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US-Wahl:Die US-Gesellschaft wird gespalten bleiben

Diese Kategorien der Trump-Wähler decken sich recht genau mit einer Typologie des renommierten Meinungsforschungsinstituts Pew. In einer aktuellen und sehr lesenswerten Studie werden die Republikaner in "Kern-Konservative", "Mein Land zuerst"-Konservative", "Marktskeptiker" und die optimistischen "Neue Zeit"-Unternehmer eingeteilt. Die Pew-Forscher führten ihre Interviews im Frühsommer durch und ihre Ergebnisse stützen die Analysen der Voter Study Group.

Deren Arbeit ist nicht nur so wertvoll, weil außergewöhnlich viele US-Amerikaner befragt werden: Viele von ihnen nahmen schon 2012 und 2008 an der Studie teil. Emily Ekins betont zu Recht, wie unterschiedlich die Meinungen und Motive der Trump-Wähler sind. Allerdings gibt es vier Punkte, auf die sich alle einigen konnten:

  • Die Unterstützung für einen temporären Reisebann für Muslime ist deutlich höher als bei Demokraten.
  • Härteres Vorgehen gegenüber illegalen Einwanderern wird unterstützt: Anders als unter Anhängern der Demokraten wird ein path to citizenship als Weg zu einem rechtmäßigen Aufenthalt mehrheitlich abgelehnt.
  • Die Zukunftsaussichten für die US-Wirtschaft werden von vielen Trump-Fans als schlecht angesehen, auch um die eigenen Finanzen steht es nicht gut.
  • Enorme Ablehnung gegenüber Hillary Clinton (ihre Negativ-Werte sind deutlich höher als jene von Obama 2012).

Es spricht wenig dafür, dass die US-Gesellschaft im nächsten Jahr wieder näher zusammenrückt. Die Meinungsforscher von Pew bestätigen in ihrer neuen Erhebung einen Eindruck aus dem Wahlkampf 2016. Immer mehr Amerikaner definieren sich nur über das Kontra, also über die Ablehnung des politischen Gegners.

Neben den Republikanern sind auch die Demokraten sehr zerstritten und orientierungslos - und verbergen dies hinter möglichst harten Attacken auf Trump. Der scheint längst von seinem Versprechen aus der Wahlnacht abgerückt, ein "Präsident aller Amerikaner" sein zu wollen.

Es ist paradox. Einerseits versendet Bloomberg Meldungen wie "Die Stimmung unter den Verbrauchern ist so gut wie seit Juni 2001 nicht mehr", andererseits fasst die Washington Post ihre aktuelle Meinungsumfrage so zusammen: "Die politische Spaltung ist so tief wie zu Zeiten des Vietnamkriegs". Sieben von zehn befragten Amerikanern sprechen von einem "gefährlichen Tiefpunkt" - und die meisten rechnen nicht mit einer baldigen Verbesserung.

Für das Wohlbefinden der Bürger verheißt dies wahrlich nichts Gutes. In der jüngsten Stress- Studie der American Psychological Association (APA) heißt es, dass 63 Prozent der US-Amerikaner wegen der aktuellen Lage beunruhigt sind und über Stressgefühle klagen. Der zuständige Wissenschaftler hat drei Tipps zur besseren Bewältigung: sportliche Betätigung, viel Kontakt zu Freunden und Familie und "so wenig Nachrichtenkonsum wie möglich".

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