US-Wahl Hort der Bleichgesichter

Für diesen Kurs gibt es viele Gründe. Und einen Verdacht: Die Partei von Abraham Lincoln und Ronald Reagan ist ein Hort der Weißen. Neun von zehn Wählern in den republikanischen Vorwahlen waren Bleichgesichter. Das vielfältige, das bunte Amerika - die Minderheiten von Afroamerikanern, Latinos und Asiaten - findet sich bei den Demokraten. Auch die Republikaner kennen die demografischen Trends. Sie wissen, dass die weiße Mehrheit zur Mitte des Jahrhunderts nur noch die größte Minderheit im Land sein wird.

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Dialog mit leeren Sitzmöbeln

Aber sie reagieren mit Abwehrreflexen, mit Rufen nach verschärften Gesetzen gegen illegale Einwanderer, mit Argwohn gegenüber Sozialausgaben, die vorrangig an dunklerhäutige Mitbürgern fließen. Zwar buhlt Romney um die Stimmen von Latinos, aber vielerorts haben seine Parteifreunde Wahlgesetze durchgeboxt, die Hunderttausenden schwarzen oder braunen Wählern den Gang zu Urne versperren. So wirkt der republikanische Wahlkampf 2012 bisweilen wie die letzte Schlacht des weißen Mannes.

Nein, Mitt Romney ist ein schwacher Kandidat. Als stärkstes Argument bleibt ihm nur dies: Dass Amtsinhaber Obama nach knapp vier Jahren im Weißen Haus allein verantwortlich sei für Amerikas Krise, für Massenarbeitslosigkeit und Niedergang. Umfragen bedeuten, dass Romney aufholt, es wird knapp am 6. November. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis dahin die Wirtschaft anzieht und sich die Stimmung für Obama aufhellt, ist allemal geringer als Romneys Chance, mit millionenteurem Werbeaufwand seine mattes Image nachzupolieren.

Auch Obama schwächelt

Und auch Barack Obama schwächelt ja. Der Amtsinhaber hat längst die Aura des Helden und Erneuerers verloren. Er ist ergraut und ermattet von fast vier Jahren solider Realpolitik. Er hat Historisches geleistet wie die Gesundheitsreform. Aber viele seiner Vorhaben scheiterten jämmerlich im Parteienkrieg von Washingtons Kongress. Seinen Anspruch von 2008 jedenfalls, er wolle - wie einst Reagan - die Nation den Sternen entgegen "auf eine neue Flugbahn" heben, hat er verfehlt. Er ist kein großer Präsident, auch jetzt nicht, da er dank Romney weniger klein wirkt.

Im Wahlkampf wirbt Obama vernünftig für sozialen Ausgleich, für eine Modernisierung des Landes. Der Rest ist so wahr wie fade: dass der Wandel eben vier weitere Jahre bräuchte. Das ist zu lau, um die Anhänger zur Wahl zu locken. Obama muss beim Parteitag der Demokraten nächste Woche eine neue, mitreißende Botschaft finden. Die Formel, dass Romney schlechter wäre fürs Land, stimmt. Aber falls Obama nicht mehr einfällt, wird genau das Wirklichkeit werden.