US-Wahl Paul Ryan - wertkonservativer Trumpverächter

Mächtiger US-Republikaner auf der Flucht vor Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Nach langem Hin und Her zieht der mächtige US-Republikaner die Notbremse und distanziert sich von Trump - der reagiert mit einem seiner berüchtigten Tweets.

Porträt von Sacha Batthyany

Zehn Monate schon dauert der Schlingerkurs des Paul Ryan. Mal ging der Sprecher des Abgeordnetenhauses zu Donald Trump auf Distanz, mal war er sich sicher, dass die Republikaner nur mit Trump eine Chance hätten. Zwei Tage nach der Veröffentlichung des Videos, in dem Donald Trump davon spricht, Frauen an die Genitalien zu fassen, hat Ryan nun die Bremse gezogen. Er ließ verkünden, sich nicht mehr an Trumps Präsidentschaftskampagne beteiligen zu wollen. Die Worte im Video hätten ihn "angeekelt".

Ryan sagte, er wolle sich stattdessen darauf konzentrieren, die republikanische Mehrheit im Kongress zu sichern. Sollte die Demokratin Hillary Clinton Präsidentin werden, dürfe nicht auch das Parlament an ihre Partei fallen, soll Ryan in einem Telefongespräch mit führenden Republikanern erklärt haben. Andernfalls erhielte sie einen "Blankoscheck".

Die Reaktion der Basis fiel zum Teil heftig aus. Er sei "ein Feigling", hieß es, und schwäche die Partei, indem er ihrem Kandidaten kurz vor der Wahl das Messer in den Rücken steche. Trump selbst feuerte einen seiner berüchtigten Tweets ab: Ryan solle sich lieber mit Arbeitsplätzen und der illegalen Einwanderung befassen, statt seine Zeit zu verschwenden und sich gegen den Nominierten der Partei zu stellen.

Angesichts der schwachen Umfragewerte Trumps wird spekuliert, Ryan wolle das sinkende Schiff verlassen, um am Ende auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Sein Kalkül sei: Wer in Zukunft die Republikanische Partei lenken möchte, darf sich jetzt mit der Trump-Kandidatur nicht allzu sehr belasten. Trump gilt für immer mehr Republikaner als schädlich. Bereits mehr als 160 namhafte Parteigrößen verweigern ihm die Unterstützung, darunter Senator John McCain oder der Gouverneur von Ohio, John Kasich.

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Das Video war nun offenbar der eine Skandal zu viel

Paul Ryan, ein wertkonservativer Mann, der 2012 als Vize-Präsidentschaftskandidat von Mitt Romney angetreten war, gilt als möglicher Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2020. Seine politische Bildung, sagte er einmal, habe er der russisch-amerikanischen Autorin Ayn Rand zu verdanken, "den ganzen Rest einer frühen Anstellung bei McDonald's", wo er alles über Unternehmensführung gelernt habe.

Noch im Dezember 2015 sagte Ryan über Trump, dieser sei "kein wahrer Konservativer". Im Mai 2016 befand er, Trump noch nicht genug zu kennen. Wenige Wochen später verkündete er, wohl auch auf Druck der Partei, seine Unterstützung für den Kandidaten. Er zeigte sich über Trumps Verhalten aber öfters schockiert, etwa nach dessen Aussagen über "mexikanische Wurzeln" eines Richters. Das Video war nun offenbar der eine Skandal zu viel. "Knapp einen Monat vor der Wahl ist die on-off-Beziehung der beiden nun definitiv auf off", schreibt das Wall Street Journal. Trump-Anhänger kürten Ryan im Rennen um den Titel "Politiker ohne Rückgrat" zum Sieger.

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