US-Vorwahl:Wieso Trump auf Twitter und Tochter Ivanka setzt

Lesezeit: 4 min

Der Wahlkampf des Immobilien-Milliardärs Wahlkampf ist das genaue Gegenteil des Iowa Way, der auf Kontakt und Nähe basiert. Trump verspeist keine fettigen Mahlzeiten in einem Familienrestaurant in Iowa, um volksnah zu wirken. Nur selten hat er in Iowa überhaupt übernachtet. Er fliegt im Privatjet von Auftritt zu Auftritt - und je größer die Halle, umso besser. Anstatt länger mit Wählern zu sprechen, gibt Trump lieber Interviews oder twittert. Um seinen Fans in Iowa zu erklären, wie das Caucus-Vorwahlsystem funktioniert, postet er ein Video mit seiner Tochter Ivanka.

Mehrmals täglich tritt Trump zurzeit in Iowa auf und beschwört seine Anhänger: "Ihr müsst an den Vorwahlen teilnehmen. Wenn ich nicht gewinne, dann war das alles eine riesige - und übrigens sehr teure - Zeitverschwendung." Der umstrittene Geschäftsmann scheint aber überzeugt, dass seine Bekanntheit und sein unerschütterliches Ego für einen Sieg in Iowa ausreichen.

Zudem setzt Trump auf einige festangestellte Mitarbeiter, die dafür sorgen sollen, dass alles in seinem Sinne läuft. Mit Chuck Laudner hat er einen erfahrenen Mann angeheuert, der Iowas Politiker und Wähler sehr gut kennt: Er sorgte 2012 als Wahlkampf-Chef dafür, dass Rick Santorum mit einem Mini-Budget in Iowa siegte. Doch unter Trumps Fürsprechern in Iowa ist ein berüchtigter Verschwörungstheoretiker - und viele freiwillige Helfer klagten noch Mitte Januar, dass sie nicht ausreichend Informationen erhalten hätten.

Cruz sind alle Mittel recht, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen

So etwas passiert mit den #CruzCrew-Mitgliedern nicht: Sie geben alle Informationen in eine Datenbank ein, um die Wähler besonders gut einschätzen zu können. "Wir kennen die Namen der Bürger, die noch zwischen uns und Trump, uns und Rubio sowie uns und Carson schwanken", sagt Wahlkampfmanager Jeff Roe. Und die vielen Cruz-Anhänger, von denen einige seit Wochen in einem eigens eingerichteten Schlafsaal wohnen, werden genau diese Wähler kontaktieren.

Da üblicherweise nur etwa 125 000 Republikaner an den caucuses teilnehmen, können einige hundert oder tausend zusätzliche Wähler einen entscheidenden Unterschied machen. Wie viel für den Hardliner Ted Cruz auf dem Spiel steht, illustriert eine Episode vom Wochenende. Da verschickte die Cruz-Kampagne regelrechte Drohbriefe an Haushalte in Iowa. Es werde veröffentlicht, ob ein Bürger abgestimmt hat oder nicht, hieß es in den Schreiben. (Details auf der Website des New Yorker) Das stimmt zwar nicht, doch Politologen haben herausgefunden, dass sozialer Druck ("Was sagen die Nachbarn?") am wirksamsten ist, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Cruz selbst lehnt es ab, sich für dieses fragwürdige Vorgehen zu entschuldigen: "Jedes Mittel ist recht, um mehr Bürger Iowas dazu zu bewegen, ihre Stimme abzugeben." Der Texaner braucht einen Sieg an diesem Abend wohl noch mehr als Rivale Trump. Die konservativen Wähler in Iowa passen ideal zu Cruz und aufgrund bester Umfragewerte rechneten alle wochenlang mit einem Sieg des Texaners. Wenn er trotz einer exzellenten Organisation (neben den "Millennials für Ted Cruz" gibt es "Veteranen für Cruz") nur Zweiter wird, dann geht er geschwächt in die nächsten Vorwahlen.

Der Ton wird also rauer und die Nervosität steigt. Denn sehr bald gibt es erste Ergebnisse - und nicht nur Umfragewerte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema