bedeckt München 21°
vgwortpixel

US-Wahl: Tea Party:Die Macht der Angst

Die Geldgeschenke dieser Superreichen verblassen neben der Zuwendung, die Medienmogul Rupert Murdoch (auf Platz 38 auf der amerikanischen Milliardärsliste) der Tea Party zukommen lässt. Er spendet nicht nur Millionen - die Sender und Zeitungen seiner Mediengruppe News Corporation gönnen den rechten Aktivisten und ihren Kandidaten so viel Aufmerksamkeit, dass es mit Geld kaum zu bezahlen wäre.

Christine O'Donnell

Christine O'Donnell will für die Tea Party Senatorin von Delaware werden.

(Foto: AP)

Besonders der Krawallsender Fox News bewirbt schamlos die Vorzüge von Tea-Party-Kandidaten und katapultiert sie mit Hilfe des Wall Street Journal, ebenfalls ein Murdoch-Blatt, ins Zentrum des nationalen Interesses.

Christine O'Donnell zum Beispiel ist in diesen Zirkeln ein Star. Die Kronprinzessin der Tea Party - Sarah Palins Wahlempfehlung brachte sie in die Medien - möchte Senatorin des US-Staates Delaware werden. Ihren skurrilen Überzeugungen zufolge ist Pornos schauen mit Ehebruch gleichzusetzen und Masturbation eine Sünde.

In ihrer eigenen Biographie blickt O'Donnell nicht durch und lügt über den Besuch von Elite-Universitäten (hat sie nicht) und Hexenzirkeln (hat sie doch). Auch hatte die Kandidatin weder ihre Studiengebühren noch ihre Hypothek regelmäßig bezahlt. Zu Protestlern, auf deren Plakaten Obama mit Hitlerbärtchen zu sehen ist, passt so eine Kandidatin hervorragend. Zu denen, die sich in Umfragen als Tea-Party-Anhänger bezeichnen, passt sie eigentlich nicht.

Einer repräsentativen Umfrage der New York Times zufolge ist der durchschnittliche Sympathisant der Organisation weiß, männlich, älter als 45 Jahre alt und charakterisiert sich selbst als "rechts" oder "konservativ" - außerdem als "wütend". So weit nicht überraschend.

Weitere Erkenntnisse der Umfrage sind jedoch, dass es den Tea-Party-Anhängern insgesamt ziemlich gut geht. Sie sind gebildeter und wohlhabender als der amerikanische Durchschnitt, halten sich für finanziell abgesichert und bezeichnen sogar ihre Steuerlast als angemessen. Auch hält die Mehrheit von ihnen Sarah Palin als Präsidentin für ungeeignet.

Besonders hohen Leidensdruck können diese Menschen nicht haben. Trotzdem treibt die Angst sie auf die Straße. Die weiße Mittelschicht fürchtet sich vor Überfremdung und davor, den eigenen Wohlstand an die "anderen" zu verlieren. Wer die anderen sind, bleibt zwar im Vagen - doch der latente Rassismus der Tea-Party-Anhänger zeigt sich in politischen Forderungen wie der, Kindern von Einwanderern keine amerikanischen Pässe mehr auszustellen. Auch das Gerücht, der schwarze Präsident sei kein gebürtiger Amerikaner und außerdem Muslim, hält sich in diesen Kreisen hartnäckig.

Kandidatin O'Donnell, die Schulden hat, keinen Job behält und öffentlich Unwahres erzählt, ist hier das "populistische Feigenblatt - um den Coup der Milliardäre als Aufstand des Volkes zu tarnen" (New York Times). Finanziert von den Superreichen und unterstützt von der bürgerlichen Mittelschicht will die Tea Party die USA schützen vor den Armen und den anderen.

Mit einer Graswurzelbewegung der kleinen Leute hat das wenig zu tun.

Proteste gegen Obama

"Heil to the Chief"