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Parteitag der US-Demokraten:An manchen Stellen zittert Obamas Stimme ein wenig

Die Empörung und die Furcht, die aus Obamas Rede sprachen, waren nicht gespielt. Wie ernst es ihm war, konnte man hören, wenn an manchen Stellen seine Stimme ein wenig zitterte oder wenn er zwischen zwei Sätzen Atem holte. Aber man würde wohl die Wahlstrategen der Demokraten unterschätzen, wenn man annähme, dass sie dem Altpräsidenten nicht auch ein wenig die Richtung gewiesen hätten, als der seine Rede geschrieben hat. Denn wenn es einen roten Faden gibt, der sich durch praktisch alle Reden zieht, die in dieser Woche bei dem Parteitag gehalten worden sind, dann ist es dieser: Angriff auf Trump.

Bis zu Obamas Auftritt waren es vor allem die Frauen gewesen, die Trump mal mehr, mal weniger offen attackiert hatten. Am Montag hatte Michelle Obama den Anfang gemacht, zum Teil mit wortgleichen Formulierungen wie zwei Tage danach ihr Mann. "Lasst mich so ehrlich und offen wie möglich sein", sagte sie in ihrer Rede. "Donald Trump ist der falsche Präsident für unser Land." Und auch Michelle Obama schloss mit einer eindringlichen Bitte: "Wir müssen wählen gehen, als hinge unser Leben davon ab."

So ging es weiter. Frau auf Frau trat auf, und in jede Rede hatte die Parteitagsregie mindestens einen Absatz eingebaut, in dem Trump angegriffen wurde. "Ich wünschte, Donald Trump wäre ein besserer Präsident", sagte Hillary Clinton am Mittwoch, die vor vier Jahren die Wahl gegen Trump verloren hatte. "Aber leider ist er eben, wie er ist."

Kamala Harris teilte ebenfalls gegen den Präsidenten aus. Sie beklagte "das ständige Chaos", die "Inkompetenz" und die "Hartherzigkeit" Trumps. "Wir müssen einen Präsidenten wählen, der uns etwas Anderes gibt, etwas Besseres, und der die wichtige Arbeit macht."

Sogar Jill Biden, die am Dienstag eine liebevolle, weitgehend unpolitische Rede über ihren Mann Joe hielt, verpasste dem amtierenden Präsidenten einen Hieb. "Wir brauchen eine Führung, die unserer Nation wert ist. Die ihr verdient. Eine ehrliche Führung, die die Menschen wieder zusammenbringt", sagte sie. Jill Biden nannte Trump zwar nicht beim Namen. Aber wen sie für unehrlich und spalterisch hält, war keine Frage.

Die Demokraten wollen die US-Bürger unbedingt zum Wählen bringen

Ob dieser aggressive Wahlkampf sich am Ende auszahlt, ist offen. 2016 hat Hillary Clinton versucht, Trump zu schlagen, indem sie seinen Charakter angriff - ohne Erfolg. Trumps eigene Attacken auf Clinton waren allerdings umso wirkungsvoller. Heute wissen die meisten Amerikaner sehr gut, wer Donald Trump ist und was sie von ihm zu erwarten haben. Diejenigen, die immer noch zu ihm halten, stört das entweder nicht - oder sie freuen sich sogar darüber. Sie werden sich von Obamas Rede nicht umstimmen lassen, von Hillary Clinton erst recht nicht.

Aber wahrscheinlich haben die Attacken auch einen anderen Zweck. Sie sollen zum einen die - eher wenigen - Wähler, die noch nicht festgelegt sind, daran erinnern, was für ein Desaster Donald Trump ist. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass immer wieder die aktuelle Zahl der Corona-Toten in den Reden auftaucht. Und sie sollen zum zweiten den demokratischen Anhängern eine solche Heidenangst vor einer weiteren Trump-Amtszeit einjagen, dass sie auf jeden Fall zur Wahl gehen.

"Wenn ihr glaubt, es könne unmöglich schlimmer werden, dann glaubt mir: Es kann", warnte Michelle Obama. "Und es wird schlimmer werden, wenn wir bei der Wahl nicht für einen Wechsel sorgen." Barack Obama, der Professor, drückte sich etwas poetischer aus als seine Frau, meinte aber das gleiche: "Was wir tun, wird noch für Generationen nachhallen", sagt er.

Am Ende seiner Rede verabschiede sich Obama mit zwei Worten: "Stay safe." Bleibt gesund. Und es klang ein bisschen, als wünsche er damit nicht nur seinen Landsleuten, dass sie vom Coronavirus verschont bleiben. Sondern dass das ganze Land Donald Trump übersteht.

© SZ/gal
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