US-Wahl Trumps Mann fürs Radikale

Stephen Bannon bereitete im Hintergrund Trumps Wahlsieg den Boden. Nun wird der Ultrakonservative zum Top-Berater im Weißen Haus.

(Foto: AP)

Stephen Bannon gilt als rechter Hetzer und Vater von Trumps Wahlerfolg. Nun avanciert der konservative Hardliner zu einem der wichtigsten Berater des mächtigsten Mannes der Welt.

Porträt von Sebastian Jannasch

Der Ruf, der Stephen Bannon vorauseilt, ist wenig schmeichelhaft. Ehemalige Mitarbeiter bezeichnen ihn wahlweise als schikanierenden Egomanen oder konservativen Flammenwerfer. Die Washington Post sieht ihn als Aufrührer der Rechten, für Demokraten verkörpert er das hässliche, rassistische Amerika. Der künftige US-Präsident Donald Trump betrachtet Steven Bannon dagegen als "hoch qualifizierte Führungskraft". Dies ließ Trump mitteilen, als er ankündigte, seinen bisherigen Wahlkampfmanager Bannon ins Weiße Haus zu holen.

Aus dem Berufsprovokateur und rechten Propagandisten gegen das Washingtoner Establishment wird der neue Chefstratege und ranghohe Top-Beamte des nächsten US-Präsidenten. Im künftigen Machtzentrum wird Trumps Wahlkampfleiter zu einem der wichtigsten Berater.

Zunächst wurde gemunkelt, der 62-jährige ehemalige Marineoffizier, Banker und Filmproduzent könne die noch prestigeträchtigere Funktion als Trumps Stabschef im Weißen Haus bekommen. Der Chief of Staff organisiert den Kalender des US-Präsidenten, kontrolliert den Zugang zu ihm und wacht somit über dessen Agenda. Doch als Geste des guten Willens gegenüber seiner Partei übergab Trump die zentrale Position dem Parteivorsitzenden der Republikaner, Reince Priebus. Somit legte er das tägliche Regierungsgeschäft in die Hände eines erfahrenen Politprofis, der in Washington bestens vernetzt ist, während Bannon die erzkonservative Wählerschaft bedient.

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Kritiker sehen mit Bannon einen Rassisten ins Weiße Haus einziehen

Eine Entwarnung für Liberale bedeutet das freilich nicht. Trumps Team betonte, dass Stabschef Priebus und Chefstratege Bannon auf Augenhöhe agieren sollen. Die Demokraten sind entsetzt über Trumps Personalentscheidung. "Es ist leicht zu verstehen, warum der Ku-Klux-Klan Trump als seinen Helden ansieht, wenn Trump einen der führenden Vertreter von Ideologien weißer Überlegenheit und Rhetorik zu seinem Top-Berater ernennt", kritisierte der Minority Leader der Demokraten im Senat, Harry Reid.

Aber nicht nur Demokraten ist unwohl bei dem Gedanken, dass künftig ein konservativer Provokateur die Pläne des mächtigsten Politikers der Welt mit entwirft. John Weaver, Stratege des republikanischen Ex-Präsidentschaftsbewerbers John Kasich, twitterte als Reaktion auf Bannons Ernennung: "Die rassistische, faschistische, extremistische Rechte ist nur ein paar Schritte vom Oval Office entfernt repräsentiert. Sei sehr wachsam, Amerika."

Denn während Trump selbst nicht als rechter Dogmatiker gilt, verfolgt Bannon eine radikalkonservative Agenda. Als Chef der rechten Nachrichtenplattplattform Breitbart News machte er sich in den vergangenen Jahren zum Sprachrohr der nationalen Rechten, verantwortete Hetze gegen Multikulti, die Emanzipation von Frauen und das Establishment in Washington. Nachdem ein weißer Mann im Juni 2015 aus Hass neun Schwarze in einer Kirche in Charleston erschossen hatte, veröffentlichte das Portal einen Artikel mit dem Titel "Lasst sie hoch und stolz wehen: Die Konföderierten-Flagge verkündet ein glorreiches Erbe".

Der Gründer von Breitbart News soll Bannon einmal bewundernd mit Leni Riefenstahl verglichen haben. Zur Freude der Tea-Party-Bewegung schloss Bannons harsche Kritik die Führungskräfte der Republikaner ein.

Skandale konnten ihm nichts anhaben

Besonders abgesehen hatte es Bannon auf den Speaker des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Mit diesem muss Trump in Zukunft aber eng zusammenarbeiten, will er seine Gesetzesvorhaben durchs Parlament bringen.

Ähnlich wie seinem Chef Trump konnten Bannon seine zahlreichen Skandale in der Vergangenheit wenig anhaben. Die New York Times berichtete von Ermittlungen wegen häuslicher Gewalt in den 1990ern. Auch gegen das Wahlgesetz in Florida soll Bannon verstoßen haben.

Bannons Exfrau wirft ihm außerdem vor, sich antisemitisch geäußert zu haben. Vor fast zehn Jahren soll es darum gegangen sein, ob sie ihre Zwillingstöchter auf eine Eliteschule in Los Angeles schicken. Bannon sei dagegen gewesen, weil er nicht wollte, dass die Mädchen mit Juden zur Schule gehen, soll seine Exfrau Gerichtsunterlagen aus dem Jahr 2007 zufolge ausgesagt haben. Bannon widerspricht dem.

Bannon ist Kopf von Trumps Wahlerfolg

Die Vorwürfe kümmern Trump wenig. Mit der Beförderung von Bannon erkennt Trump Bannons Anteil daran an, dass er überhaupt ins Weiße Haus eingezogen ist. Erst Mitte August stieß Bannon als Wahlkampfchef in Trumps innersten Zirkel vor, nachdem Trump sein Führungsteam ausgetauscht hatte.

Bannon verschärfte den Ton und richtete die Kampagne stärker auf Abgrenzung gegen das Washingtoner Establishment aus. Er gilt deshalb als Kopf von Trumps Wahlerfolg.

Doch so streng konservativ war der im Bundesstaat Virginia geborene Bannon nicht immer. Dem Medienunternehmen Bloomberg sagte er vergangenes Jahr: "Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie, irisch-katholisch, pro Kennedy, pro Gewerkschaften, eine Familie von Demokraten." Doch der frühere demokratische US-Präsident Jimmy Carter habe ihn während seiner Militärzeit tief enttäuscht. Bannon war zum Zeitpunkt der Geiselnahme amerikanischer Diplomaten in Teheran 1979 im Persischen Golf stationiert und wirft dem damaligen Oberbefehlshaber vor, versagt zu haben. Gegen die etablierte Politiker-Kaste aufgebracht habe ihn ebenso George W. Bush, der im Vorlauf zur Finanzkrise 2008 auch fundamental versagt habe. Nur den Polit-Außenseiter, Schauspieler und späteren Präsidenten Ronald Reagan verehrt Bannon.

Vom Karriere-Banker zum ultrakonservativen Provokateur

Bannons früher Lebensweg ließ seine gegen das Establishment gerichtete konservative Revolte noch nicht erahnen. Nach seinem Militärdienst bei der Navy machte der Absolvent der Harvard Business School als Investmentbanker bei Goldman Sachs Karriere. Später wurde Bannon zum Medienunternehmer, sicherte sich Anteile an der Sitcom "Seinfeld" und verdiente mit den Lizenzgebühren offenbar ein Vermögen. Er produzierte Filme, die sich der Ikone der Konservativen und ehemaligen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, der Tea-Party-Bewegung und Ronald Reagan widmeten.

Die Nachrichtenplattform Breitbart wird Bannon bei seinem Kurs weiter treu unterstützen. Sie kündigte vor einigen Tagen an, nach Büros in Washington und London auch Niederlassungen in Frankreich und Deutschland zu eröffnen. Für Steve Bannon, ihren früheren Chef, ist die Ernennung zu Trumps Chefstrategen die Chance, seine konservative Revolution umzusetzen.

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