US-Wahl Trump und Clinton - zwei wandelnde Interessenkonflikte

Donald Trump und Hillary Clinton ziehen beide Zweifel auf sich, was ihre politische Unabhängigkeit angeht

(Foto: Reuters/dpa)
  • Donald Trumps internationales Firmenkonglomerat macht Interessenkonflikte während seiner möglichen Präsidentschaft fast unvermeidbar.
  • Das Gebaren der Clinton-Familienstiftung wirft ebenfalls Fragen auf.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Wohlstandstoleranz gilt in den USA als höchste Bürgerpflicht, doch natürlich wollen die Wähler trotzdem wissen, ob es beim Reichtum ihrer Präsidentschaftsanwärter mit rechten Dingen zugeht - und ob es finanzielle Abhängigkeiten der Kandidaten gibt.

Donald Trump bezeichnet sein Vermögen gerne als "gewaltig" und zieht es als Beweis für seine Eignung als Präsident heran. Doch das Geflecht aus 515 Firmen, von denen 268 seinen Nachnamen tragen, wirft Fragen auf.

Entscheidend ist nicht, ob der Republikaner nun zehn, viereinhalb oder eine Milliarde US-Dollar Vermögen besitzt. Vielmehr geht es darum, mögliche Interessenkonflikte offenzulegen. Die Unterlagen für die Kandidaten-Registrierung sind nicht für komplexe Vermögensverhältnisse gemacht - hohe Summen müssen häufig schlicht mit "50 Millionen Dollar oder mehr" angegeben werden.

Schulden und Interessenkonflikte

So hat die New York Times jüngst herausgefunden, dass die Schulden von Trumps Firmen mit 650 Millionen US-Dollar etwa doppelt so hoch sind wie im Formular angegeben. Das liegt auch daran, dass das Immobilien-Geschäft komplex ist und über Beteiligungen und Kreditfinanzierung funktioniert, für die nicht immer Trumps Firmen alleine garantieren müssen - oder gar er als Privatperson. "Ich liebe Schulden", sagt Trump gerne, meint damit aber wahrscheinlich nicht die sechs Insolvenzen, die seine Firmen - bedingt vor allem durch Krisen im Casino-Geschäft - anmelden mussten.

Die geliebten Schulden bringen allerdings auch mögliche Abhängigkeiten für einen künftigen Präsidenten mit sich. So gehören beispielsweise Goldman Sachs, Deutsche Bank oder die staatliche Bank of China zu Trumps Kreditgebern. Hier könnte auch eine teilweise Offenlegung von Trumps Steuerunterlagen ein klareres Bild geben. Dies lehnt Trump jedoch ab.

Donald Trump Trumps Firmen haben einen Schuldenberg von 650 Millionen Dollar
"New York Times"

Trumps Firmen haben einen Schuldenberg von 650 Millionen Dollar

Rätselumwobene Geschäfte und Geld vom Erzfeind: Firmen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haben laut einem Bericht mehr als das Doppelte der Schulden, die sein Team bislang eingestanden hatte.

Auch die Frage, was mit dem Trump-Imperium im Falle eines Wahlsiegs geschehen würde, ist durchaus brisant: Präsidenten müssen Wertanlagen nicht veräußern, sondern nur offenlegen. Das Trump'sche Vermögen ist allerdings kein Aktien- oder Immobilienbesitz, der einfach in einen Treuhand-Fonds überführt werden könnte, sondern besteht aus international agierenden Firmen mit globalem Eigentum und Interessen.

Was wird aus dem Trump-Imperium?

Der Kandidat hat angekündigt, das Geschäft seinen ohnehin bereits operativ agierenden Kindern zu übergeben, doch dürften die schwerlich als unabhängige Treuhänder gelten. Mögliche Konflikte bleiben: Wären er und seine Familie als Betreiber von fünf Hotels in Indien befangen, wenn es zu einer bilateralen Krise zwischen den Ländern käme? Anders als ein Abgeordneter oder Senator kann ein Präsident sich nicht ohne Weiteres einer Entscheidung enthalten.

Dass die Demokraten diese Konflikte bislang nur am Rande instrumentalisieren, liegt daran, dass Hillary Clinton selbst kein leuchtendes Gegenbeispiel liefert.