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US-Wahl:Für Trump wird es eng

In fünf umkämpften Bundesstaaten gibt es noch kein Ergebnis, doch alle Indizien deuten auf Joe Biden als Gewinner der US-Präsidentschaftswahl. Briefwahlstimmen gehen in überwiegender Mehrheit an die Demokraten, wichtige Staaten wollen in den kommenden Stunden Ergebnisse verkünden.

Von Stefan Kornelius

Auch mehr als 24 Stunden nach Ende der Abstimmung steht ein Sieger der US-Präsidentschaftswahl nicht fest. Allerdings gibt es eine klare Dynamik: Nachdem Joe Biden in Wisconsin und in Michigan zum Gewinner erklärt wurde, deutet auch in den Bundesstaaten Arizona und Nevada alles auf einen Vorsprung des Kandidaten der Demokraten hin. Selbst in bisher republikanisch dominierten Bundesstaaten Pennsylvania und Georgia gibt es eine Tendenz zugunsten Bidens, obwohl Trump Stunden vor Ende der Auszählung führt. Damit hätte Biden gute Chancen, sich noch an diesem Donnerstag zumindest inoffiziell eine ausreichende Zahl von Wahlleuten im Electoral College zu sichern.

Das Lager von Präsident Donald Trump reagierte mit wütenden Kommentaren und zweifelte die Legitimität vieler Stimmen an. Klagen wurden in fast allen umstrittenen Bundesstaaten eingereicht, eine neuerliche Anrufung des Supreme Courts in Washington wurde erwartet. Vereinzelt wurden Wahlhelfer bedrängt, in Arizona wurde ein Auszählungslokal von Trump-Anhängern belagert, das Justizministerium in Washington drohte mit der Entsendung von bewaffneten Bundesbeamten.

Alle jüngsten Zahlen deuten unterdessen auf einen knappen Wahlsieg Bidens hin. Nach dem Sieg in Wisconsin und Michigan würden Biden die Stimmen aus Arizona und Nevada reichen, um eine Mehrheit von 270 Wahlleuten zu sichern. In Arizona lagen am Morgen deutscher Zeit 79 000 Stimmen zwischen Biden und Trump, wobei Bidens Vorsprung binnen 24 Stunden um 130 000 Stimmen geschrumpft war. Ein Ergebnis wird für die kommenden Stunden erwartet.

In Nevada führt Biden mit lediglich 7600 Stimmen. Die Behörden wollen erst gegen 18 Uhr deutscher Zeit neue Ergebnisse bekannt geben. Sowohl in Arizona wie auch in Nevada werden jetzt noch Briefwahlstimmen aus stark demokratisch dominierten Wahlkreisen ausgezählt.

In den bislang republikanisch dominierten Staaten Georgia und Pennsylvania zeichnete sich ebenfalls ein Trend zugunsten Bidens ab, der sich die Nacht hindurch deutlich verstärkte. Grund dafür sind die Briefwahlstimmen, die zuletzt ausgezählt und mehrheitlich von demokratischen Wählern abgegeben wurden. So schrumpfte der Vorsprung für Donald Trump in Georgia von hohen sechsstelligen Zahlen auf zuletzt 28 000 Stimmen zusammen. Zuwächse der Demokraten wurden vor allem in der Metropolregion Atlanta verzeichnet.

Ein vergleichbares Bild ergibt sich in Pennsylvania, wo noch mehr als 760 000 von insgesamt 2,6 Millionen Stimmen ausgezählt werden müssen. Statistiken zufolge gehen etwa 70 Prozent dieser Stimmen an Biden, große Stimmzahlen fehlen vor allem in den bevölkerungsreichen Countys um die Städte Philadelphia und Pittsburgh. Die Innenministerin des Bundesstaates kündigte Ergebnisse für den späten Donnerstag, spätestens Freitag an. Trumps Vorsprung von 163 000 Stimmen könnte allein in Philadelphia County mit 120 000 ausstehenden Stimmen und einer Zustimmungsquote von 75 Prozent für Biden signifikant schrumpfen.

Der zähe Auszählungsprozess erklärt sich mit der Vorsicht, mit der die lokalen Wahlbehörden vorgehen. Wahlbeauftragte in allen umstrittenen Bundesstaaten wurden nicht müde, zu betonen, dass der Auszählungsprozess akkurat und transparent bleiben müsse. Hintergrund ist die Sorge um eine Wahlanfechtung. Das Lager von Präsident Donald Trump hat bereits mehrere Klagen und Anträge auf Nachzählung angekündigt. Für Michigan kündigte das Trump-Team einen Antrag auf Stopp der Auszählung an, in Wisconsin stellte es eine Nachzählung in Aussicht, die bei einem Vorsprung von 21 000 Stimmen für Biden freilich wenig Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

In Pennsylvania versuchten Anwälte des Trump-Lagers, die Auszählung spät eingetroffener oder nachträglich korrigierter Stimmen zu verhindern. In Georgia wurde die Zulässigkeit von 53 Briefwahlstimmen rechtlich angezweifelt. Weitere Klagen wurden für Arizona und Nevada angekündigt. Denkbar war auch die Wiederaufnahme eines Eilverfahrens vor dem Obersten Gerichtshof in Washington zur Zulässigkeit von Stimmen, die am Wahltag per Post abgeschickt wurden, aber erst bis zu drei Tage später bei den Wahlbehörden eintreffen werden.

© SZ/ghe
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