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US-Wahl:Trump hörte auf seine Berater

Ab diesem Punkt veränderte Trump sein Verhalten. Er hörte offenbar nicht mehr auf seine innere Stimme, sondern auf seine Berater. Die verlangten von ihm, dass er auf die Meldungen nicht mit Wut und Aggression antworten dürfe. Nicht mit einem unkontrollierten Ausbruch, wie er es zuvor immer getan hat. Jetzt müsse Trump genauestens ihren Anweisungen folgen. Die Geschichte müsse ihre Kraft alleine entfalten, ohne dass er unkontrolliert auf seine Gegnerin einschlägt.

Trump hat sich daran gehalten. Er hat das FBI gelobt, ist kaum mehr vom Manuskript abgewichen, hat seine Reden bei Wahlkampfauftritten vom Teleprompter abgelesen. Und ist bei Auftritten nicht endlos auf dem Thema herumgeritten.

Trump twittert seither nicht einmal mehr ohne Rücksprache mit seinen Beratern, berichtet die New York Times. Keine nächtlichen Beleidigungsorgien mehr über den Kurznachrichtendienst (Trump hat 13 Millionen Follower). Nur noch Tweets, die er seinem Wahlkampfteam diktiert, werden verschickt. Die Zeitung schreibt, seine Berater hätten ihm den Account "abgerungen" ("wrested away").

US-Präsident Barack Obama hat sich schon darüber lustig gemacht. "In den vergangenen zwei Tagen hatten sie so wenig Zutrauen in seine Selbstkontrolle, dass sie zu ihm gesagt haben: Wir nehmen dir dein Twitter weg", spottete er bei einem Wahlkampfauftritt für Clinton in Florida.

Jetzt haben sich die FBI-Ermittlungen zwei Tage vor der Wahl als Luftnummer herausgestellt. Keine neuen Enthüllungen, keine weiteren Ermittlungen. Die Aufregung ist groß, vor allem im Trump-Lager.

Kommt es jetzt zu einem Rückfall in seine Rolle als wütender Ego-Clown? Bis zur Wahl ist dafür kaum mehr Zeit. Aber er kann auch wenn er verloren hat noch gewaltigen Schaden anrichten.

Der Kandidat selbst hat bei einer Wahlkampfveranstaltung in Minneapolis nicht vom Teleprompter abgelesen, als er mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen und Clinton sagte: "Das ist ein manipuliertes System. Und sie wird geschützt." Die Untersuchung "wird weitergehen".

Trump hat viel an politischer Kultur zerstört in diesem Wahlkampf. Ein paar Tage vernünftige Wahlkampfführung können nicht eineinhalb Jahre erratisches Wüten vergessen machen.

Seine Rhetorik war und ist Gift für die Demokratie. Selbst ob er den Ausgang der Wahl als rechtmäßig anerkennt, hat er offengelassen. Er prognostizierte, versehen mit rassistischen Untertönen, Wahlmanipulationen vor allem in Städten mit hohem afroamerikanischen Bevölkerungsanteil. Damit redet er gewalttätige Auseinandersetzungen nach der Abstimmung geradezu herbei.

Und sollte Trump verlieren, dann wird er ziemlich sicher nicht mehr auf seine Berater hören. Dann hört er wieder nur auf sich.

© SZ.de/ghe

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