US-Wahl Obama kritisiert FBI-Chef für Umgang mit Clintons E-Mail-Affäre

Barack Obama unterstützt Clinton während des Wahlkampfs an der Capital University in Columbus Ohio, 1. November 2016.

(Foto: AFP)
  • Barack Obama schaltet sich in die Debatte um die FBI-Ermittlungen zu Hillary Clintons E-Mail-Affäre ein.
  • Er tadelt die Bundespolizei für ihr Vorgehen: "Wir handeln nicht auf Basis unvollständiger Informationen".
  • Die neue Untersuchung schadet der demokratischen Präsidentschaftskandidatin. Hillary Clintons Vorsprung auf Donald Trump in den Umfragen schrumpft.

Barack Obama hat FBI-Chef James Comey scharf dafür kritisiert, dass er den US-Kongress über weitere möglicherweise verfängliche E-Mails aus dem Umfeld von Hillary Clinton unterrichtet hat. In einem Interview mit der Nachrichtenplattform Now This News sagte der US-Präsident: "Wir handeln nicht auf Basis unvollständiger Informationen. Wir handeln nicht auf Basis von Leaks."

Die "gründlichen" Ermittlungen des FBI, des Justizministeriums und mehrere Anhörungen im Kongress hätten ergeben, dass Hillary Clinton in der Vergangenheit Fehler gemacht hätte. Diese seien aber nicht strafbar.

Aus dem Lager der Demokraten wird FBI-Chef Comey wegen der Bekanntgabe der neuerlichen Ermittlungen Wahlbeeinflussung vorgeworfen, denn offenbar wusste die Behörde schon seit Anfang Oktober von den E-Mails. Am Montag zitierte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, den US-Präsidenten noch mit den Worten: "Obama glaubt nicht, dass Direktor Comey mit Absicht versucht, das Wahlergebnis zu beeinflussen. Der Präsident glaubt nicht, dass er (Comey, d. Red.) einem Kandidaten oder einer Partei helfen will."

Umfrage: Wähler haben weniger Vertrauen in Clinton

Die Affäre um Clintons sorglosen Umgang mit beruflichen E-Mails in ihrer Zeit als US-Außenministerin überschattet seit 2015 ihre Wahlkampagne.

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Bundespolizei möglicherweise Tausende E-Mails sichergestellt hat, die sie auf einem Computer des ehemaligen Kongressabgeordneten Anthony Weiner entdeckt hatte. Sie sollen im Zusammenhang mit Hillary Clinton stehen.

Anthony Weiner ist der Ehemann von Clintons politischer Beraterin und enger Vertrauter Huma Abedin. Gegen den Demokraten wird ermittelt, weil er einer Minderjährigen anzügliche Textnachrichten und Bilder geschickt haben soll. Es war nicht das erste Mal, dass Weiner beim Sexting erwischt wurde. Er und Abedin gaben im August dieses Jahres ihre Trennung bekannt.

Die neuen FBI-Ermittlungen haben der demokratischen Präsidentschaftskandidatin in den Umfragen geschadet. Viele Amerikaner empfinden sie nicht als vertrauenswürdig. In einer Befragung der Washington Post und des TV-Senders ABC gaben 46 Prozent an, der Republikaner Donald Trump sei ehrlicher als Clinton. Die Wahl am kommenden Dienstag würde sie den Vorhersagen nach im Moment trotzdem gewinnen.

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