US-Vorwahlen in Michigan Clinton und Obama glätten die Wogen

Nach zuletzt immer heftigeren Wahlkampftönen bemühen sich die beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten um Schadensbegrenzung.

Nach einem Streit über die angebliche Herabwürdigung der schwarzen US-Bürgerrechtsbewegung durch Hillary Clinton haben sich die New Yorker Senatorin und ihr parteiinterner Rivale Barack Obama um Glättung der Wogen bemüht.

Stimmenfang: Nach ihren umstrittenen Äußerungen warb Hillary Clinton in New York um die Stimmen von Afroamerikanern.

(Foto: Foto: AP)

Clinton warb am Montag in New York um die Stimmen von Afroamerikanern. "Jedes Mal, wenn Du Dich für Gerechtigkeit einsetzt, stehst Du für den Geist von Dr. King", sagte sie.

Obama sagte, der Vorwahlkampf dürfe nicht zu einem "Wie-Du-mir-so-ich-Dir" verkommen. Clinton, Obama und der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Edwards sollten den Kampf um die Kandidatur am Dienstagabend in einer Fernsehdebatte fortsetzen.

Nicht "mit derartigen Dummheiten aufhalten"

Clinton sprach im New Yorker Stadtteil Manhattan vor Angestellten von Sicherheits- und Wachdiensten. "Wir stimmen in vielen Dingen nicht überein", sagte sie mit Blick auf Obama. "Aber wenn es um die Bürgerrechte geht und das Recht auf Vielfalt, wenn es um unsere Helden geht - Präsident John F. Kennedy und Dr. King - dann sind Senator Obama und ich auf einer Seite."

Laut New York Times sagte Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Nevada, wo am Samstag die nächste Runde im Vorwahlkampf stattfindet, es stehe zu viel auf dem Spiel, um sich "mit derartigen Dummheiten aufzuhalten".

Clinton hatte sich energisch gegen den Vorwurf gewehrt, mit einer Aussage über King die Leistungen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung herabgewürdigt zu haben. Sie selbst kämpfe seit Jahren für Bürger-, Menschen- und Frauenrechte. Martin Luther King habe sich an vorderster Front für Bürgerrechte eingesetzt.

Das Lager ihres Rivalen Obama habe ihre Aussage absichtlich verdreht. Obama-Sprecher Bill Burton schenkte Clintons Rechtfertigung wenig Glauben: "Ihre Worte haben Menschen verletzt und sie kann sie erklären, wie sie will", sagte er.

Demokratische Afroamerikaner noch unentschieden

Clinton hatte vor ihrem Überraschungssieg bei den Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire vergangene Woche erklärt: "Der Traum von Doktor King begann sich zu erfüllen, als Präsident Lyndon Johnson 1964 ein Gesetz zu Menschenrechten erlassen hat. (...) Um das zu erreichen, brauchte es einen Präsidenten."

Einige Schwarze sahen darin die Unterstellung, dass nur ein weißer Präsident dazu in der Lage gewesen sei. Die Äußerungen hatten auch in South Carolina für Empörung gesorgt, wo viele Afroamerikaner leben und am 26. Januar Vorwahlen stattfinden.

Viele demokratische Afroamerikaner sind noch unsicher, ob sie bei der Präsidentschaftswahl im November Clinton oder Obama wählen sollen. "Wir mögen Hillary, aber wir mögen auch Obama, weil er einer von uns ist", sagte die 68-jährige Mildred McGill in New York.

Clinton Miller, ein 40-jähriger Pastor und Obama-Anhänger, sagte: "Das Gute ist: Egal, ob die Demokraten eine Frau oder einen Afroamerikaner als Kandidaten nominieren, Geschichte wird auf jeden Fall geschrieben."

Jüngsten Umfragen zufolge hat Clinton ihre Führungsposition landesweit behalten, Obama konnte den Vorsprung jedoch verringern. Beide konnten bislang jeweils einen Sieg bei Vorwahlen erringen; die nächste Abstimmung steht am Samstag in Nevada an. Der US-Fernsehsender MSNBC will die TV-Debatte live im Internet übertragen.

Aufmerksamkeit auf Republikaner

Die Vorwahl am Dienstag in Michigan ist allerdings für das Rennen bei den Demokraten ohne Belang. Die Partei hat dem US-Staat die Delegiertenstimmen für den Wahlparteitag Ende August entzogen, weil er sich nicht an die Regeln für die Terminansetzung der Vorwahl gehalten hat.

Alle führenden Kandidaten verzichteten daher auf jeden Wahlkampf in Michigan. Obama und der in den Umfragen an dritter Stelle platzierte John Edwards ließen sogar ihre Namen von den Stimmzetteln entfernen.

Die Aufmerksamkeit richtet sich daher ganz auf die Vorwahl der Republikaner in Michigan. John McCain und Mitt Romney hatten nach jüngsten Umfragen die besten Chancen für einen Sieg in Michigan, bei dem soziale und wirtschaftliche Themen als ausschlaggebend galten.

Beide versprachen der Bevölkerung des US-Staates, sich um neue Arbeitsplätze zu kümmern. Auf Platz drei sahen die Umfragen den ehemaligen Baptistenprediger Mike Huckabee.

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