US-Wahl:Obama kämpft gegen politischen Stillstand und Zynismus

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US-Wahl: Ein Trump-Sympathisant störte die Veranstaltung.

Ein Trump-Sympathisant störte die Veranstaltung.

(Foto: AP)

Als Obama 2008 das erste Mal kandidierte, da war die Stimmung viel positiver, erinnern sich Williams und Blake. Genau acht Jahre vor dem Auftritt in Fayetteville war Obama zum 44. US-Präsidenten gewählt worden. Damals sagte er in seiner Siegesrede in Chicago voller Pathos: "Wenn es da draußen noch jemanden gibt, der daran zweifelt, dass in Amerika alles möglich ist oder die Stärke unserer Demokratie in Frage stellt, der hat heute seine Antwort erhalten."

Damals konnte er nicht ahnen, dass er wohl zu viel versprochen hatte und die Republikaner viele Vorschläge aus Prinzip verweigern sollten. Viele seiner Reden, die Barack Obama 2016 hielt, sind gezeichnet durch diese Mischung als Enttäuschung und dem Appell an sein Volk, sich nicht unterkriegen zu lassen. Schon im Januar, in seiner letzten "Rede zur Lage der Nation", widersprach er der Schwarzmalerei - und gestand ein, dass es ihm trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, Amerikas verfeindete Lager zu versöhnen.

Er verurteilt den schädlichen Einfluss von Millionen-Spendern auf die Politik. Er trauert an Orten wie Dallas um getötete Polizisten, verurteilt den offensichtlichen Rassismus der US-Gesellschaft und klagt an der Howard University, dass an immer mehr Hochschulen und in den Medien die Meinungen von Minderheiten unterdrückt würden: "Um für Wandel zu sorgen, muss man nicht nur reden und protestieren. Man muss bereit sein, jenen zuzuhören, die anderer Meinung sind und nach Kompromissen suchen."

Obama ruft wütendes Publikum zur Ordnung

Wie angespannt die Stimmung ist, zeigt sich auch in Fayetteville. Nach zehn Minuten springt ein Mann in einer Uniform auf und hält ein "TRUMP"-Plakat hoch. Die 5000 Zuhörer buhen und brüllen "Hillary, Hillary", doch Obama ruft sie zur Ordnung. "Ich meine es ernst: Hört auf. Erstens: Wir leben in einem Land, wo jeder seine Meinung sagen darf. Zweitens sieht es aus, als sei er Soldat gewesen: Das respektieren wir. Drittens ist er ein älterer Herr und wir respektieren Senioren. Und viertens: Ihr sollt nicht buhen, sondern zur Wahl gehen."

Dieses "Don't boo! Vote!" ist ein klassischer Spruch des US-Präsidenten, den er bei vielen Gelegenheiten anführt. Obama weiß, dass die Begeisterung für Clinton gerade unter jüngeren Schwarzen nicht so groß ist, hier in North Carolina hat er jedoch noch ein anderes Argument. Die republikanische Mehrheit im Kongress hat hier ein Wahlgesetz erlassen, das die Möglichkeit beschnitt, vorzeitig seine Stimme abzugeben. Ein Gericht stoppte Teile davon, da die Autoren des Gesetzes "mit chirurgischer Präzision Afroamerikaner" demotivieren und von den Urnen fernhalten wollte.

Barack Obama erzählt also von einer hundertjährigen Frau namens Grace Bell Hardison. Sie lebt in North Carolina und ist nie umgezogen: Trotzdem hätten konservative Aktivisten angezweifelt, dass sie stimmberechtigt sei und versucht, ihren Namen aus den Wahllisten zu entfernen. "Es ist noch nicht lange her, dass Afroamerikaner verprügelt wurden, wenn sie wählen wollten", ruft Obama. Es sei eine Schande, wie wenig Respekt Frau Hardison entgegengebracht wurde: "Es wäre aber eine weitere Schande, wenn ihr nicht zur Wahl geht. Wenn sie mit 100 nicht aufhört zu kämpfen, dann höre ich nicht auf. Wenn sie nicht müde ist, dann bin ich es auch nicht."

Nein, müde ist Barack Obama wirklich nicht. Er wird am Sonntag erneut in die Air Force One steigen und für zwei weitere Auftritte nach Florida fliegen. Auch am Montag wird er in New Hampshire und in Pennsylvania ein letztes Mal für Clinton werben. Wenn sie entgegen aller Prognosen doch nicht gewählt werden sollte: Am Einsatz des "Campaigner in Chief" wird es nicht gelegen habe.

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