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Vizekandidatin der Demokraten:Kamala Harris' Herkunft wird zum Streitthema

Kamala Harris

Kamala Harris hat Wurzeln in Jamaika und Indien. Seit sie an der Seite Joe Bidens für die Präsidentschaftswahl antritt, stellen einige ihre Selbstbezeichnung als "schwarz" in Frage.

(Foto: AP)

Die Eltern der Vizepräsidentschafts-Kandidatin sind Einwanderer aus Jamaika und Indien. Einigen Kritikern ist sie deshalb nicht "schwarz" genug für eine Kandidatur.

Von Alan Cassidy, Washington

Sie ist jetzt wieder da, diese heikle Frage. Sie wabert durch die sozialen Medien und taucht in Leserkommentaren auf: Ist Kamala Harris, die demokratische Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, eigentlich schwarz genug?

Wie brisant diese Frage ist, zeigt sich bereits im Wikipedia-Eintrag über die Senatorin. Schon wenige Minuten, nachdem Joe Biden sie zu seiner Vizekandidatin ernannt hatte, entbrannte auf der englischsprachigen Version der Online-Enzyklopädie eine wütende Debatte unter den Autoren. Es ging dabei um Harris' Bezeichnung als "erste Afroamerikanerin" und "erste asiatische Amerikanerin" auf einem Wahlticket, eine Bezeichnung, die von vielen Autoren kritisiert wurde.

Die Kalifornierin ist die Tochter von Einwanderern. Ihr Vater stammt aus Jamaika, ihre Mutter aus Indien. "Kamala Harris ist keine Afroamerikanerin, sie ist Inderin und Jamaikanerin", behauptete Mark Levin, ein rechtskonservativer Moderator: "Ihre Herkunft geht nicht zurück auf die amerikanische Sklaverei." Die Washington Post nannte Levins Aussagen "bizarr" und verglich sie mit der rassistischen "Birther-Theorie", die Barack Obamas Geburtsort und damit seine Legitimität als Präsident anzweifelte.

Obama ist der Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen, kenianischen Vaters. Amerikanische Sklaven finden sich unter seinen Vorfahren nicht. Das gilt zum Beispiel auch für Colin Powell, den ersten schwarzen Generalstabschef und Außenminister der USA, dessen Eltern aus der Karibik stammten. Man konnte kritische Töne aber auch am anderen Ende des politischen Spektrums hören: von linken Stimmen, die Harris' Herkunft für privilegiert halten und sagen, dass sie die diskriminierenden Erfahrungen vieler Afroamerikaner nicht teile.

Während Harris' Vater inmitten der Bürgerrechtsunruhen der Sechzigerjahre seine Dissertation schrieb, "wurden wir auf der Straße mit Wasserwerfern beschossen", twitterte etwa Yvette Carnell von der Gruppe American Descendants of Slavery. Harris war mit dieser Kritik bereits 2019 konfrontiert, als sie sich selbst für die Präsidentschaft bewarb. In US-Debatten über "blackness" werden die Begriffe "afroamerikanisch" und "schwarz" meist synonym verwendet. Auch Harris selbst verwendet beide Zuschreibungen. "Ich bin schwarz und stolz darauf", sagte sie 2019 in einer Radiosendung. "Ich wurde schwarz geboren und ich werde schwarz sterben." Wer ihre Identität bezweifle, "versteht nicht, wer schwarze Menschen sind".

Politisch relevant ist all dies, weil es für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl auch darum gehen wird, mehr schwarze Wähler zur Teilnahme bewegen zu können als 2016. Was Harris dazu beitragen kann, ist offen. Bevor sie ihre Bewerbung zurückzog, genoss sie in den Umfragen kaum Unterstützung - weder bei Weißen, noch bei Schwarzen.

© SZ vom 19.08.2020

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