politiker - im besten Sinne

Er kennt die Regeln des Politbetriebs bestens und hat bewiesen, dass er vermitteln und für Kompromisse sorgen kann, was ihn jedoch bei manchen Hardlinern (und Lesern von Breitbart News) verdächtig macht. Da beide aus Wisconsin kommen, versteht sich Priebus sehr gut mit Paul Ryan, dem alten und wohl neuen Speaker des Repräsentantenhauses. Sie teilen unter anderem eine fanatische Liebe für das Football-Team Green Bay Packers.

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Ryan hatte sich allerdings geweigert, für Trump Wahlkampf zu machen - und es dürfte zur wichtigsten Aufgabe von Priebus gehören, dafür zu sorgen, dass die zwei mächtigsten Republikaner gut zusammenarbeiten.

Üblicherweise ist der Chief of Staff der engste Berater und einer der wichtigsten Vertrauten des US-Präsidenten - inwieweit Donald Trump Priebus' Empfehlungen vertraut oder womöglich stärker auf Tochter Ivanka, Schwiegersohn Jared Kushner oder etwa New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giulani hören wird, bleibt abzuwarten. Welche Rolle Stephen Bannon als "Chefstratege" spielen wird, ist ebenso offen: Insider berichten, dass es dem Ex-Banker Bannon während der Wahlkampagne öfter als Priebus gelungen sei, Trump von seinen Ideen zu überzeugen.

Architekt des erfolgreichen Republikaner-Wahlkampfs

Zurzeit genießt Priebus das Vertrauen des President-Elect. "Ich habe keine einzige schlechte Erfahrung mit ihm gemacht", sagte Trump in seiner Siegesrede und nannte Priebus einen "Superstar". Abgesehen von einem harschen Statement nach dem Pussygate-Video ("Keine Frau sollte jemals auf eine solche Art beschrieben werden. Niemand sollte so über eine Frau reden. Niemals."), stand der 44-Jährige stets loyal zum Kandidaten seiner Partei. Im privaten Umgang, so Priebus, sei Trump "freundlich und gütig".

Priebus war nach der Niederlage von Mitt Romney 2012 mitverantwortlich, die im "Autopsiebericht" vorgeschlagenen Reformen umzusetzen. Wegen des Erfolgs von Trumps populistischen Tönen gelang es nicht, einen versöhnlicheren Ton gegenüber Latinos und Millennials einzuschlagen - aber Priebus sorgte dafür, dass die konservative Partei sehr viele Spenden einwarb und viele Millionen in Datenbanken und -analyse investierte. Er war auch dafür verantwortlich, dass in den Bundesstaaten genügend Wahlkampfbüros eröffnet und Mitarbeiter angestellt wurden. Was bei den Demokraten das Clinton-Team erledigte, machten Priebus und das RNC für den Polit-Neuling Trump - und das mit durchschlagendem Erfolg (Details in diesem Text von Politico).

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Als neuer Stabschef entscheidet Priebus nun mit, welche Männer und Frauen Donald Trump in sein Kabinett holt (mehr über die Personalgerüchte hier). Sein ohnehin großes Arbeitspensum dürfte nicht nachlassen, so dass der passionierte Klavierspieler wohl wenig Zeit für sein Hobby finden wird. Kaum ein Job ist in der US-Politik anstrengender als jener des Chief of Staff, bei dem sich alle Probleme, Beschwerden und Begehrlichkeiten sammeln. Dass er nicht zu Panik neigt und meist optimistisch durchs Leben geht, wird Reince Priebus auch im neuen Job helfen.

Zu Selbstironie und gutem Humor ist er auch in der Lage: Als er während des chaotischen Vorwahlkampfs auf seine Stimmung angesprochen wurde, sagte er schlicht: "Mein Frust ist noch nicht so groß, dass ich mir Baileys in meine Cornflakes kippen muss." Ob er den Likör auch in seiner neuen Funktion nicht braucht, ist eine von vielen offenen Fragen.

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