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US-Wahl 2016:"Diese Bewegung hat gerade erst begonnen"

Der künftige US-Präsident schlägt in seiner Siegesrede versöhnliche Töne an. Doch was werden künftig Worte zählen?

Der künftige US-Präsident trat um 2:47 Uhr vor seine Unterstützer im Hilton Hotel in Manhattan. "Entschuldigung, dass ich euch habe warten lassen", begann Donald Trump unter gewaltigem Jubel, "komplizierte Geschäfte."

Er habe einen Anruf von "[Außen]Ministerin Clinton" erhalten. Sie habe hart gearbeitet und er sei dankbar. Anders als zu normalen Anlässen rief das Publikum nicht "Sperrt sie ein, sperrt sie ein!", sondern applaudierte höflich in der Gewissheit, dass ihr Kandidat gesiegt hatte.

Nun sei es Zeit, die Teilung zu überwinden, so der Mann, der seine Anhänger gegen Minderheiten, Politiker und Medien instrumentalisiert hatte. "Ich werde Präsident für alle Amerikaner", las er vom Teleprompter ab - der Mann, der Muslime unter Generalverdacht gestellt und einem angesehenen Richter wegen dessen mexikanischen Wurzeln Illoyalität zu seinem Land vorgeworfen hatte.

Wie naiv wirkten die Sorgen aus der Zeit, als die Sonne noch über diesem 8. November schien. Ob Trump in seiner Rede einen Clinton-Sieg anerkennen werde zum Beispiel - noch am Nachmittag hatte er sich über zahlreiche (unbelegte) Wahlfälschungen beschwert. Wie schief lesen sich die Berichte über die vergangenen Wochen im Trump Tower, die Vergleiche mit dem Bunker, in dem sich der Kandidat seine eigene Welt schafft. Andererseits heißt es aus der Kampagne: Man habe in internen Umfragen auch eine Niederlage erwartet.

Und jetzt das.

Oder, wie der Kandidat es formuliert: "Diese Bewegung hat gerade erst begonnen."

Das Wirtschaftswachstum werde man verdoppeln, die Infrastruktur "unvergleichbar" wieder aufbauen. "Kein Traum, keine Herausforderung ist zu groß", so Trump. "Amerika wird sich mit nichts weniger als dem Besten zufriedengeben." Seine Botschaft ist bekannt, doch nun hat sie politisches Gewicht, wenn er an die Welt gerichtet erklärt: Man werde die amerikanischen Interessen zuerst im Blick haben, aber "immer fair bleiben" und "Partnerschaft statt Konflikt" suchen.