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US-Wahl:Russische Hacker greifen US-Netze an

Ein Wahlhelfer nimmt bereits eingesandte Briefwahlunterlagen aus einer Zählmaschine. In vielen US-Bundesstaaten hat die Abstimmung über den neuen Präsidenten bereits begonnen - und womöglich auch die Versuche aus dem Ausland, deren Ausgang zu beeinflussen.

(Foto: Elaine Thompson/AP)

Die US-Geheimdienste beobachten seit September Attacken auf Regierungscomputer in den Bundesstaaten und den Kommunen. Sie vermuten, dass das Ziel sei, Einfluss auf die Präsidentenwahl zu nehmen - oder die politische Auseinandersetzung danach.

Von Paul-Anton Krüger

Russische Hacker haben in einer breit angelegten Attacke seit September versucht, mit Blick auf die bevorstehende Präsidentenwahl in Computer und Netzwerke amerikanischer Behörden einzudringen. Wie die Bundespolizei FBI und die zum Ministerium für Heimatschutz gehörende Agentur für Cyber-sicherheit (Cisa) in der Nacht zum Freitag mitteilten, richteten sich Dutzende Attacken gegen Regierungseinrichtungen in Bundesstaaten und Kommunen sowie Netzwerke in der Luftfahrtindustrie.

Ausgegangen seien sie von "staatlich unterstützten" Gruppen, namentlich einer Hackertruppe, die als Berserk Bear oder auch Dragonfly 2.0 bekannt ist. Diese Hacker stehen nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz auch hinter einer Attacke auf die Netzwerke deutscher Energiekonzerne und Stromnetzbetreiber und sollen in den USA ähnliche Angriffe verübt haben.

Der Kreml weist die Vorwürfe als "grundlos" zurück

Im Laufe des Oktobers sei es der Gruppe gelungen, in eine nicht genauer angegebene Zahl von Netzwerken einzudringen und in mindestens zwei Fällen Daten zu stehlen. Welche Netzwerke betroffen sind und wo Daten entwendet wurden, teilten die Behörden nicht mit. Das FBI sprach von einem "strahlenden Schlaglicht auf das schändliche Verhalten Russlands". Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow wies die Vorwürfe als "absolut grundlos" zurück. Russland leugnet regelmäßig, dass die Hacker in staatlichem Auftrag arbeiten oder dass seine Geheimdienste versuchen, Wahlen im Ausland zu beeinflussen.

Allerdings stellt die neue Warnung auch die Darstellung der Regierung von US-Präsident Donald Trump vom Vortag infrage, als der Nationale Geheimdienstdirektor John Ratcliffe und FBI-Chef Christopher Wray vor allem vor Einflussnahme durch Iran gewarnt hatten. Hacker aus der Islamischen Republik sollen hinter Droh-E-Mails an als Demokraten registrierte Wähler stehen. Diese kamen vorgeblich von der rechtsradikalen Gruppe Proud Boys und forderten dazu auf, Trump zu wählen. Das Ziel, so die Behörden, sei aber gewesen, dem Präsidenten zu schaden und Widerstand gegen ihn zu inspirieren.

Ziel der Attacke sollen für die Wahl relevante Systeme sein

Die US-Geheimdienste haben noch kein klares Bild davon, was die russischen Hacker genau planen. Allerdings rechnen sie damit, dass sie kurz vor der Wahl am 3. November noch versuchen könnten, deren Ausgang zu beeinflussen, oder nach der Wahl Menschen in den USA aufzuwiegeln, vor allem wenn es zu einem knappen Ausgang kommt und zu einem Szenario, in dem Trump sich ohne ein klares offizielles Ergebnis zum Sieger erklärt.

Die New York Times berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsmitarbeiter, Ziel der Angriffe seien für die Wahl relevante Systeme gewesen. In einigen Bundesstaaten kommen Wahlmaschinen zum Einsatz, zudem gibt es etwa Systeme, die für die Auszählung genutzt werden oder Datenbanken für Wählerverzeichnisse, die festlegen, wer zur Stimmabgabe berechtigt ist. Diese haben in den USA größere Bedeutung als etwa in Deutschland, wo die Verzeichnisse aus Daten der Einwohnermeldeämter erstellt werden. Denn in einigen Bundesstaaten müssen sich Bürger aktiv in die Wählerlisten eintragen lassen, um abstimmungsberechtigt zu sein. Direktor Christopher Krebs stellte aber klar, Computer zur Abgabe oder Auszählung von Stimmen seien nicht betroffen gewesen.

Die Abstimmung ist in vielen Bundesstaaten bereits im Gang

Die US-Behörden haben bislang keine Hinweise darauf, dass die russischen Hacker Auszählungen oder die Informationen in Wählerverzeichnissen manipuliert hätten. In den meisten Bundesstaaten können die Wähler seit Wochen bereits ihre Stimmzettel in speziellen Wahllokalen abgeben oder per Briefwahl abstimmen.

Die iranischen Hacker dagegen hatten offenbar öffentlich zugängliche Informationen aus Wählerverzeichnissen mit von Kriminellen im Internet angebotenen Datenbanken verknüpft und diese genutzt, um Hunderten potenziellen Wählern in mindestens zwei Bundesstaaten E-Mails zu schicken.

Die US-Geheimdienste waren nach der Wahl im Jahr 2016 zu der Einschätzung gelangt, dass Russland versucht hatte, den Ausgang zugunsten von Trump zu beeinflussen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv berichtet, haben Trump und sein Geheimdienstdirektor Ratcliffe versucht, ein als geheim eingestuftes Dokument freigeben zu lassen, das dieser Einschätzung widerspricht. Der Auslandsgeheimdienst CIA und die für die Überwachung von Kommunikation zuständige NSA versuchten, dies zu verhindern, weil eine Freigabe die nationale Sicherheit gefährden und Quellen sowie Methoden der Geheimdienste offenlegen würde.

© SZ

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