US-Wahl:Steinmeier nennt Trump "Hassprediger"

Lesezeit: 1 min

US-Wahl: Außenminister Steinmeier warnt vor dem "Ungeheuer des Nationalismus".

Außenminister Steinmeier warnt vor dem "Ungeheuer des Nationalismus".

(Foto: AP)

Der Außenminister sagt, er schaue mit Sorge auf das "Ungeheuer des Nationalismus". Er ist der zweite westliche Politiker, der binnen weniger Tage in den US-Wahlkampf eingreift.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat den republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump öffentlich kritisiert. Bei einem Auftritt in Rostock bezeichnete er ihn als "Hassprediger".

Weiter sagte der SPD-Politiker, er schaue mit großer Sorge auf das "Ungeheuer des Nationalismus", das sich weltweit ausbreite. Trump, die Verantwortlichen des Brexit und die AfD verbinde, dass sie mit den Ängsten der Menschen Politik machten. Dies sei ein "Brandsatz für die Gesellschaft".

Steinmeier ist nun der zweite hochrangige westliche Politiker, der Trump binnen weniger Tage kritisiert. Am Dienstag hatte der französische Präsident François Hollande vor Pressevertretern gesagt, Trumps "Exzesse" verursachten bei ihm ein "Gefühl von Übelkeit". Er bezog sich ausdrücklich auf den jüngsten Skandal, den der republikanische Kandidat mit Beleidigungen der Familie eines getöteten muslimischen US-Soldaten ausgelöst hatte.

Im April übte Steinmeier schon einmal Kritik an Trump - aber nur versteckt

Hollande empfahl indirekt die Wahl von Trumps demokratischer Konkurrentin Hillary Clinton. In diesen Tagen stehe die Demokratie angesichts einer "autoritären Versuchung, die gerade entsteht" infrage. Dies sei auch in den USA zu beobachten. "Wenn die Amerikaner Trump wählen, wird das Konsequenzen haben, denn die US-Wahl ist auch eine globale Wahl."

Eigentlich ist es unüblich, dass hochrangige Regierungsvertreter direkt mit derart deutlichen Äußerungen in den Wahlkampf anderer Länder eingreifen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich etwa bisher zurückgehalten. Als sie vergangene Woche ein Journalist fragte, ob sie schon einmal aus einem Albtraum aufgewacht sei, in dem Donald Trump vorgekommen sei, antwortete sie schlicht: "Nein."

Außenminister Steinmeier ist bisher lediglich einmal mit Kritik an Trump aufgefallen, und diese war eher verhalten. Im April, nachdem Trump eine Grundsatzrede zur Außenpolitik gehalten hatte, sagte Steinmeier: "Ich kann nur hoffen, dass der Wahlkampf in den USA nicht an der Wahrnehmung der Realitäten vorbei geht." Das ließ sich als Kritik verstehen, dass Trumps außenpolitische Botschaften wirklichkeitsfremd sind. Aber eben nur als versteckte Kritik.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema