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Clintons Debakel bei der US-Wahl:Mit Bill nach Arkansas

Kurz arbeitet die Juristin in der Hauptstadt Washington bei der Watergate-Untersuchungskommission, bevor sie - zum Entsetzen ihrer Freunde - nach Arkansas umzieht, wo Bill wohnt. "Ich war sicher, dass sie ihre Zukunft verspielt", erinnert sich ihre Freundin Sara Ehrman. Sie berichtet in der New York Times, wie Hillary reagierte: "Ich liebe ihn und möchte bei ihm sein", habe sie damals gesagt.

Auch in der Provinz setzt sich Hillary Rodham durch: Sie unterrichtet Jura und steigt als erste Frau zur Partnerin in einer der ältesten Großkanzleien Amerikas auf. Mit ihrem Gehalt ernährt sie die Familie, zu der seit 1980 auch Tochter Chelsea gehört. Bill wird 1978 zum Gouverneur von Arkansas gewählt, zwei Jahre später allerdings nicht wiedergewählt.

Hillary Clinton

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Ein Grund ist seine emanzipierte Frau: Viele Wähler nehmen es ihr übel, dass sie sich weiter Rodham nennt. Mit dieser Erfahrung muss Hillary Rodham Clinton (so ihr neuer Name) oft kämpfen: Ihr Selbstbewusstsein verschreckt viele. Also ändert sie ihren Kleidungsstil und tritt als konventionelle Ehefrau auf.

1982 wird Bill Clinton erneut Gouverneur. Als er 1992 fürs Weiße Haus kandidiert, wird auch seine Frau landesweit bekannt. Der erst 46-jährige Clinton steht für eine neue Generation und wirbt unter dem Motto "Zwei zum Preis von einem" damit, dass auch Hillary Verantwortung übernehmen werde. Während des Wahlkampfs verteidigt sie ihren Mann vehement gegen alle Anschuldigungen, er sei untreu gewesen.

Als der Vorwurf laut wird, Bill Clinton habe als Gouverneur ihrer Karriere geholfen, kontert Hillary: "Ich hätte auch daheim bleiben und Kekse backen können." Hier entstand bei manchen der Eindruck, der sich bei Konservativen bis heute hält: Clinton blicke auf Hausfrauen herab .

Ihr Entschluss, Bill nicht zu verlassen, galt als Beleg für Machtkalkül

Als First Lady plant sie eine umfassende Gesundheitsreform. Diese scheitert grandios, und Hillary leidet unter der harten Kritik durch die Medien. Hier beginnt jenes tiefe Misstrauen gegen Journalisten, das ihr Denken bis heute prägt. Im Dezember 1993 wird im Weißen Haus debattiert, ob alle Unterlagen zum umstrittenen "Whitewater"-Immobiliendeal der Clintons veröffentlicht werden sollen. Bill und seine Berater sind dafür, doch Hillary legt zum Schutz ihrer Privatsphäre ein Veto ein.

Die Folgen sind enorm: Die Republikaner setzen einen Sonderermittler ein, der etwas ganz anderes entdeckt und enthüllt: Bills Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Damals beginnt, was Clinton als right wing conspiracy gegen sich bezeichnet; schon beim Republikaner-Parteitag 1996 erzählten Delegierte den Reportern alle möglichen Verschwörungstheorien. Die First Lady sei eine Satanistin und habe den Anwalt Vince Foster ermorden lassen. Dessen Suizid sei nur inszeniert. Viele dieser offensichtlichen Lügen wiederholt Trump von Mai 2016 an im Wahlkampf.

Von Bills zweiter Amtszeit ist bis heute vor allem die Lewinsky-Affäre in Erinnerung geblieben, die zu einem Amtsenthebungsverfahren geführt hat. Als betrogene Ehefrau erfährt Hillary viel Mitgefühl, zugleich wird ihr der Entschluss, Bill nicht zu verlassen, als Beleg für ihr Machtkalkül ausgelegt.