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US-Wahl:Was Clinton und Trump aneinander schätzen

Immerhin wird es danach etwas besser. Der "Er lügt, sie lügt"-Dialog zieht sich zwar durch den ganzen Abend, wird aber etwas ruhiger geführt.

Irritierend ist, wenn Trump sich während Clintons Redezeit manchmal hinter der ehemaligen First Lady aufbaut. Skandalös ist, wenn der Präsidentschaftskandidat erklärt, dass er "natürlich" wegen seiner aufgetauchten Abschreibungstricks von 1995 später keine Einkommensteuer nach Washington überwiesen habe (Schuld daran: Hillary Clinton, die als Senatorin nichts dagegen unternommen habe).

Clinton wiederum kann nicht anders, als Trump seine Unwahrheiten vorzuwerfen - hat aber selber Probleme, Aussagen wie "man braucht eine öffentliche und eine private Meinung" zu erklären.

Trump wirkt auf einige Fragen besser vorbereitet als sonst (nicht, dass die Erwartungen hoch waren), bei den meisten wechselt er einfach das Thema, bis ihn die ausgezeichnete Moderatorin Martha Raddatz an die Frage erinnert. Worauf er wieder beginnt, irgendetwas zu erzählen, was manchmal logisch, häufig aber undurchdacht klingt. "Ich kenne Russland nicht", sagt er einmal zu den Hackerangriffen von dort, "also ich kenne Russland, weiß aber nicht, wie es funktioniert". Wie immer ringt der TV-Star mit der Realität, wie immer gewinnt er und hinterlässt niedergewalzte Fakten.

"Enormer Hass in ihrem Herzen"

Der Republikaner profitiert einzig davon, dass Hillary Clinton an diesem Tag weder die menschlichen Botschaften aus der ersten Debatte unterbringt, noch Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit beseitigen kann. Trump wiederum muss sich fragen, wer ihn jenseits seiner Basis für kindische Übertreibungen wie die Behauptung, Clinton habe "enormen Hass in ihrem Herzen" wählen wird.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob Trump jenseits der Hardcore-Republikaner noch Wähler finden wird. Auch wenn die Debatte über Sachpolitik an diesem Abend quasi nicht stattfand, ist Hillary Clinton hier weiterhin ohne Gegenkandidaten. Doch das muss nicht das Kriterium sein, das am 8. November entscheidet.

Immerhin: Am Ende fragt ein Wähler, was die beiden aneinander schätzen. "Seine Kinder", antwortet Clinton. "Sie ist eine Kämpferin und steht immer wieder auf", sagt Trump über Clinton. Beide schütteln sich die Hand. Es ist das beinahe schockierend harmlose Ende eines unbarmherzigen Abends.

US-Wahl Umfragen sehen Clinton als Gewinnerin des TV-Duells

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Was aber entscheidender sein könnte: Trump schneidet bei dem harten Schlagabtausch deutlich besser ab als erwartet. Alles Wichtige live im SZ-Blog.   Von Matthias Kolb, St. Louis, Johannes Kuhn, New Orleans, Benedikt Peters und Sebastian Gierke